Es kommt noch dicker 1x01

Es kommt noch dicker 1x01

Auf Sat.1 beginnt am Montagabend um 20.15 Uhr die neue Comedyserie Es kommt noch dicker mit Wolke Hegenbarth, die sich über Nacht mit einem schwerwiegenden Gewichtsproblem konfrontiert sieht.

Rollentausch: Theresa Underberg (l.) und Wolke Hegenbarth (r.) in „Es kommt noch dicker“ / (c) Sat.1
Rollentausch: Theresa Underberg (l.) und Wolke Hegenbarth (r.) in „Es kommt noch dicker“ / (c) Sat.1

Für Jessica Grasshoff (Wolke Hegenbarth), die Managerin des Wiener Wellness-Hotels Fitz, geht gutes und das heißt grundsätzlich gertenschlankes Aussehen über alles. Schlank zu sein ist für Jessica eine Frage der Disziplin und Charakterstärke. Wer dick ist, der lässt sich gehen - und kann deshalb auch keinen verantwortungsvollen Job machen. Mit dieser Ansage lässt sie beispielsweise auch die vollschlanke Rike (Theresa Underberg) abblitzen, als diese sich um den Posten der Hotel-Buchhalterin bewirbt. Rike sagt noch, dass Jessica ja keine Ahnung habe, wie es für sie sei - und dass sie nur einen Tag in ihrer Haut verbringen sollte.

Keine der beiden Frauen ahnt, wie schnell genau dies zur Wirklichkeit werden kann. Über Nacht tauschen sie nämlich ihre Figur. Jessica wacht auf - und blickt voller Entsetzen auf ihre Unterwäsche, die ihr am Leib zerrissen ist, weil ihr Körper wie ein Hefekuchen aufgegangen ist. Rike wiederum versäuft geradezu in ihrem Nachthemd, weil sie über Nacht Modelmaße angenommen hat. Während Jessica am Boden zerstört ist und ihr Leben und ihre Karriere vernichtet sieht, kommt Rike vor lauter Begeisterung gar nicht mehr aus dem Kaufrausch nach neuer - und viel zu teuerer - Garderobe heraus. Jessica kommt schließlich eine Idee: Bis sie einen Weg gefunden hat, wieder Normalmaße anzunehmen, soll Rike ihren Posten im Hotel übernehmen...

Fangen wir mit dem Positiven an: Es ist schön, Wolke Hegenbarth nach der unsäglichen ARD-Billigproduktion „Alles Klara“ wieder in einer richtigen Serie zu sehen, deren Kameraarbeit und production value nicht einem Affront gegen den Zuschauer gleichkommen. Sie sieht schon fesch aus, diese deutsch-österreichische Ko-Produktion zwischen Sat.1 und dem ORF. Und fesch, das ist natürlich auch Hegenbarth selbst, die zu Beginn des Piloten viel nackte Haut zeigen darf, um dem Zuschauer nachdrücklich die Veränderung bewusst zu machen, welche in dem Moment einsetzt, als sie den fat suit anlegt.

Sehr begrüßenswert ist die Wahl von Wien als Drehort, da die Stadt - zumindest aus der deutschen Perspektive - einen unverbrauchten Serien-Eindruck macht. Es ist mal was anderes als die ewig gleichen Einstellungen von Köln oder Berlin.

Zu schade, dass sich diese Abwechslung nicht auch in der Story niederschlägt. Womit wir beim weniger Positiven wären. Natürlich ist es grundsätzlich sehr willkommen, dass mit Es kommt noch dicker mal etwas Fantastik in die deutsche Serie Einzug hält. Viel zu selten machen sich deutsche Serienmacher und vor allem deutsche Serien-Redakteure bewusst, dass die Fiktion einen großen Vorzug gegenüber (Scripted) Reality bietet: Die Möglichkeit zur Überspitzung, die auch vor einem Überschreiten der alltäglichen Realitätsgrenzen nicht halt machen muss.

Insofern ist der Kunstgriff, welcher die Seriennarration in Gang setzt, per se erst einmal eine gute Sache. Samt der übrigen Lockerungsübungen, welche die Serie im Hinblick auf die erzählte Wirklichkeit (zum Beispiel Traumsequenzen) vornimmt.

Aber warum muss es bloß das Körpertausch-Motiv sein, das in unterschiedlichen Variationen bereits unzählige Male in Film (zum Beispiel „Freaky Friday“) und Serie (zum Beispiel Drop Dead Diva) durchdekliniert worden ist? Wir nehmen zwei gegensätzliche Figuren - und stecken die eine in den Körper der anderen. Okay, hier ist nur der fat suit der anderen. Aber trotzdem: Es ist ein Kniff, den man eigentlich nur noch dann einsetzen kann, wenn man irgendeinen besonderen Dreh, irgendeine überraschende Wendung dafür findet. Zumindest im Piloten von Es kommt noch dicker ist das aber nicht der Fall. Die Irrungen und Wirrungen, die mit der spontanen Änderung der Körperform einhergehen, sind deshalb häufig vorhersehbar - und nicht so witzig, wie sie sein könnten, wenn es in der Grundanlage der Serie einen etwas originelleren Twist gäbe.

Das Dicksein wird in der Serie wie das größtmögliche Unglück behandelt, das über einen Menschen hereinbrechen kann, eine Art gesellschaftliches Todesurteil. Mit dieser Problembeschreibung liegt die Serie sicherlich nicht ganz falsch. Zu fragen wäre allerdings, inwieweit sie selbst durch das Fortschreiben klischeehafter Assoziationen (Dick = undiszipliniert, unsicher, nicht als Führungspersönlichkeit geeignet) daran beteiligt ist. Daniel Haas hat auf Spiegel Online sehr schön herausgearbeitet, wie selbst eine vermeintlich simple Sitcom wie Mike & Molly es schafft, sich dem Thema weitaus weniger klischeebeladen zu nähern.

Fazit

Es gibt wesentlich Schlimmeres aus deutscher Produktion. Man kann bei Es kommt noch dicker also ruhig mal reinschauen. Der ganz große Wurf ist es aber leider nicht. Dazu mangelt es trotz eines im Kern richtigen Ansatzes einfach an der Originalität.

„Es kommt noch dicker“ startet am Montagabend um 20.15 Uhr mit einer Doppelfolge. Danach geht es wöchentlich immer montags um 20.15 Uhr mit je einer neuen Folge weiter.

Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 10. September 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Es kommt noch dicker 1x01)
Titel der Episode im Original
Die Verwandlung
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 10. September 2012 (Sat.1)
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 10. September 2012
Regisseur
Annette Ernst

Schauspieler in der Episode Es kommt noch dicker 1x01

Darsteller
Rolle
Wolke Hegenbarth
Theresa Underberg
Manuel Witting
Daniel Keberle
Julian Weigend
Stefan Puntigam
Edita Malovcic
Bürger Lars Dietrich

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