Doctor Who 14x03

Doctor Who 14x03

In der Folge „Boom“ der UK-Serie „Doctor Who“ reisen Ruby und der Doctor nach Kastarion 3, wo ein Krieg tobt. Nur wenige Schritte sind dem Doctor vergönnt, ehe er auf eine Mine tritt. Jetzt gilt es, nicht nur sich selbst und Ruby zu retten, sondern den gesamten Planeten - ohne weitere Schritte.

Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
© BBC One / Disney+

Boom

Autor und ehemaliger Showrunner Steven Moffat meldet sich diese Woche bei Doctor Who mit einem kleinen Knaller zurück. In Boom spielt sich dabei mitunter nicht viel ab, aber die Spannung wird stets hochgehalten, wenn der Doctor (Ncuti Gatwa) die TARDIS verlässt und kurz darauf auf eine Mine tritt. Denn Kastarion 3 ist Kriegsgebiet und wenngleich wir dort nur eine Partei zu sehen bekommen und das gesamte Szenario recht minimalistisch wirkt, entblättert sich eine Geschichte, die größer kaum sein könnte. Jedenfalls rein thematisch. Eine Art Kammerspiel erwartet uns diese Woche und Steven Moffat hat sichtlich Spaß daran, bei jeder Gelegenheit an der Spannungsschraube zu drehen, gewohnt düstere Wege zu beschreiten und uns sowie den Doctor und Ruby (Millie Gibson) in immer ausweglosere Situationen zu führen.

Jetzt das Angebot von Disney+ entdecken (Affiliate Link)

Zur Handlung gibt es entsprechend wenig zu sagen, aber doch ein paar Dinge, die für die Folge wichtig sind. Wir lernen zu Beginn John Francis Vater (Joe Anderson) kennen, der geblendet wurde und zusammen mit einem Kameraden durch das Kriegsgebiet stolpert. John hat eine Tochter namens Splice (Caoilinn Springall), deren Mutter bereits verstorben ist und für die er vermutlich alles tun würde. Eine Mine später wird John von der Ambulance (Susan Twist) untersucht und sein Zustand mit der „letzten Hilfe“ versehen, obwohl er sein Augenlicht nach ein paar Wochen wieder zurückgehabt hätte. Ihm bleibt noch, eine letzte Nachricht für seine Tochter aufzunehmen, ehe Ambulance ihn in seine nächste Form befördert.

Unserem Doctor steht ein ähnliches Schicksal bevor, denn Bewegungslosigkeit allein reicht nicht aus, um der Mine, auf die er getreten ist, zu entkommen. Zunächst ist er auf Rubys Hilfe angewiesen, um überhaupt seinen anderen Fuß wieder auf die Erde zu bringen. Seine Begleiterin riskiert dabei mehr als nötig ist, aber diese kleine Mission wird von Erfolg gekrönt. Ein kleiner Erfolg, denn kurz darauf betritt Splice das Kriegsfeld und möchte wissen, was aus ihrem Vater geworden ist. Dicht gefolgt von Mundy (Varada Sethu), die den Neuankömmlingen trotz der Lage kritisch gegenübersteht. Zuletzt folgt noch Canto (Bhav Joshi), der Ruby niederschießt und ein Auge auf Mundy geworfen hat.

Die einzige Bedrohung (neben der Mine) soll aber Ambulance bleiben und unser Doctor muss einen Weg finden, um Ruby und die anderen zu retten, während die Uhr für ihn tickt. Und Überraschung, die Größe der Explosion der Mine hängt von dem ab, der darauf getreten ist. Je „höher“ das Wesen, umso stärker die Explosion - was in diesem Fall die Zerstörung des halben Planeten bedeuten würde.

Joe Anderson in „Doctor Who“
Joe Anderson in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Endloser Krieg

Ist die Episode als solche schon eine geniale Idee, weil der Doctor sich über fast die gesamte Folge nicht bewegen darf, entblättert sich das kriegerische Umfeld als ausweglose Situation, die ihresgleichen sucht. Denn die wenigen Protagonisten dieses Planeten, die wir kennenlernen, haben ihren Gegner noch nie gesehen, weil er (wie sich am Ende herausstellt) schlichtweg nicht existiert. Dieser „Braten“ lässt sich zwar riechen, aber ist einer der Gründe dafür, weshalb diese Folge als Kritik an allen Kriegstreibern verstanden werden kann, die sich durch ihre Waffenlieferungen nichts anderes als Profit versprechen.

