Elsbeth: Review der Pilotepisode

Elsbeth: Review der Pilotepisode

Elsbeth Tascioni kennen Serienfans schon aus „The Good Wife“ sowie „The Good Fight“ als spleenige Anwältin, die immer wieder gut für Überraschungen ist. In „Elsbeth“ von CBS übernimmt die von Carrie Preston gespielte Figur nun die Hauptrolle. Kann der neue Ableger überzeugen?

„Elsbeth“
„Elsbeth“
© CBS

Robert und Michelle King haben die Fans von anspruchsvollen und cleveren Anwaltsserien viele Jahre über mit The Good Wife und dem Spin-off The Good Fight unterhalten, wobei alles beim Network-Sender CBS anfing zu dem es jetzt mit Elsbeth wieder zurückgeht und somit 42 Minuten Procedural-Unterhaltung in der Woche. Anders als beim ebenfalls sehenswerten Evil und den späten Staffeln von „TGF“ verspricht zumindest der Anfang der Serie mit Carrie Preston als frühere Anwältin Elsbeth Tascioni wieder etwas lockerer im Ton und Erzählstil daherzukommen. Und ein modernes „Mord ist ihr Hobby“ oder „Columbo“ zu liefern. Was zuletzt etwa auch die Serie Poker Face angeboten hat.

Das passiert im Auftakt von „Elsbeth“

Szenenfoto aus Stephen Moyer und Carrie Preston in „Elsbeth“
Szenenfoto aus Stephen Moyer und Carrie Preston in „Elsbeth“ - © CBS

Die eigentlich in Chicago ansässige Elsbeth verschlägt es in der neuen Network-Serie nach New York City, wo sie Touri-mäßig erst einmal die Stadt in einem Hop-on-Hop-Off-Bus erkundet und dabei einen rappenden Guide hat. Sie lässt sich dabei bei der polizeilichen Ermittlung absetzen, wo sie als objektive Beobachterin die Polizei unterstützen respektive ihnen auf die Finger schauen soll.

Der Fall der Woche spielt sich nämlich im Nachwuchstheater-Milleau ab, wo ein Regisseur eine Affäre mit einer Schülerin hat, die ihn verraten möchte und so seine Karriere killen könnte. Also stellt er sich zum Ende des Stücks einen Countdown, tauscht Tabletten aus und verschafft sich später Zugriff zu ihrer Wohnung, wo er den Mord an ihr als Selbstmord inszeniert, ihre Sim-Karte klont und weitere Schritte ergreift, die es wie einen Freitod aussehen lassen.

Dabei hat er aber die Rechnung ohne Adlerauge Elsbeth gemacht, die schnell Ungereimtheiten findet, etwa was ein Verhütungsmittel, Deo oder Textnachrichtenmuster erkennt, die auf einen Mann oder eine ältere Person hindeuten. So beginnt das Katz-und-Maus-Spiel zwischen ihr und dem Regisseur, der von Stephen Moyer (True Blood) gespielt wird. Bekannte Gastdarsteller sind wohl ein wiederkehrendes Muster für diese Krimi-Serie, wie die ersten Castingnews zeigen.

Hier der englische Trailer zur Serie „Elsbeth“:

Ermittlerin mit Extra-IQ

Wie man es aus den Gastauftritten von Preston weiß, kommt sie dabei immer leicht tollpatschig daher und die Leute um sie herum tendieren dazu sie zu unterschätzen. Dabei handelt es sich bei ihr in Wirklichkeit aber um eine grenzgeniale Person mit fantastischer Auffassungsgabe, die dreidimensionales Schach mit ihren Gegenüber spielt.

Weil die Figur aber auch meist in kleinen Dosen besser funktionierte, braucht es einen guten Supporting Cast um sie herum, damit sich das Besondere nicht abnutzt. Hier haben wir beispielsweise den aus The Wire, Tremeoder Tom Clancy's Jack Ryan bekannten Wendell Pierce als New Yorker Polizei-Captain, der durchaus offen für Input von objektiven Helfern ist. Carra Patterson aka Kaya Blanke ist ein Police Officer, die sich ebenfalls schnell von Elsbeths Qualitäten überzeugen lässt und ihrer Arbeit nachgeht, anders als der skeptische Kollege, den es bei solchen Formaten auch meistens braucht, wobei hier Danny Mastrogiorgio Detective Smullen mimt. Viel mehr Peronage braucht man momentan nicht, wobei wöchentlich sicherlich wechselnde Handlungsorte, Fälle und Personen dazu kommen. Und im Piloten auch schon ein Cary Agos (Matt Czuchry) Easter Egg, ein Anwalt, der mit Alicia Florrick (Julianna Margulies) in „The Good Fight“ oft zusammenarbeitete und nun als potentieller Ersatz für Elsbeths Position gilt, wenn sie sich nicht bewähren sollte.

Elsbeth wie sie leibt und lebt

Es ist niedlich wie kindlich naiv sich Elsbeth über die große Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten, wie das Empire State Building, die Eisbahn und einiges mehr freut und das passt zur Figur, wie wir sie kennen. Preston ist einfach eine Charmekanone und die Art von Ermittlerin zu selten geworden im Fernsehen, sodass hier einiges Potential liegt, dass die US-TV-Zuschauer und womöglich irgendwann auch Paramount+, wo man einige der anderen King-Formate schauen kann, international erkennen.

Wie üblich kann man sich bestimmt irgendwann auch auf bekannte Gesichter und Figuren des verschrobenen The Good Wife-Kosmos freuen. Cary Agos muss ja nun fast irgendwann mal vorbeischauen oder?

Jetzt das Angebot von Paramount+ entdecken (Affiliate-Link)

Szenenfoto aus Wendell Pierce und Carrie Preston in „Elsbeth“
Szenenfoto aus Wendell Pierce und Carrie Preston in „Elsbeth“ - © CBS

Das Pilotdrehbuch nimmt die Zuschauer genug an die Hand, um meist beiläufig zu erklären, warum sie von Chicago nach New York kommt und ganz zum Schluss nach der erfolgreichen Aufklärung des ersten Falles gibt es den typischen Pilotentwist, der den Serial-Aspekt des Formats ins Spiel bringt. Denn offenbar will der District Attorneys, den wir auch aus den King-Serien kennen, im Fall des Captains ermitteln, der sich wohl irgendwas hat zu Schulden kommen lassen, wobei Elsbeth hier glaubt an einen guten Mann geraten zu sein und bisher irrte sie sich selten.

Fazit

Gute Procedurals sind wie witzige Multi-Kamera-Sitcoms eine aussterbende TV-Spezies, die jedoch, wenn sie gut gelingt ein langlebiges und profitables Leben haben kann. Man muss nur Dick Wolf, Shonda Rhimes, Greg Berlanti, Chuck Lorre oder Ryan Murphy fragen. Und auch Robert und Michelle King sind Veteranen in diesem Bereich, sodass die Vorzeichen eigentlich gut stehen, wenn die Zuschauer in ausreichender Zahl mitspielen und einschalten.

Man kann also gespannt sein, was man in Elsbeth Woche für Woche aus dem Hut zaubert und in einer Welt, in der es inzwischen so viele Serials gibt, ist es doch schön ein cleveres Procedurals mit sympathischen Figuren als Option zu haben. Es ist zwar keine atemberaubende Pilotfolge, die uns CBS hier präsentiert, sie macht aber Lust und Laune genug, das ich zumindest dranbleiben möchte. Und damit hat man das Ziel einer solchen Folge für mich genau erreicht. Dreieinhalb von fünf Freiheitsstatue-Schaumkronen.

Hier abschließend der Trailer zur zweiten Folge der Serie „Elsbeth“:

Diese Serie passen auch zu «Elsbeth»