Eine Billion Dollar: Review der Pilotepisode der Paramount+-Serie

Eine Billion Dollar: Review der Pilotepisode der Paramount+-Serie

Mit „Eine Billion Dollar“ hat sich Paramount+ an die Adaption des gleichnamigen Romans von Andreas Eschbach gewagt. Bereits die Pilotfolge weist dabei auf eine unterhaltsame und sehenswerte Umsetzung der bei Fans beliebten Geschichte hin, wie wir in unserem Review feststellen.

Keyart zur Serie „Eine Billion Dollar“
Keyart zur Serie „Eine Billion Dollar“
© Paramount+

Das passiert in der Serie „Eine Billion Dollar“

John (Philip Froissant) ist in Eine Billion Dollar ein junger, lebenslustiger und quirliger junger Mann, der sich seinen Lebensunterhalt in Berlin als Fahrradkurier verdient. Eines Tages klingelt es an seiner Tür und ein Fremder bittet ihn für 4000 Euro um eine Speichelprobe. Zwei Tage später befindet sich John in Italien, wo ihm dann offenbart wird, dass er der Erbe von einer Billion Dollar ist, und er damit nun der reichste Mensch der Welt sei.

Doch die Sache hat ein Haken, denn vor ihm gab es schon andere potentielle Erben, die allesamt eines unnatürlichen Todes starben. Schon bald erweist sich, dass auch John in Lebensgefahr schwebt, denn wer so viel Geld besitzt, verfügt über die Macht, die Welt zu ändern.

Erst die zweite Eschbach-Verfilmung

Obwohl Andreas Eschbach zu den beliebtesten Thriller- und Science-Fiction-Autoren Deutschlands gehört, sind Verfilmungen seiner Werke rar gesät. Lediglich sein wohl bekanntestes Werk, „Das Jesus Video“ wurde im Jahr 2002 mit Matthias Koeberlin in der Hauptrolle adaptiert. Der Zweiteiler entfernte sich seinerzeit stellenweise recht deutlich von der Vorlage, brachte die Essenz der Geschichte aber insgesamt recht gut auf den Punkt.

Was „Eine Billion Dollar“ anbelangt, wird schon in der Pilotfolge der siebenteilige Miniserie deutlich, dass es auch diesmal wieder zu verhältnismäßig großen Abweichungen kommt. So ist John kein Pizzabote, wie im Roman, sondern Fahrradkurier. Statt in New York lebt er in Berlin und natürlich ist der Stoff zudem in die heutige Zeit transponiert worden.

Wie die Thrillerserie dabei die eigentliche Idee des literarischen Vorbilds aufgreifen wird, lässt sich derzeit noch nicht erschließen, wohl aber, dass die Pilotfolge insgesamt spannend und unterhaltsam daherkommt. Philip Froissant spielt seine Figur John Fontanelli als draufgängerischen, sportlichen und lebenslustigen jungen Mann, der noch nie viel Geld besessen hat und in eine für ihn surreale Situation geworfen wird.

Die krassen Gegensätze, der er zwischen seiner kleinen Wohnung in Berlin und dem riesigen Anwesen in Italien ausgesetzt ist, auf dem er von nun an residiert, bieten dem Publikum einen starken Kontrast, der die Figurenzeichnung gut unterstützt und uns John als eine zwar willensstarke, aber auch vollkommen überforderte Person zeigt.

Erst Dramedy, dann Thriller

In Italien trifft er zudem auf eine undurchsichtige Familie, die seit Jahrhunderten das immense Vermögen der Fontanellis verwaltet und ihn nun in die Welt der Superreichen einweist. Inwiefern Franca (Alessandra Mastronardi), ihr Vater Cristoforo (Orso Maria Guerrini) und ihr Bruder in die folgenden Ereignisse verwickelt sind, bleibt spannenderweise bisher im Dunkeln, doch schon bald stellt sich heraus, dass eine Billion Dollar Begehrlichkeiten wecken und John nicht der erste Erbkandidat ist.

