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© iels Schneider (r.) in der Serie Totems (c) Amazon Prime Video
Seit Freitag, den 20. Mai können internationale Abonnent:innen von Amazon Prime Video die achtteilige Auftaktstaffel der französischen Spionageserie Totems streamen, welche in ihrem Heimatland schon im Februar erschien. Hinter dem Format steht das Duo Olivier Dujols (Büro der Legenden, Falco) und Juliette Soubrier (Black Spot). Die Geschichte beginnt 1965, als ein junger Raketenwissenschaftler unversehens an die Geheimdienstfront im Kalten Krieg geschickt wird.
Die Hauptrolle des Francis Mareuil ging an den frankokanadischen Schauspieler Niels Schneider (Ad Vitam). Ihm gegenĂŒber steht die KGB-Agentin Lyudmila Goloubeva, gespielt von Vera Kolesnikova (ebenfalls Büro der Legenden). So entsteht im Lauf der einstĂŒndigen Pilotepisode eine gefĂ€hrliche Liaison zwischen West und Ost. Dabei steht vor allem die Frage im Raum, ob im Krieg und in der Liebe wirklich alles erlaubt ist...
Worum geht's?
Viele werden sich zunĂ€chst wahrscheinlich fragen, was der kryptische Serientitel „Totems“ zu bedeuten hat. Lambert Wilson („Matrix Resurrections“), der in der Serie als Charles Contignet mitspielt, der unseren Helden auf seine Mission nach Ostberlin (und spĂ€ter weiter nach Moskau) schickt, erklĂ€rt es wie folgt: Selbst CIA und KGB, die zwei Speerspitzen im Kalten Krieg, mĂŒssen hin und wieder miteinander reden, um zum Beispiel einen Gefangenenaustausch zu organisieren. DafĂŒr gibt es spezielle Gesandte, die als unantastbar angesehen werden, die Totems.
Wie unantastbar Francis wohl sein wird, bleibt nach dem Auftakt abzuwarten. Zumal schon sein Vater einst von Contignet als Spion benutzt wurde. Angeblich soll er aber sein Land verraten haben, was sein Sohn nun wiedergutzumachen hat. Damit erklĂ€rt die Serie uns, wieso sich der Protagonist ĂŒberhaupt auf den Einsatz einlĂ€sst. Auf den ersten Blick scheint Francis' derzeitiges Leben ziemlich perfekt: Er hat einen angesehenen Job als Raketenwissenschaftler und ist mit der schönen Anne (Ana Girardot) verheiratet, mit der er bald sein zweites Kind kriegen will.
Doch schon nach wenigen Minuten beginnt diese gutbĂŒrgerliche Fassade zu bröckeln: Ein unerfĂŒlltes Eheleben mischt sich mit einer Karriere auf dem Abstellgleis, denn durch den schlechten Ruf seines Vaters werden Francis wohl viele TĂŒren stets verschlossen bleiben. Seinen groĂen Traum vom Astronautendasein kann er sich also nur erfĂŒllen, wenn er den Namen seiner Familie beim französischen Geheimdienst SDECE wieder reinwĂ€scht. Der zwangslĂ€ufige Abstand zu seiner Frau kommt ihm ebenfalls gelegen, obwohl er da noch nichts von der schönen Russin weiĂ, die ihn erwartet.

Lyudmila (Kolesnikova), die lieber als Pianistin tĂ€tig wĂ€re, statt als Geheimagentin des KGB, ist fĂŒr Francis die Liebe auf den ersten Blick. Die Serie baut das erste Treffen der beiden in der ersten Episode ganz geduldig auf, und setzt es dann geradezu pathetisch in Szene. So stehen sie in Ostberlin, zwischen ihnen steht die ganze Welt - oder in dem Fall eine glĂ€serne Kugel. Der erste Wortwechsel ereignet sich wohl erst in Folge zwei. Es dĂŒrfte interessant sein, zu sehen, ob die Anziehung der zwei Hauptfiguren wirklich auf Gegenseitigkeit basiert. Und welche Opfer sie einzugehen bereit sind, denn Privates und Berufliches dĂŒrfte fĂŒr Agenten in einem Spionagekrieg nur schwer unter einen Hut zu bringen sein.
Ziel der Mission von Francis ist es ĂŒbrigens, in der UdSSR eine Geheimtechnologie der Sowjets unter die Lupe zu nehmen, bei der es sich wohl um eine orbitale Nuklearwaffe handeln könnte. Der Chef des Projekts, Boris Gobulev (Aleksey Guskov), ist zufĂ€llig der Vater seiner neuen Angebeteten, die diesen nur ungern in die Sache hineinziehen will. Doch auch sie kriegt Druck von ihrem Chef: Dimitri Yemeline (Michael Gor).
Neben der ganzen Weltpolitik und dem Liebesdrama versucht sich die Serie zusĂ€tzlich an einem feministischen Plot rund um Annes kleine Schwester Martine (Eden Ducourant), die Familienplanung betreiben und höchstens aus Liebe heiraten will. Zur damaligen Zeit unerhörte WĂŒnsche fĂŒr eine Frau, wobei es hier weniger um ein Statement zu gehen scheint, sondern darum, einen Weg zu finden, die Ehekrise von Anne und Francis zu verdeutlichen.
Wie ist es?
Insgesamt liefert Totems, die französische Eigenproduktion von Amazon Prime Video, einen durchaus soliden Einstand in die achtteilige Auftaktstaffel. Die Serie lĂ€sst sich viel Zeit, um auf das vorzubereiten, was das HerzstĂŒck der Geschichte sein soll: die Romanze zwischen der Figur von Niels Schneider und Vera Kolesnikova, die nach der alten Romeo-und-Julia-Formel zu einer tragischen werden könnte. Der Eiserne Vorhang steht zwischen den zwei Spionen wider Willen, wobei wir nach dem aufgeladenen ersten Aufeinandertreffen noch gar nicht wissen, wie viel Chemie zwischen den beiden tatsĂ€chlich herrscht. Dabei wird das Ganze wohl genau mit dieser Frage stehen oder fallen.
Eine clevere Grundidee, die stark vom Spiel der Hauptdarsteller abhĂ€ngen wird. Das ist eine riskante Wette, zumal die Serie sonst nicht so viel anzubieten hat. Weder bringt sie neue EinflĂŒsse ins Spionagegenre noch sticht ihr Produktionswert deutlich hervor. Eher fĂ€llt das geringe Budget sogar negativ auf, denn auĂer der allerersten Einstellung, findet das Gros der Szenen in dĂŒsteren kleinen RĂ€umen statt, was durch den einen oder anderen Establishing Shot europĂ€ischer Metropolen aufgewogen werden soll. Vom Riesenkonzern Amazon darf man etwas weniger Geiz schon erwarten...
Hier abschlieĂend noch der Trailer zur Spionageserie Totems, die nun bei dem Streamingdienst Amazon Prime Video verfĂŒgbar ist:
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 23. Mai 2022(DreaMars 1x19)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?