Dunkelstadt: Review der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

© lina Levshin in Dunkelstadt (c) ZDF/ Stephan Pick
Doro Decker (Alina Levshin) sitzt ganz schön in der Patsche, doch wie ihre US-Seelenverwandte Veronica Mars und mutmaßliche Inspiration verliert sie dabei weder ihre innere Erzählstimme noch ihre Coolness. Doch zurück zum Anfang: Die deutsche Krimiserie Dunkelstadt entführt uns in eine fiktive Stadt, in der es oft aussieht wie in Hamburg oder Köln, die sich aber bemüht, an der Film-noir-Idee festzuhalten. Dort lebt ebenjene Doro Decker, eine junge Frau, deren Traum es war, als Polizistin für Gerechtigkeit zu sorgen - ganz nach dem Vorbild ihres Vaters. Doch, nachdem sie einem Vorgesetzten, der seine Macht ausgenutzt hatte, angriff, ist sie als Einzelkämpferin in den Straßen der Stadt unterwegs, als Privatdetektivin. Zur Polizei hat sie immer noch Verbindungen, manche sind eher gut, manche sind eher schlecht. Eine der engsten Beziehungen hat sie zu einem ehemaligen Mitschüler aus der Polizeischule, Chris (Artjom Gilz). Der attraktive Gesetzeshüter hat sich schwer in unsere Heldin verliebt und bemüht sich daher stets, ihr behilflich zu sein, mit Informationen, mit Recherche und manchmal auch mit einem gut gezielten Schuss.
Ebenfalls in Doros Ecke ist Adnan (Rauand Taleb), der die Detektei am Laufen hält. Eigentlich weigert die einsame Wölfin Doro sich, einen Mitkämpfer an Bord zu holen, doch der nicht gerade auf den Mund gefallene Adnan erkämpft sich seinen Weg auf Doros Gehaltsliste und fungiert fortan als gute Seele der Detektei.
In der Pilotepisode kommt eine schwangere Ehefrau in die Detektei mit dem Verdacht, dass ihr Mann sie betrügen könnte. Sie bittet Doro um Gewissheit und die findet schnell heraus, dass die Geheimnistuerei des Mannes einen ganz anderen Grund hat. Der 40-jährige Imageberater hat sich durch Zufall in das düstere Geflecht von mächtigen, niederträchtigen Männern verstrickt, die die Dunkelstadt im Vorder- und Hintergrund leiten und sich nehmen, was sie wollen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, muss Doro, nachdem ihr Klient angeschossen wurde, auf eigene Faust undercover gehen. Als leicht bekleidete Kellnerin in einem Männerclub kommt sie üblen Machenschaften auf die Spur.
Wie kommt es rüber?
Wer deutsche Serien schon aufgegeben hat, der kann durch Dunkelstadt vermutlich nicht gerettet werden. Dafür gibt es mit der bereits genannten „Veronica Mars“ und anderen einfach zu viele, bessere US-Versionen des Stoffs und des Versuchs an sich. Auch verstrickt sich die ZDFneo-Serie dann doch in einige Drehbuch-Klischees: der tote Polizistenvater, der verliebte, attraktive Cop. Die Autoren erschaffen zwar eine interessante Welt, trauen sich aber doch nicht so richtig aus den bekannten Gewässern heraus. Auch die Fälle sind selten originell oder überraschend.
Nach unten setzt die Serie sich jedoch auch angenehm von vielen anderen Krimiproduktionen hierzulande ab. Der innere Monolog, den Doro fast durchgehend führt, ist nicht peinlich, sondern unterhaltsam geschrieben und vorgetragen. Auch auf die Charakterzeichnung legen die Serienmacher viel Wert.
Alle Episoden der Serie sind ab heute in der ZDF-Mediathek verfügbar, was sie zu einem angenehmen Binge an einem überraschend verschneiten Abend oder einem grauen Wochenende machen kann. Denn zumindest an einem Aspekt kann man sich nicht so schnell sattsehen: an dem Talent und dem Charisma der Hauptdarstellerin Alina Levshin.
Fazit
Die deutsche Krimiserie Dunkelstadt bringt unterhaltsame sechs Episoden auf den Bildschirm, getragen wird das letztlich vor allem von der Protagonistin, die durch Alina Levshin verkörpert wird. Daneben dient ein solides, aber stellenweise recht klischeebehaftetes Drehbuch als Grundlage für eine Serie, die aus dem Krimieinerlei der hiesigen Fernsehlandschaft heraussticht, zumindest ein kleines Stück weit.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen ZDFneo-Serie „Dunkelstadt“: