Doctor Who 10x10

© zenenfoto aus der âDoctor Whoâ-Episode âThe Eaters of Lightâ / (c) BBC
Die neunte Legion
Die Wette zwischen Bill (Pearl Mackie) und dem Doctor (Peter Capaldi) darĂŒber, was mit der neunten Legion passiert ist, kommt nicht von irgendwo. Lange Zeit wurde vermutet, sie wĂ€re zwischen 115 und 120 nach Christus in schweren KĂ€mpfen im nördlichen Britannien untergegangen, was unter anderem zu Rosemary Sutcliffs Jugendbuch âDer Adler der neunten Legionâ (1954) fĂŒhrte, welches wiederum als Vorlage fĂŒr die gleichnamige Verfilmung von Kevin Macdonald aus dem Jahre 2011 diente. Es gibt aber auch andere BĂŒcher und Filme, die das Verschwinden der neunten Legion zum Thema haben - Neil Marshalls âCenturionâ (2010), âThe Last Legionâ (2007) oder die Romantrilogie âEngines of Lightâ (2000-2002) vom Science-Fiction Autor Ken MacLeod, der die Legion von AuĂerirdischen auf einen anderen Planeten transportieren lĂ€sst, seien hier als Beispiele genannt.

Jetzt kommt also Doctor Who und bringt mit den Tentakelwesen eine ganz eigene ErklĂ€rung. Soll uns recht sein. Allerdings ist das Verschwinden der neunten Legion mittlerweile kein groĂes Geheimnis mehr beziehungsweise gilt es als gesichert, dass die Soldaten spĂ€testens im Jahre 130 nach Christus wieder aufs Festland verlegt wurden. Trotzdem dĂŒrfen natĂŒrlich weiterhin Geschichten um das Verschwinden dieser Legion (im nördlichen Britannien) gesponnen werden und eines hat das Abenteuer zumindest beim Rezensenten bewirkt: Einmal nachschauen, was es mit der besagten neunten Legion auf sich hatte. Von daher ein kleiner Pluspunkt, der obendrein noch an den Anfang der alten Serie erinnert, wo des Ăfteren mal âgeschichtliche Lektionenâ durch die Abenteuer des Doctors erteilt wurden.
Same procedure as last week?
Beim Betrachten von The Eaters of Light kommt man leider nicht umhin, deutliche Parallelen zum Abenteuer der Vorwoche - Empress of Mars - zu finden. Wieder einmal mĂŒssen zwei Parteien dazu gebracht werden, sich nicht zu bekĂ€mpfen. Feigheit wird thematisiert, der Doctor und Bill werden abermals getrennt, um auf die unterschiedlichen Lager zu treffen und - um noch ein Detail zu nennen - Bill fĂ€llt auch hier in ein Loch, um auf einen der römischen Soldaten (Rohan Nedd) zu treffen.
Das Setting ist zwar unterschiedlich genug, aber dennoch wÀre es wohl besser gewesen, man hÀtte die Episoden voneinander getrennt, damit die Gemeinsamkeiten nicht ganz so stark ins Auge fallen. Eine Folge an den Anfang der Staffel setzen, den Teil um Missy (Michelle Gomez) beziehungsweise den Tresorraum an der Stelle belassen und fertig. Da hÀtte man dann vielleicht auch zeigen können, weshalb Nardole (Matt Lucas) im Bademantel herumlÀuft - da fehlte doch bestimmt eine Szene.
Rona Munro
Rona Munro ist nun die erste Autorin, die sowohl fĂŒr die alte Serie als auch fĂŒr die aktuelle Doctor Who Reihe ab 2005 eine Geschichte geschrieben hat. Sie schrieb Survival, das dreiteilige Abenteuer, welches das letzte in Serienform fĂŒr den siebten Doctor (Sylvester McCoy) und dessen Begleiterin Ace (Sophie Aldred) sein sollte.
Das muss an dieser Stelle unbedingt erwĂ€hnt werden, denn die Abenteuer des siebten Doctors waren seinerzeit nicht selten merkwĂŒrdig oder gar verrĂŒckt und kamen mit diversen KuriositĂ€ten daher. Hier haben wir nun ein wenig schottische Mystik - seien es nun die tĂ€towierten Pikten mit ihren Geschichten oder Judy (Jocelyn Brassington), die in der Rahmenhandlung Musik hört - ein Portal, in dem die Zeit anders verlĂ€uft und aus dem merkwĂŒrdige, gefĂ€hrliche Kreaturen entspringen können sowie KrĂ€hen, die einen Namen krĂ€chzen. Das erinnert in der Tat ein wenig an die alte Ăra des siebten Doctors und vermag auch ein wenig Nostalgie zu wecken.
Figuren