Trug die Episode bis hierher noch Züge einer Dramedy, ändert sich der Ton nun hin zu einem handfesten Thriller. Denn während John mit einem gerade für zwei Millionen Dollar gekauften Ferrari über steile Bergstraßen rast, erhaschen wir an der Seite eine durchbrochene Leitplanke. Ab hier wird es spannend, denn der offensichtliche Unfall, der sich an dieser Stelle ereignete, tötete Johns direkten Erbvorgänger. Mehr noch. Mittels einer Software ermitteln die Vermögensverwalter jeden Menschen auf dem Planeten, der irgendwie mit den Fontanellis verwandt ist und als potentieller Erbe infrage kommt.

Auf genau diese Personengruppe hat es offenbar jemand abgesehen, wie der Billionenerbe von seiner Leibwächterin (Dana Herfurth) erfährt. Der große Plot-Point offenbart sich, als diese sich mit John trifft und ihm steckt, dass der Verstorbene Fast-Erbe ihr Bruder gewesen, und sie in Wirklichkeit Polizistin sei, die den Mord an ihm aufklären will.

Interessanterweise erweist sich das aber als Tarngeschichte und Falle, in die John blind hineingetappt ist. Doch für wen arbeitet die Leibwächterin? Welche Absichten hegen ihre Auftraggeber und was geschieht nun mit John? Mit solchen Fragen entlässt uns die Pilotepisode von „Eine Billion Dollar“ in die zweite Episode.

Zunächst erfahren wir allerdings noch in einigen hart hintereinander geschnittenen Szenen, dass nicht nur John, sondern weltweit potentielle Erben in Gefahr sind. Allerdings scheint es nicht nur um das Geld an sich zu gehen, sondern auch um den Auftrag, den Fontanelli seinem Erben mit auf den Weg gegeben hat. Die Billion soll dafür aufgewendet werden, den Menschen ihre verlorene Zukunft zurückzugeben. Mit anderen Worten muss John den Untergang der Menschheit verhindern.

Wie das genau aussehen soll, bleibt ihm überlassen, doch schon bald erweist sich, dass jenes Unterfangen nicht so einfach ist, wie es scheint. Zudem - und das ist der springende Punkt an der Geschichte - bringt eine so hohe Summe, die an das Bruttosozialprodukt von Staaten wie der Türkei, den Niederlanden oder Saudi-Arabien heranreicht, viel Macht mit sich. Richtig eingesetzt lässt sich mit so einem Vermögen das weltpolitische Geschehen in die eine oder andere Richtung lenken, was ein großer Motivator für die Täter sein dürfte. Ob diese allerdings in John unmittelbarer Umgebung zu suchen sind oder aus einem anderen Umfeld stammen, und inwieweit sich die Adaption an die Vorlage hält, bleibt indes abzuwarten.

Fazit

Die Pilotfolge der von Anna Katharina Brehm und Lutz Stiba-Delle Fontane (beide: Kohlrabenschwarz) adaptierten Miniserie (Eine Billion Dollar) kann sich sehen lassen. Die Idee der Geschichte ist ohnehin ungewöhnlich intelligent und wird ausgehend vom Ersteindruck gut in die heutige Zeit übertragen. Bei einem mittlerweile rund 23 Jahre alten Stoff ist das auch bitter nötig, zu sehr hat sich die Welt seitdem weiterentwickelt.

Mit Philip Froissant haben die Serienmacher den passenden Kandidaten für die Hauptrolle herausgepickt, der zudem von einem gut gewählten Ensemble flankiert wird. Die Inszenierung zeigt sich ebenfalls von einer routiniert ansehnlichen Seite und die Plot-Points sind vom Timing her perfekt gesetzt. Fans des Romans dürften eine Reihe von Änderungen wahrnehmen, was sich allerdings auch nicht verhindern lässt, zumal die Serie eben auch für sich alleinstehen können muss. Das Kunststück scheint allerdings zu gelingen, sofern die Geschichte so packend weitergeht.

Nach der ersten Folge landen wir daher bei: vier von fünf Punkten.

Diese Serie passen auch zu «Eine Billion Dollar»