Moffat verhüllt seine Kritik zwar ein wenig, denn hier ist es mehr oder weniger eine künstliche Intelligenz, die letztlich für das Geschehen verantwortlich gemacht werden kann, aber die Botschaft ist dennoch unmissverständlich. Krieg ist grausam, Töchter verlieren ihre Väter, Soldaten verlieren ihre potenzielle große Liebe (oder andersrum) und die Tatsache, dass es hier keinen wirklichen Gegner gibt, treibt die gesamte Situation auf die Spitze.

An dieser Stelle dürfen wir uns allerdings schon fragen, weshalb es überhaupt Verluste gibt, wenn ein Gegner fehlt. Wir wissen zwar, dass Ambulance nicht zimperlich mit Verwundeten umgeht, aber woher stammen die Wunden? Da dürften doch kaum ausschließlich friendly fire und die selbst ausgelegten Minen eine Rolle spielen, oder? Selbst wenn es möglich ist, die Legende vom Gegner im Matsch oder Nebel aufrecht zu erhalten, müsste es den kommandierenden Offizieren doch irgendwann komisch vorkommen, dass es keinen bestätigten Feindkontakt gibt. Irgendjemand müsste auch merken, wenn ausschließlich die Ambulanzen für die Verluste verantwortlich sind. Versteht mich nicht falsch, die Idee von einem Gegner, den es nicht gibt, hat mir gefallen. Aber rein logisch betrachtet hätte schon vor dem Doctor jemand darauf kommen müssen, was sich hier abspielt.

Millie Gibson und Ncuti Gatwa in „Doctor Who“
Millie Gibson und Ncuti Gatwa in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Der Doctor und Ruby

Während der Doctor die gesamte Episode in Beschlag nimmt und Ncuti Gatwa wieder hervorragend spielt, kommt Ruby leider ein bisschen zu kurz. Sicher, es wird immer wieder an der Spannungsschraube gedreht und wenn Ruby von Canto niedergeschossen wird - was sich nachvollziehen ließ, weil dieser die Situation nicht richtig einschätzen konnte und Mundy retten wollte - dürfen wir uns große Sorgen um ihren Zustand machen.

Die Gelegenheit wird auch direkt genutzt, um es erneut schneien zu lassen, wenn Ambulance nach dem nächsten Verwandten von Ruby fragt. Eine Antwort erhalten wir zwar nicht, aber das Mysterium um Rubys Herkunft wird erneut hervorgehoben. Ich hatte an der Stelle auf ein paar Selbstheilungskräfte oder Ähnliches gehofft, aber vorerst müssen wir wohl weiter abwarten, was Showrunner Russell T. Davies mit ihr vorhat.

Bis sie außer Gefecht gesetzt wurde, konnte Ruby jedenfalls erneut einen sympathischen Eindruck bei mir hinterlassen. Wenn sie beispielsweise versucht, dem Doctor zu helfen, riskiert sie mehr als sie müsste, widersetzt sich sogar seiner Anweisung, wenn sie ihm die Leiche von John überreicht. Überhaupt kommt sie mit der Situation überraschend gut zurecht, es gibt sogar kleine Momente, in denen sie den fremden Planeten und dessen Himmel bewundern kann. Insgesamt bekommt sie auch mehr zu tun als noch in The Devil's Chord, obwohl sie für die zweite Episodenhälfte quasi flachliegt.

Millie Gibson in „Doctor Who“
Millie Gibson in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Über den Doctor brauche ich vermutlich nicht viel schreiben. Er analysiert durchweg die Lage, nutzt jede neue Information, die er erhält und kann durch Johns Hologramm schließlich eine Lösung herbeiführen, die zwar ein wenig abwegig anmutet, aber doch irgendwo Sinn ergibt. Die moderne Technologie mit den eigenen Mitteln schlagen. Nicht gerade vorhersehbar, aber doch typisch Moffat. Ferner sollte ich noch die kleine Diskussion über den Glauben erwähnen, die der Doctor anstößt. Hat mir gefallen, auch wenn er am Ende wieder ein wenig zurückrudern muss.

