Philip K. Dick's Electric Dreams 1x01

Philip K. Dick's Electric Dreams 1x01

Die Anthologieserie Philip K. Dick's Electric Dreams bedient sich am reichen Fundus des bekannten Science-Fiction-Autors und präsentiert uns Episoden basierend auf dessen Kurzgeschichten. Den Auftakt bildet eine fast schon klassische SciFi-Erzählung, in der die Darbietungen herausragen.

„Philip K. Dick's Electric Dreams“ / (c) Channel 4
„Philip K. Dick's Electric Dreams“ / (c) Channel 4
© ??Philip K. Dick's Electric Dreams“ / (c) Channel 4

Fans des Science-Fiction-Genres und im speziellen des bekannten Schriftstellers Philip K. Dick haben vor nicht all zu langer Zeit wohl kollektiv mit der Zunge geschnalzt, als das ambitionierte TV-Projekt Philip K. Dick's Electric Dreams in Auftrag gegeben wurde. Doch die Anthologieserie, die von Battlestar Galactica- und „Star Trek“-Veteran Ronald D. Moore zusammen mit Michael Dinner (Justified, The Wonder Years) auf den Weg gebracht wurde, verschaffte sich nicht nur aufgrund des Themas eine erhöhte Aufmerksamkeit in Genrefankreisen.

Neben prominenten Produzenten, darunter der aus Breaking Bad bekannte Bryan Cranston, und eine Reihe an renommierten Autoren sowie Regisseuren, konnte man auch eine extrem namhafte Riege an Darstellern und Darstellerinnen für das spannende Vorhaben gewinnen, einigen der bekanntesten Kurzgeschichten von Philip K. Dick in Form einer Serie Leben einzuhauchen. Anne Reid, Timothy Spall, Vera Farmiga, Juno Temple, Steve Buscemi, Terrence Howard, Anna Paquin, Liam Cunningham, Cranston selbst... Und wir könnten noch munter mit dieser hochkarätigen Aufzählung weitermachen. Als Film- und Serienfan schlackert man da schon einmal ein wenig mit den Ohren.

A new perspective

Nach einem etwas komplizierten Produktionsverlauf (AMC stieg nach kurzer Zeit aus, womit der britische Sender Channel 4 eigenständig die Zügel übernahm) steht uns nun mit The Hood Maker die erste Folge von „Philip K. Dick's Electric Dreams“ ins Haus. Diese nimmt sich Dicks gleichnamiger Kurzgeschichte aus dem Jahr 1955 zum Vorbild und zeichnet eine finstere Zukunft der Menschheit, die kurz vor ihrem Zusammenbruch steht, da es zu einem Konflikt zwischen normalen Erdenbürgern und telepathisch veranlagten Menschen kommt, die von der Obrigkeit wie Werkzeuge benutzt, von der Gesellschaft ausgebeutet und verachtet, aber auch gefürchtet werden.

Nothing to hide

Philip K. Dick, dessen literarisches Schaffen etliche Spielfilme (siehe „Blade Runner“, „Total Recall“, „Minority Report“ und mehr) sowie Serien (The Man in the High Castle, ebenfalls Minority Report) hervorgebracht hat, gilt nach wie vor als einer der einflussreichsten Autoren im dystopischen SciFi-Genre. Seine Ideen, Konzepte und unheimliche Zukunfstvisionen (von denen sich erschreckenderweise mittlerweile einige verdammt nah an unserer aktuellen Realität bewegen) lassen sich in der modernen Popkultur, ob in Filmen, Serien, Comics, Videospielen etc., wiederfinden. Wie ist nun den Machern dieser Anthologieserie die Adaption der prestigeträchtigen Vorlage gelungen?

Anhand der hochwertigen Auftaktepisode kann man dem Projekt zunächst ein gutes Zeugnis ausstellen, auch wenn man festhalten muss, dass der hier verantwortliche Drehbuchautor Matthew Graham und Regisseur Julian Jarrold eine gefühlt doch sehr klassische Science-Fiction-Geschichte erzählen, deren kleine Wendungen, Ideen und Motive man recht früh auch ohne Vorwissen bezüglich der Kurzgeschichte von Philip K. Dick durchschaut. Die besondere Stärke liegt hier aber in den Darbietungen der Darsteller, dem sehenswerten Produktionsdesign sowie der audiovisuellen Verpackung, die die erste Folge umschließt. So ist es ein Leichtes, sich als Zuschauer in diese bedrückende SciFi-Welt fallen zu lassen.

Channel 4
Channel 4 - © Channel 4

Fight back

Richard Madden, den meisten wahrscheinlich aus Game of Thrones bekannt, spielt in The Hood Maker den beinharten Agent Ross, der sich mit der Telepathin Honor (Holliday Grainger) zusammenschließt, um den episodentitelgebenden Unruhestifter zu schnappen. Dieser produziert für die Allgemeinheit Masken, die die telepathischen Fähigkeiten der sogenannten „Teeps“ unterdrücken. Die Spannungen zwischen „Normalos“ und Telepathen, die von den Menschen übel missbraucht und traumatisiert werden, nehmen sekündlich zu. Während die Bevölkerung gegen Gedankenauslese durch die Regierung und für ihre Privatsphäre im Oberstübchen protestiert, machen die Teeps langsam aber sicher mobil. Und Honor und Ross sind mittendrin, samt eigenen, dunklen Geheimnissen, die sie mit sich tragen...

