End of Summer: Review der Pilotepisode

End of Summer: Review der Pilotepisode

Das siebenteilige schwedische Drama „End of Summer“, das durch MagentaTV nach Deutschland kommt, erzählt in grau-braunen Tönen und depressiver Tonlage eine bedrückende Geschichte über Trauer, Traumata und Schuld. Warum man der Serie eine Chance geben sollte, verraten wir Euch im Review zur Pilotfolge.

Poster zur schwedischen Serie „End of Summer“
Poster zur schwedischen Serie „End of Summer“
© Viaplay

Das passiert in der Dramaserie „End of Summer“

Die Psychologin Vera leitet eine Gruppe von Patienten, die einen geliebten Menschen verloren haben und nun versuchen, mit dem Verlust irgendwie zurechtzukommen. Niemand weiß besser als sie, was es heißt, mit der Schuld des Zurückbleibens zu leben. Denn 20 Jahre zuvor verschwand ihr fünfjähriger Bruder spurlos und ihre Mutter beging infolgedessen Selbstmord.

Als ein junger Mann auftaucht und während der Kennlernrunde Details aus seinem Leben erzählt, die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Fall offenbaren, setzt Vera alles daran herauszufinden, was damals wirklich geschah. Dabei begibt sie sich nicht nur auf eine schmerzhafte Reise in die Vergangenheit, sondern auch zurück in eine von Trauer und Leid zerrissene Familie und tief in ihre eigenen seelischen Qualen hinein.

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Thematisch schwergewichtig

End of Summer, im Original „Slutet på sommaren“, erzählt eine bedrückende Geschichte über Verlust, vermeintliche Schuld und Trauer, die das Potential hat, tief unter die Haut zu gehen. Veras (Julia Ragnarsson) Bruder verschwand vor 20 Jahren spurlos, als sie auf ihn aufpassen sollte. Kurze Zeit später musste sie mit ansehen, wie sich ihre Mutter das Leben nahm.

Um irgendwie mit ihren Schuldgefühlen klarzukommen, studierte sie als junge Frau Psychologie und betreut seitdem Menschen, die ebenfalls geliebte Angehörige verloren haben. Dass damit der sprichwörtliche Bock zum Gärtner gemacht wird, wird allerdings schon früh in der Serie deutlich, denn Vera hat ihre Seelenpein keineswegs überwunden.

So neigt sie beispielsweise dazu, sich in Stresssituationen zu verletzen und beginnt eine Affäre mit einem ihrer Patienten, die sie fast ihre Approbation kostet. Alles scheint darauf hinauslaufen, dass Vera so traumatisiert von ihren schrecklichen Kindheitserlebnissen ist, dass sie sich selbst kaum noch spürt.

Ihre Situation wird noch dramatischer, als ein junger Mann namens Isak die Gruppe besucht und während seiner Vorstellung erzählt, dass seine Mutter jüngst verstarb. Kurz vor ihrem Tod beichtete sie ihm, dass er adoptiert sei. Dann berichtet er über verschwommene Erinnerungen, die Vera mehr als nur bekannt vorkommen.

Ein Wetterhahn in Form einer Katze auf dem Dach, ein Spielfreund, der irgendwann nicht mehr da. Die Details bleiben verschwommen, sind aber von Head Writer Björn Carlström so gesetzt, dass sie Neugier erwecken. Im Zusammenspiel mit Julia Ragnarssons eindrücklicher schauspielerischer Leistung baut sich allmählich nicht nur die Geschichte einer Frau auf, die ihr Leben alles andere als im Griff hat. Zudem enthüllt sich nach und nach die ganze Tragweite um das Verschwinden ihres Bruders.

Gefühlschaos

Erschwerend wirkt sich in End of Summer aus, dass sich der 20. Jahrestag des traumatischen Ereignisses jährt, so dass sich auch der Reporter Karim (Bahardor Foladi) für den Fall interessiert und ihr einen Informationsaustausch für ein Interview anbietet. Als sich dann auch noch ihr Patient Lars (Henrik Norlén) in sie verliebt und ihr angetrunken im Hausflur auflauert, droht Veras Leben komplett aus den Fugen zu geraten. So baut sich die Dramaserie immer weiter auf, bis in den letzten Minuten der Episode auch noch Isak eintrifft, um Vera zur Hilfe zu eilen. Von nun an ist das Schicksal der beiden untrennbar miteinander verknüpft.

Vera wird damit schon in der ersten Folge von einer bewegenden Situation in die nächste geworfen, was ihr nicht nur Sympathiepunkte, sondern auch Mitleid einbringt. Denn Vera ist im Grunde genommen eine gebrochene Frau, die eigentlich selbst eine Therapie bräuchte. Das wirft die, zugegebenermaßen, vielleicht nicht ganz faire Frage auf, inwiefern durch bestimmte Lebensereignisse traumatisierte Menschen anderen dabei helfen können, diese zu bewältigen. Vera gelingt dies nur leidlich, zumal sie durch Isaks Auftauchen komplett aus der Bahn geworfen wird.

Last, but not least wird dem Publikum dann noch ein Verdächtiger präsentiert: eine zwielichtige Gestalt, die Veras Familie aus unbekannten Gründen hasste und deshalb für das Verschwinden oder die Ermordung ihres Bruders Billys verantwortlich gemacht wird. Doch was hat das alles mit Lars zu tun?

Warum erscheint er gerade jetzt auf der Bildfläche? Ist er wirklich der, für den Vera ihn hält? Oder könnte er vielleicht sogar ihr verlorener Bruder sein, den sie nach 20 Jahren nur nicht mehr erkennt? Von derartigen spannenden Fragen wimmelt es in „End of Summer“, so dass auch auf der kriminalistischen beziehungsweise Thrillerserien-Ebene für Spannung gesorgt ist.

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Der Look

Das durch und durch dramatische Storytelling der Miniserie wird inszenatorisch von einer Mischung aus Braun- und Grautönen dominiert, was der Geschichte einen grundlegend schon depressiven Look verleiht. Passend dazu entschied sich das Produktions-Team für einen ruhigen, melancholischen, sparsam instrumentierten Score, in dem langgezogene Cellotöne im Hintergrund von Streichern unterstützt die traurig aufwühlende Grundstimmung der Serie forcieren.

Schauspielerisch bewegt sich die Serie auf einem guten, wenn auch nicht überragenden Niveau, wobei Julia Ragnarsson im Vordergrund steht und teils von kantigen Figuren umrahmt ist, die Vera noch mehr Verletzlichkeit verleihen. Isak ist wiederum ein emotional und optisch weich gezeichneter Typus, der ein wenig Hoffnung in die Tristesse der Szenerie bringt.

Fazit

End of Summer“ zieht sein Publikum auf ebenso dramatische wie berührende Weise in den Bann. Veras Vergangenheit und ihre daraus resultierende Psyche wird in mitfühlender Weise vorgetragen, wobei das eine oder andere Verhalten der jungen Frau andererseits auch für Unverständnis sorgt.

Vera ist aber keine ambivalente, sondern eine zerstörte, dysfunktionale Persönlichkeit, die aufgrund der Ereignisse in der Serie ihr Leben darauf ausrichtet, ihrem Trauma die Wahrheit entgegenzusetzen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Doch egal, wie die Staffel endet, werden wir den tief emotionalen Trip in die Seele einer Frau erleben, die mit ihrer vermeintlichen Schuld leben muss und diese endlich von sich abstreifen möchte. Viereinhalb von fünf Punkten.

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