Doctor Who 10x08

© eter Capaldi und ein Monk in âDoctor Whoâ / (c) BBC One
Fake
Fake News und Propaganda sind die Dreh- und Angelpunkte, die sich hinter Toby Whithouses The Lie of the Land verbergen. Wobei es hier aber noch einen gewaltigen Schritt weiter geht, denn die gesamte Geschichte der Menschheit wurde von den KuttentrĂ€gern umgeschrieben, manipuliert und âgefaktâ - der Begriff âFake Historyâ liegt da auf der Zunge. NatĂŒrlich ist das alles eine groĂe LĂŒge und nicht wirklich so passiert, denn die Mönche haben erst seit sechs Monaten die Kontrolle. Aber um eben diese auszuĂŒben, haben sie sich fest in der Geschichte verankert. Durch die ĂŒberall aufgestellten Statuen werden die Signale dieser Fake History direkt in die Hirne der Bevölkerung transportiert - wer trotzdem Verdacht schöpft, wird beseitigt. Und obendrein verbreitet der Doctor (Peter Capaldi) als eine Art Propagandaminister ebenfalls die Botschaft der Besatzer, um die Menschheit einzulullen.
Ganz unabhĂ€ngig davon, was man von der Episodenhandlung um unsere Protagonisten halten mag, ist dieses Konzept hinter der Geschichte nicht verkehrt. Fake News sind - auch wenn sie manchmal nur ein Gag sein sollen - ein nicht zu unterschĂ€tzendes Problem, zielen sie doch meist darauf ab, den Leser von einer LĂŒge zu ĂŒberzeugen, ihn zu manipulieren und in eine gewĂŒnschte Richtung zu lenken. Nur dass da am Ende eben kein âApril, Aprilâ kommt. Hier geht es durch die umgeschriebene Menschheitsgeschichte noch ein wenig weiter, womit beim Zuschauer auch Gedanken zum Thema âdie Geschichte wird von den Siegern geschriebenâ geweckt werden.

Die Botschaft dahinter ist eindeutig. Wir mĂŒssen stets wachsam sein und sollten die Nachrichten (und deren Quellen), die uns alltĂ€glich prĂ€sentiert werden, kritisch hinterfragen, bevor wir uns entschlieĂen, ihnen Glauben zu schenken (oder halt nicht). Und das leider nicht nur am 1. April. Von daher ist die Idee hinter dieser Episode sicher eine gute und auch das Ende, wo die âVerfasserâ der Fake History entlarvt wurden und anschlieĂend das Weite suchen, weil sie durchschaut wurden, relativ in Ordnung (jedenfalls in dieser Hinsicht).
Die ersten 15-20 Minuten
Haben wir jetzt aber eine gute Folge Doctor Who bekommen, weil das Konzept nicht schlecht war? Leider nein. Es gibt einen ganzen Haufen von Problemen, die uns mit der Stirn runzeln lassen. Diese betreffen allerdings nicht die ersten 15-20 Minuten, denn was uns dort prÀsentiert wurde - bis hin zur vermeintlichen Regeneration des Doctors - war schlicht sehr gut und interessant.
Bill (Pearl Mackie) hat zu Beginn der Episode zwei groĂe StĂŒtzen, die ihr dabei helfen, sich der Manipulation der Besatzer zu entziehen (wobei sich natĂŒrlich hinterfragen lĂ€sst, warum sie ĂŒberhaupt betroffen ist - denn spĂ€ter in der Folge erfahren wir, dass sie quasi der Sender ist). Die eine StĂŒtze ist der Doctor. Sie vermutet, dass er von den Mönchen kontrolliert wird, in Wirklichkeit aber befreit werden muss und der Menschheit helfen will. Sie hat den Glauben an ihn nicht verloren und macht sich mit Nardole (Matt Lucas) auf, um ihn zu befreien.
Die andere groĂe StĂŒtze ist ihre Mutter (Rosie Jane), die hier in Form eines imaginĂ€ren Freundes prĂ€sentiert wird und mit der sie ihre Gedanken teilt, um der Manipulation zu widerstehen. Ihre Mutter wird spĂ€ter auch zum SchlĂŒssel, um das groĂe Problem zu lösen, was durchaus eine reizvolle, weil emotional treffende Auflösung zum Sender-Thema bringt. Aber mehr dazu spĂ€ter.