Im direkten Vergleich mit The Empress of Mars schneidet diese Folge etwas besser ab. Munros Gastfiguren sind ein gutes StĂŒck besser geschrieben als die von Gatiss letzte Woche. Hier gibt es keinen nervenden Catchlove (Ferdinand Kingsley) als permanenten Störfaktor zwischen den Parteien, dafĂŒr aber bessere und vor allem glaubhaftere Dialoge mit Ban (Daniel Kerr) und Kar (Rebecca Benson), die sich leicht als AnfĂŒhrer der beiden Lager identifizieren lassen. Beide haben ihre Problemchen, was sich auf die jeweilige Gruppe auswirkt. So muss Ban das Ăberleben seiner Truppe sichern, die vor dem Kampf geflohen ist und zunĂ€chst nicht weiĂ, was sie machen soll, wĂ€hrend Kar ein Monster freigelassen hat, welches nun auch ihre eigenen Leute (und die ganze Welt) bedroht.
Der Doctor und Bill haben da - getrennt voneinander - jede Menge zu tun, um die Sicherheit beider Lager wiederherzustellen und vor allem, um die KampfhÀhne gemeinsam gegen Ende zur Zusammenarbeit zu bewegen. Abgesehen davon gibt es aber auch kleinere Highlights. Bills HomosexualitÀt wird von Ban beispielsweise als Limitierung bezeichnet, aber direkt akzeptiert. Ein sehr erfrischender Gedanke, dass es einmal eine Zeit gab, in der wesentlich unkomplizierter mit sexuellen Vorlieben umgegangen wurde (ob das jetzt wirklich so war, sei mal dahingestellt, aber die Idee zÀhlt).
Was unsere beiden Hauptfiguren angeht, gab es aber noch andere Dinge, die erwĂ€hnt werden sollten. So kommt Bill von alleine auf die Lösung dafĂŒr, weshalb die Sprachbarriere hier ĂŒberwunden wurde und scheinbar (aus ihrer Sicht) alle englisch sprechen. Das hinterlĂ€sst abermals einen aufgeweckten Eindruck der neuen Begleiterin des Doctors, obwohl wir uns natĂŒrlich fragen können, weshalb ihr nicht schon vorher aufgefallen ist, dass sie alles und jeden versteht, wenn sie mit dem Doctor auf Reisen ist (seien es nun die Eiskrieger von letzter Woche oder gar der Dalek aus dem Staffelauftakt). Dahingehend wĂ€re es tatsĂ€chlich besser gewesen, diese Episode an den Staffelanfang zu legen.
Beim Doctor ist diese Woche seine Opferbereitschaft auffĂ€llig, wobei wohl niemand wirklich damit gerechnet hat, dass er zum Wohle aller tatsĂ€chlich diesen Schritt geht - immerhin stehen noch ein paar Folgen aus und ein ĂŒberraschender Abgang seinerseits hĂ€tte den Handlungsstrang mit Missy vorzeitig beendet. War also klar, dass sich jemand anderes um den Durchgang kĂŒmmern muss. Allerdings war es nicht das erste Mal, dass er sich in dieser Staffel fĂŒr Bill und die Menschheit opfern wollte (The Pyramid at the End of the World kommt da direkt in den Sinn). Also ein Hinweis darauf, wie Capaldis Doctor aus der Serie treten wird? Abwarten.
Zuletzt sei an dieser Stelle noch Nardole erwÀhnt, dessen Szenen mal wieder köstlich waren. In Sachen Humor und Situationskomik kann ihm jedenfalls niemand das Wasser reichen. Hoffentlich bleibt er uns noch lange erhalten.
Missy
Sah es eingangs noch so aus, als wĂ€re Missy wieder (freiwillig) in ihren Tresorraum gegangen, offenbart sich uns am Ende, dass der Doctor sie fĂŒr Wartungsarbeiten an der TARDIS einsetzt und sie obendrein wĂ€hrend des gesamten Abenteuers auf freiem FuĂ war. Sie konnte sogar zusehen, wĂ€hrend die anderen einer nicht gerade kleinen Gefahr ausgesetzt waren.
Was passiert hier gerade? Soll Missy etwa zum vollwertigen Mitglied unserer kleinen Crew werden? Der Doctor ging hier ein gewaltiges Risiko ein und vertraut (trotz seiner Worte, dass er Missys TrĂ€nen nicht ganz abkauft) darauf, dass sie sich nicht mit der TARDIS davonmacht, wĂ€hrend er mit Bill und Nardole im Abenteuer steckt. LeichtglĂ€ubig nennt man das. Klar, man kann ihr jetzt zwar zu Gute halten, dass sie geblieben ist und ihr BemĂŒhen somit aufrichtig scheint. Aber wer vertraut schon darauf, dass da nicht noch eine Wendung kommt? Immerhin handelt es sich hier um den Erzfeind des Doctors und auch wenn die beiden in gewissen (vergangenen) Situationen gezwungen waren, zusammenzuarbeiten, endete das in jedem Fall damit, dass der Master den Doctor wieder hintergeht. Da wĂ€re es in der Tat sehr ĂŒberraschend, wenn es jetzt im zweiteiligen Staffelfinale anders verlaufen wĂŒrde.
Unterm Strich erhöht dieser letzte Akt der Episode die Spannung auf das Finale. Als Nebeneffekt lÀsst sich aber vermerken, dass dadurch das Abenteuer, welches vergleichsweise kurz ausfÀllt, damit in den Hintergrund gerÀt und uns weniger beschÀftigt als die Frage danach, was uns nÀchste Woche erwartet.
Fazit

Eine weitere eher durchschnittliche Folge, die besser am Anfang der Staffel aufgehoben wĂ€re. Zu deutlich sind die Parallelen zum letzten Abenteuer und obendrein rĂŒckt die Handlung durch die letzten Minuten, die sich um Missy drehen, in den Hintergrund. Es gibt aber verschiedene Faktoren, die diese Episode gegenĂŒber The Empress of Mars aufwerten - Nardoles Anwesenheit, bessere Gastfiguren, ein wenig Nostalgie mit Anlehnung an die Ăra des siebten Doctors und der AufhĂ€nger um das Verschwinden der neunten Legion. AuĂerdem erhöht das Ende die Spannung auf die letzten beiden Folgen der Staffel. Von mir gibt es diese Woche noch gute 3,5 von 5 Sternen.
Trailer zur Episode World Enough and Time der Serie Doctor Who (10x11):
Verfasser: Christian SchÀfer am Sonntag, 18. Juni 2017Doctor Who 10x10 Trailer
(Doctor Who 10x10)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 10x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?