Nebenfiguren

Die vier Nebenfiguren John, seine Tochter Splice sowie Mundy und Canto liefern mit ihren Geschichten stets Hinweise für den Doctor, sind aber mehr als einfache Plotelemente. Alle Figuren waren mir auf Anhieb sympathisch und die persönlichen Beziehungen zwischen ihnen - ob nun Vater und Tochter oder das potenzielle Pärchen - fühlten sich authentisch an. Deshalb ließ sich mit ihnen auch gut mitfiebern, selbst wenn ein Teil von ihnen zu Kanonenfutter wurde. Schließlich sind sie ein Grund dafür, weshalb sich dieser Krieg so sinnlos anfühlt.

Bei Varada Sethu, die Mundy Flynn spielt, handelt es sich übrigens um eine neue Begleiterin des Doctor in der nächsten Staffel. Diese Neuigkeiten gab es bereits zu Jahresbeginn und ich bin mal gespannt, ob es sich dann wieder um Mundy Flynn oder um eine andere, neue Rolle handeln wird. Im Prinzip wäre beides möglich und nach dieser Episode könnte ich mir gut vorstellen, dass es bei Mundy bleiben könnte. Schließlich hat sie ihren Canto verloren, die Sinnlosigkeit des Krieges erkannt und wäre somit bereit, sich in neue Abenteuer zu stürzen. Mal schauen, ob sich Mundys Wege erneut mit dem Doctor und Ruby kreuzen.

Susan Twist in „Doctor Who“
Susan Twist in „Doctor Who“ - © BBC One / Disney+

Wer ist Susan Twist?

Was mir außerdem aufgefallen ist, weil mir das Gesicht bekannt vorkam: Susan Twist liefert diese Woche den Amublanzen ihr Gesicht. Nach ein wenig Recherche habe ich aber gesehen, dass sie bereits in The Church on Ruby Road als „Woman at Concert“ bei imdb.com gelistet wird, in Space Babies als „Comms Officer Gina Scalzi“ dabei war und auch in The Devil's Chord als „Tea Lady“ mitgewirkt hat. Und genau die letzte Rolle hatte ich noch vor Augen, weshalb ich den Namen mal gesucht habe und von den Ergebnissen überrascht wurde. Interessant, oder? Susan Twist wird übrigens auch schon für nächste Woche bei imdb.com gelistet. Das kann doch kein Zufall sein, oder?

Die Darstellerin hat übrigens durchaus eine Vita, weshalb der Name authentisch sein dürfte und nicht direkt einen „Twist“ bedeuten muss. Trotzdem lässt sich leicht wittern, dass uns hier womöglich ein Twist bevorsteht. Erinnern wir uns mal kurz an die erste Staffel von 2005 unter der Schirmherrschaft von Russell T. Davies, dann sind versteckte Hinweise (damals war es der Schriftzug „Bad Wolf“) nicht neu. In dieser Staffel also womöglich eine Darstellerin in Nebenrollen, die noch wichtig werden könnte? Warten wir mal ab und schreibt mir gerne eure Meinung dazu in den Kommentaren.

Fazit

Autor Steven Moffat meldet sich diese Woche mit einem kleinen, aber feinen Abenteuer zurück. Und wie schon zu alten Zeiten, als er vereinzelt Episoden für Showrunner Russell T. Davies schrieb, liefert er erneut eine kleine „Bombe“ ab. Vielleicht nicht ganz perfekt, aber mit Sicherheit eine der besten Episoden bislang. Von mir gibt es viereinhalb von fünf Sternen. Und von euch?

Verfasser: Christian Schäfer am Sonntag, 19. Mai 2024
Episode
Staffel 14, Episode 3
(Doctor Who 14x03)
Titel der Episode im Original
Boom
Länge der Episode im Original
47 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
unbekannt

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?