ZunĂ€chst war es erfreulich, dass Nardole nach den Ereignissen von letzter Woche nicht dahingerafft wurde und die letzten Wochen an einem Befreiungsplan fĂŒr den Doctor gesessen hat, den er jetzt mit Bill umsetzen will. Obgleich wir uns fragen dĂŒrfen, wie er ĂŒberlebt hat und weshalb die TARDIS nicht zum Einsatz kommt (mit der er schlieĂlich abgehauen ist), ist die anfĂ€ngliche PrĂ€misse, den Doctor aufzuspĂŒren und aus den FĂ€ngen der Mönche zu befreien, sehr gelungen und spannend umgesetzt worden - inklusive diverser humoristischer Einlagen (Nardole ist nach wie vor köstlich).

MĂŒhsam schlagen sich unsere zwei Figuren also bis zum Doctor durch und machen dann eine bittere Entdeckung. Denn der Time Lord macht - zu unserem Entsetzen - mit den Mönchen gemeinsame Sache. Seine AusfĂŒhrungen ergeben sogar halbwegs Sinn, womit im Grunde genommen nur drei ErklĂ€rungen fĂŒr sein Verhalten bleiben. Variante a) wĂ€re, dass er einer GehirnwĂ€sche unterzogen wurde beziehungsweise den ominösen Sendern verfallen ist - nachdem die Besatzer ihn letzte Woche im Handumdrehen heilen konnten, wĂ€re es durchaus denkbar, dass sie da auch sein Denkorgan beeinflussen können. In diesem Fall wĂ€ren Bill und Nardole auf sich allein gestellt geblieben und hĂ€tten ohne die Hilfe des Doctors auskommen mĂŒssen - was mit Sicherheit sehr spannend geworden wĂ€re. Als Variante b) hĂ€tte der Doctor tatsĂ€chlich aus freien StĂŒcken kooperiert, womit Bill und Nardole ihn hĂ€tten vom Gegenteil ĂŒberzeugen mĂŒssen - worauf der ganze Dialog auch abzuzielen schien. Aber wer hĂ€tte schon geglaubt, dass der Doctor tatsĂ€chlich freiwillig mit den Mönchen gemeinsame Sache macht?
PrĂ€sentiert wird uns dann leider Variante c) - offensichtlich sollten wir und Bill vom Doctor hinters Licht gefĂŒhrt und âgetestetâ werden. Aber was hier als WTF-Moment (Bill schieĂt auf den Doctor und die Regeneration setzt ein) dienen soll, endet in einem schlechten Witz. Als wenn es jemals fraglich gewesen wĂ€re, wie Bills Absichten aussahen oder ob sie sich (in diesem Fall vom Doctor) manipulieren lassen wĂŒrde. Hallo, sie ist gerade dabei, dich zu befreien, damit du die Welt retten kannst. Wozu dann ein blöder Test? Also abgesehen davon, um uns ein wenig zu verarschen und eine billige doppelte Wendung (Doctor ist gefangen, halt nein, Doctor hilft den Mönchen, halt nein, alles nur Fake, Ă€tschibĂ€tschi, reingefallen) herbeizufĂŒhren, die komplett sinnlos ist. Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, darf die versammelte Mannschaft (selbst Nardole war eingeweiht) anschlieĂend noch Bill (und uns) auslachen. Der reinste Unfug. Da wĂ€re es einem schon fast lieber gewesen, wenn der Doctor tatsĂ€chlich eine Regeneration gehabt hĂ€tte und damit (und nach der oben angefĂŒhrten ersten Variante) wieder zu Verstand gekommen wĂ€re.
Nochmal: Bis hin zur einsetzenden Regeneration war dieser Teil der Episode sehr brauchbar und gut. Aber was danach folgte, war der reinste Hohn und das genaue Gegenteil von einem Highlight. Nebenbei wird im Nachhinein noch die ganze Rettungsaktion ĂŒberflĂŒssig gemacht, denn der Doctor war lĂ€ngst auf freiem FuĂ und hat auch schon die gesamte Besatzung auf seiner Seite.