Die größte Herausforderung bei diesem spannenden Projekt ist es wohl, die komplexen, mit so vielen Details, relevanten Charakteren und sich überlappenden Handlungssträngen gefüllten Geschichten Philip K. Dicks „fernsehtauglich“ zu machen. Die Verantwortlichen nehmen sich im Fall von „The Hood Maker“ eine gute Stunde dafür Zeit, hier und da merkt man jedoch, dass sie im Sauseschritt zum nächsten Aspekt der umfassenden Erzählung preschen müssen, um ihre Geschichte nicht zu überladen. Aus diesem Grund werden einige Themenkomplexe auch nur angeschnitten, die in einem längeren Format durchaus spannend hätten ausgearbeitet werden können. Diesen Luxus hat man aber nicht.

Just software

Dies kann man Philip K. Dick's Electric Dreams negativ ankreiden, und auch ich habe registriert, dass die Serie sich gelegentlich etwas zügeln muss - ob dies jetzt gut oder schlecht ist, ob Dicks Werk zu gewaltig ist, um auf diese Art und Weise adaptiert zu werden, das wird sich in den weiteren Folgen zeigen. Insgesamt gelingt die Bewältigung dieser schwierigen Aufgabe, der literarischen Vorlage gerecht zu werden, meines Erachtens aber sehr ordentlich. Das liegt vor allem an der atmosphärischen Inszenierung, dem wunderbaren Zusammenspiel von Licht und Neon-Farben sowie der reservierten, jedoch sehr stimmungsvollen musikalischen Untermalung des isländischen Komponisten Olafur Arnalds. Das Argument schlechthin, warum ich „Electric Dreams“ empfehlen würde, stellen aber die packenden Schauspielleistungen der Darsteller dar.

Holliday Grainger und Richard Madden gelingt es - sowohl dank ihres Talents als auch aufgrund des Drehbuchs - innerhalb kürzester Zeit, greifbare Charaktere zu erschaffen, von denen entweder eine Art fesselndes Mysterium ausgeht oder die auf Anhieb große Empathien in mir wecken. Vor allem Graingers Honor beeindruckt, wird deren alltägliches Leid, die Bürde, die aus ihrer Gabe erwächst, aber auch ihre Hoffnung auf ein anderes Leben doch sehr treffend zur Schau gestellt. Im Zusammenspiel mit Madden vermenschlichen unsere beiden Hauptdarsteller dieses triste Zukunftsszenario, an dessen Ende nicht ausformuliert wird, ob es eine Aussicht auf Besserung, Veränderung oder gar Hoffnung gibt.

Let me through

Die hochemotionale Beziehung zwischen Ross und Honor erfährt ihren Höhepunkt ganz zum Schluss, und als Beobachter merke ich in diesem Moment, dass es der Serie gelungen ist, in weniger als 60 Minuten eine starke persönliche Verbindung zwischen mir und den Charakteren zu etablieren. Und das ist Gold wert. Wirklich revolutionär ist an der Auflösung der Geschichte letzten Endes nicht viel und wie bereits erwähnt gibt die Welt in The Hood Maker eigentlich noch so viel mehr her, das ergründet werden konnte. Die Methode „Sci-Fi-Slice-of-Life“ kann aber auch saftige Früchte tragen, wie man uns hier eindrucksvoll vor Augen führt.

Schlussendlich werden viele Serienfans wohl den Vergleich zu Charlie Brookers thematisch sowie vom Aufbau her ähnlichen Black Mirror (ehemals auf Channel 4) ziehen, und dies bietet sich durchaus an, auch wenn „Electric Dreams“ meines Empfindens nach nicht so nah dran an unserer Welt wie Brookers gruseliges Satire-Format ist. Philip K. Dick's Electric Dreams bietet sich wie „Black Mirror“ perfekt dafür an, sich im Wochentakt in eine neue, spezielle Zukunftsgeschichte zu stürzen, die gewagte Konzepte, provokante Ideen und ausgefallene Welten präsentiert. Bleibt der Cast in derartig bestechender Form, was man angesichts der involvierten Namen erwarten kann, und gestalten sich die Drehbücher beständig clever und smart, charakterzentrisch sowie nicht zu salbadernd, dann werden wir noch eine ganze Menge Freude mit diesem Anthologieformat haben.

In den USA übernimmt im Übrigen Amazon die Ausstrahlung von „Philip K. Dick's Electric Dreams“, die die Rechte an der Serie erworben haben. Hierzulande konnten uns die Kollegen und Kolleginnen von Amazon leider noch keine Auskunft darüber gehen, ob der Streaminganbieter das Format nach Deutschland bringen wird. Sollte es so kommen, erfahrt Ihr es hier natürlich zu erst!

Trailer zu „Philip K. Dick's Electric Dreams“:

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 20. September 2017

Philip K. Dick's Electric Dreams 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Philip K. Dick's Electric Dreams 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Haubenmacher
Titel der Episode im Original
The Hood Maker
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Sonntag, 17. September 2017 (Channel 4)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Januar 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 12. Januar 2018
Regisseur
Julian Jarrold

Schauspieler in der Episode Philip K. Dick's Electric Dreams 1x01

Darsteller
Rolle
Holliday Grainger

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