El Cid: Kritik zum Start der spanischen Geschichtsserie von Amazon

El Cid: Kritik zum Start der spanischen Geschichtsserie von Amazon

Mit El Cid präsentiert Amazon eine spanische Ritterserie, die - abgesehen von den fehlenden Fantasy-Elementen - gern Game of Thrones wäre. Liebhaber von Geschichtsdramen werden vermutlich voll auf ihre Kosten kommen.

El Cid (c) Amazon Prime Video
El Cid (c) Amazon Prime Video
© l Cid (c) Amazon Prime Video

Was für die Deutschen das Nibelungenlied vom Drachentöter Siegfried ist, ist für Spanier die Rittersage von El Cid - nur, dass das Heldenepos vom Söldnerführer aus der Zeit der Reconquista auf wahren Begebenheiten beruht, statt auf einem Mythos. Amazon Prime Video hat die Geschichte nun als pompöse Prestigeserie im Stil von Game of Thrones inszeniert. Fünf jeweils einstündige Episoden kamen in der aufwändig produzierten Auftaktstaffel zunächst zusammen. Los geht es mit der Folge La conjura (zu Deutsch: „Die Verschwörung“). Die Titelrolle übernimmt der Haus des Geldes-Star Jaime Lorente.

Worum geht's?

Wie auf einem Schachfeld zeigt die Eröffnungsszene von El Cid die Situation im Spanien des 11. Jahrhunderts. Der Süden gehört den muslimischen Mauren, während die römisch-katholischen Königshäuser um die Vorherrschaft im Norden kämpfen. Für Ordnung kann, wenn überhaupt, nur der Monarch Fernando I. der Große sorgen - gespielt von Jose Luis Garcia Perez -, denn er verbindet und vereint die mächtigen Reiche Kastilien und Leon. In ersterem wurde er geboren, in letzteres hat er eingeheiratet. Seine Frau ist die berühmte Sancha von Leon (Elia Galera), die ebenfalls viel Einfluss hat.

Ginge es nach ihrer Tochter, die intrigante Prinzessin Urraca (Alicia Sanz) - die wir erstmals auf dem Klo kennenlernen, was höchst unprinzessinnenhaft erscheinen mag, aber immerhin erfrischend ehrlich ist -, hätte Sancha sogar noch mehr Sagen in Spanien. Dabei laufen im Hintergrund längst die Vorbereitungen für den Putsch gegen Fernando. Und hier kommt nun auch der Titelheld ins Spiel, der zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht als Ritter El Cid bekannt ist, sondern als Page Ruy.

Er selbst ist dem König treu ergeben und dient auch seinem Sohn und künftiger Thronerben Sancho (Francisco Ortiz). Doch sein Großvater Rodrigo (Juan Fernandez) will nicht länger hinnehmen, dass die Krone von Leon auf dem Haupt eines Mannes aus Kastilien ruht. Und auch Fernandos eigener Bruder, Ramiro I. (Gines Garcia Millan), sägt heimlich schon an seinem Stuhl. All diese Verstrickungen der Macht sind nicht leicht zu durchschauen (tatsächlich könnte sich auch bei mir der eine oder andere Fehler eingeschlichen haben). Und damit wären wir dann auch schon bei den Schwächen der Serie...

Amazon Prime Video
Amazon Prime Video - © Amazon Prime Video

Die Überkomplexität der Erzählung wäre leicht vermeidbar gewesen, wenn man statt fünf einfach ein paar Folgen mehr gedreht hätte. So hätte man die dichte Handlung organisch entzerren können, zumal Amazon scheinbar sowieso bereit war, viel Geld in das Projekt zu stecken. An den Schauwerten kann man nichts aussetzen, wobei das heutzutage kein echtes Qualitätskriterium sein kann, da massenkompatible Hochglanzserien inzwischen aus allen Winkeln der Welt kommen.

In der Einleitung wurde der Vergleich mit Game of Thrones eröffnet, was natürlich einerseits gut Klicks bringt, aber auch aufschlussreich sein kann. Denn das Fantasy-Format von HBO war zu Beginn ebenfalls die reinste Expositionsschleuder. Die Namen der zahlreichen Figuren wurden in den ersten Episoden auffällig oft wiederholt, damit die Zuschauer sie schnell lernen und das Spiel der Throne richtig los gehen kann. Je größer eine Geschichte angelegt ist, desto mehr Anlaufzeit benötigt sie.

Ob El Cid ähnliche Ambitionen anstrebt, ist aktuell noch fraglich. Auch muss sich erst zeigen, ob das internationale Publikum die spanische Serie tatsächlich annimmt - zumindest stehen schon Synchronfassungen in fast allen gefragten Sprachen zur Verfügung. Aber auch die Inhalte der Erzählung dürften länderübergreifend funktionieren, denn, obwohl El Cid hauptsächlich auf der iberischen Halbinsel als Nationalheld verehrt wird, ist seine Entwicklung vom Underdog zum Überflieger ein Thema, das nahezu universell attraktiv erscheint. Und für Ritterturniere sollte ohnehin jeder zu haben zu sein.

Im Stil orientiert sich das Kreativteam rund um den Serienschöpfer Jose Velasco indes wieder leicht an Game of Thrones, indem es beispielsweise früh zu Tabubrüchen mit modernen Werten kommt. All das dient der Vermittlung des Eindrucks, dass wir uns wirklich im rauen Mittelalter befinden (das erklärt dann auch Prinzessin Rapoopzel, wie mein Kollege Mario nennt).

Fazit

Alles in allem kein schlechter Start für El Cid bei Amazon Prime Video. Eine sehr ordentliche Produktion, die eher zu viel als zu wenig will, was sicherlich ein gutes Zeichen ist. Man darf gespannt sein, wie groß die Serie einschlägt, immerhin hatte ja auch schon Netflix mit seiner spanischen Eigenproduktion Haus des Geldes viel mehr Erfolg als je jemand erwartet hätte.

Hier abschließend noch der Trailer zur Amazon-Serie El Cid:

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