Missy
Im Anschluss dĂŒrfen unsere drei Hauptfiguren ĂŒberlegen, wie die Mönche die Menschheit gefĂŒgig machen und was als nĂ€chstes zu tun ist. Dabei benötigen sie Hilfe, denn kurioserweise hat selbst der Doctor keinen Plan davon, wie die Gedankenmanipulation durchgefĂŒhrt wird und von wo (oder wem) sie ausgeht. Ernsthaft, wĂ€re es wirklich so schwer gewesen, von selbst darauf zu kommen, dass die Statuen einen bestimmten Zweck erfĂŒllen und sich das Signal von der Pyramide aus beeinflussen lĂ€sst? Oder auch, dass Bill eine Rolle spielt, wo es den Mönchen doch letzte Woche drauf ankam, aus welchen Motiven die Aufgabe zu erfolgen hat?
Der Grund, weshalb Missy (Michelle Gomez) aufgesucht wird, ist sehr fraglich. Zumal ein GroĂteil ihrer Hinweise auch nur aus DenkanstöĂen besteht, die unsere Protagonisten schlieĂlich von selbst auf den richtigen Weg bringen. FĂŒr die Handlung und zur Lösung des Problems hĂ€tte sich jedenfalls gut und gerne auf Missy verzichten lassen. Obendrein ist die vorgeschlagene Lösung, bei Bill einen Hirntod herbeizufĂŒhren, nicht gerade das, was unsere Figuren als willkommenen Ausweg betrachten.

Nichtsdestotrotz macht es aber SpaĂ, Michelle Gomez in ihrer Rolle beizuwohnen. Missy ist sogar eines der kleinen Highlights dieser Woche und wird nicht gĂ€nzlich als (unnötiges) Plotdevice verwendet. Ihre Persönlichkeit ist im Begriff, sich zu verĂ€ndern. Ob sie tatsĂ€chlich eine VerĂ€nderung von böse nach gut vollziehen wird, kann natĂŒrlich in Frage gestellt werden. Aber sie scheint zumindest die Absicht zu haben, denn sie verweilt (laut eigener Aussage) freiwillig in ihrem GefĂ€ngnis und die TrĂ€nen am Ende wirken auch echt.
Unterm Strich hĂ€tte sich auf die Handlung um Missy verzichten lassen, aber die Einblicke in ihre Persönlichkeit waren die kurzen Auftritte dann doch wert. Da dĂŒrfen wir gespannt auf ihre weitere Entwicklung sein und wo die enden wird.

Die Rettung
Der zweite Teil der Episode, der sich mit dem eigentlichen Problem der Besatzer befasst, ist grundsĂ€tzlich nicht unspannend, birgt aber leider zahlreiche GlaubwĂŒrdigkeitsprobleme, was nicht nur den widerstandslosen Aufbruch der Mönche angeht, nachdem deren Sendung zu einem Ende gebracht wird.
So fragen wir uns beispielsweise, weshalb niemand auf den Doctor und seine Begleiter aufmerksam wird, die sich ganz offensichtlich der Gedankenkontrolle widersetzen. Wurde uns nicht eingangs noch gezeigt, wie Leute aufgegriffen werden, die die Gefahr des Widerstands in sich tragen? Klar, ab und an wird uns gezeigt, wie sich unsere Protagonisten den Augen der Uniformen und Kutten entziehen und heimlich von Ort zu Ort reisen. Aber gerade so Szenen wie die mit dem in London einlaufenden Schiff schreien geradezu danach, dass irgendjemand auf sie aufmerksam wird. Sehr kurios auch, dass die Pyramide nicht bewacht wird und erst im Inneren ein paar KuttentrÀger lauern.
Bill entpuppt sich im Verlauf als eine der Ursachen fĂŒr die erfolgreiche Gedankenmanipulation der Menschheit. Sie ist Teil des Senders und somit des Signals, welches den Mönchen erst ermöglicht, ihre Fake History zu verbreiten. Weshalb wird sie dann aber von dem Signal ebenfalls beeinflusst? Missy gibt zudem an, dass sie einst die Mönche besiegt hat, indem sie die Person ausschaltete, die fĂŒr eine erfolgreiche Gedankenmanipulation notwendig war - was ja gerade das neue Dilemma darstellt, denn Bill zu töten oder hirntot zu machen, ist keine Option fĂŒr den Doctor. Bill (beziehungsweise ihre Nachkommen) wird benötigt, um die Fake History aufrechtzuerhalten. Aber warum muss sie dann ĂŒberhaupt in die Pyramide eindringen und sich dort ins Signal einklinken? Es sollte doch reichen, wenn sie sich (ohne Link) auf ihre Mutter konzentriert - was sie ohnehin teilweise macht. Entweder habe ich da eine wichtige Information verpasst oder die Lösung war Murks.
Letzter wesentlicher Punkt (es gibt sicher noch weitere, die sich aufzĂ€hlen lieĂen) ist dann aber das Ende. Da haben wir also den Mönchen ĂŒber drei Episoden beigewohnt und gesehen, was sie alles draufhaben. Die Simulationen aus dem ersten Teil der kleinen Trilogie dienten dazu, sich den Erfolg zu sichern, sobald sie angreifen. Der zweite Teil demonstrierte ihre Macht und stellte mit der Heilung des Doctors selbst die FĂ€higkeiten unseres Time Lords in den Schatten. Und jetzt bringt sie die Unterbrechung des einlullenden Signals dazu, sich gleich vom Acker zu machen? Bei ihrem gesamten Vorgehen haben sie nie in ErwĂ€gung gezogen, dass so etwas passieren könnte? Ein RĂŒckschlag und auf Wiedersehen? Ziemlich ernĂŒchterndes Ende fĂŒr einen Gegner, der ach so mĂ€chtig prĂ€sentiert wurde. Des Weiteren kann sich natĂŒrlich wenig spĂ€ter niemand mehr an die Mönche erinnern, die ihre Statuen noch schnell abgerissen und die Bevölkerung geblitzdingst haben. Ob sich wirklich niemand wundert, wo die ganzen Leute hin sind, die den Besatzern zum Opfer fielen oder verschleppt wurden?

Sonstiges
- Nette Idee, das Foto von Bills Mutter aus dem Piloten zu einem kleinen SchlĂŒsselelement zu machen.
- Bills emotionale Achterbahnfahrt war gut und ĂŒberzeugend. FĂŒr das Ende hĂ€tte man sich aber trotzdem gewĂŒnscht, dass ihr Einklinken in das Signal zumindest kleinere Folgen bei ihr hinterlĂ€sst. Stattdessen wirkt sie in der nĂ€chsten Szene, als wĂ€re nichts passiert.
- Der Doctor beim Einlaufen des Schiffs - einfach Wahnsinn. Wie unpassend die Szene auch war, Capaldi gĂ€be sicher einen groĂartigen verrĂŒckten Wissenschaftler ab.
- Wer oder was steckte denn jetzt hinter den Mönchen? Gab es da letzte Woche nicht ein paar Andeutungen von wegen âwahre Formâ und so?
- Nardoles vulkanischer Nackengriff. Witzig.
- Trump. HĂ€tte man auch drauf verzichten können (zu viel âcovfefeâ um ihn - da muss er nicht auch noch in Doctor Who zu sehen sein).
Fazit
Das Konzept, die Episode um Fake News zu gestalten, war nett und die erste HĂ€lfte der Episode sehr vielversprechend. Missy war toll und generell gibt es nur wenig an den Figuren auszusetzen. Die zweite HĂ€lfte, nachdem wir und Bill mit einer der unsinnigsten Wendungen der Serie konfrontiert wurden, war dann leider handlungstechnisch ziemlich groĂer Murks. Abgesehen von diversen (storyrelevanten) Ungereimtheiten will auch das viel zu einfache Ende nicht schmecken. Von mir gibt es diese Woche 2,5 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Sonntag, 4. Juni 2017Doctor Who 10x08 Trailer
(Doctor Who 10x08)
Schauspieler in der Episode Doctor Who 10x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?