
Als leichte Comedy werden an die Serie Dr. Ken wohl keine großen Erwartungen gestellt. Die Pilotepisode enttäuscht jedoch auch, wenn man nur ein bisschen Unterhaltung für nebenher sucht.
Worum es geht
Dr. Ken Park (Ken Jeong, Community) ist immer ehrlich zu seinen Patienten. Diese sind jedoch meistens völlige Idioten und stürmen wütend aus seiner Praxis und beschweren sich dann wegen Beleidigung, was den Arzt seltsamerweise in Schwierigkeiten mit dem Krankenhausmanager Pat (Dave Foley; Spun Out, Hot in Cleveland) bringt.
Außerdem gerät er mit schöner Regelmäßigkeit mit seiner Teenagertochter Molly (Krista Marie Yu) aneinander, weil er nicht einsehen will, dass sie langsam erwachsen wird und ihren Führerschein macht. Das jüngere Kind, ein Sohn namens Dave (Albert Tsai), bringt den Arzt vor allem damit in Bedrängnis, weil er nicht so cool ist, wie es sein Vater sich wünscht und zum Beipsiel Pantomime bei der jährlichen Schulveranstaltung vorführen will.
Was also tut der Mann, der immerhin durch ein Medizinstudium gekommen sein muss? Er ignoriert die Erfahrungen jedes anderen Fernsehvaters, installiert eine Trackingapp auf seinem Handy, mit dem er seine Tochter verfolgt und stürmt in einen Nachtclub, weil er denkt, sie sei dort. Aber ist sie natürlich nicht, was den Vater allerdings nicht daran hindert, festgenommen zu werden und so von seiner freundlichen, schlagfertigen und liebevollen Ehefrau Allison (Suzy Nakamura, Go On) gerettet werden muss.
Viel mehr passiert dann auch nicht in der Pilotepisode, außer natürlich, dass der coole Dad dann noch den peinlichen Auftritt seines Pantomimesohnes in der Schulaula rettet.
Wie kommt es rüber?
Ob die Serienautoren die Tochter der Familie Park extra für den Verwechslungswitz mit der gleichnamigen Droge Molly genannt haben? Vielleicht, vielleicht nicht, jedoch wirkt die gesamte Episode so furchtbar überbemüht wie der Gag. Das geht auf Kosten der Komik, die man geradezu mit der Lupe suchen muss.
In der Pilotepisode werden alle Familiensitcomwitze durchgespielt, die auch nur ansatzweise in die Situation passen. Neben der Tochterverfolgungsapp tut sich in diesem Bereich zum Beispiel der Gag mit den heruntergerissenen Ärmeln und der Krawatte um den Kopf als cooles Cluboutfit und dem Türsteher, der sofort seine Verletzung zeigt, als er hört, dass er einen Arzt vor sich hat.
Dr. Ken Park soll ein streitbarer Charakter sein und leider ist er das auch geworden, nur anders, als die Serienautoren sich das wohl gedacht haben. In der Pilotepisode sehen wir ihn lediglich mit einem Patienten und das geht gleich mehrfach in die Hose.
Wenn der Gag sein soll, dass er seine Patienten beleidigt, dann wäre es glaubwürdig, wenn er das auch nur im Ansatz tun würde. Aber natürlich hat er von Anfang an Recht, der Mann, der sich gegen eine notwendige Untersuchung wehrt, ist der Verlierer der Situation. Und das weiß er wohl auch selbst, was dazu führt, dass er die Untersuchung macht und sich bei dem Arzt, der so hart zu ihm war, bedankt. Das ergibt alles Sinn, wenn die Autoren uns nur nicht zwischendurch verkaufen wollten, dass Dr. Ken ein mieser Hund sein kann.
Mehr Mühe geben sie sich bei seiner Charakterisierung als cooler Hund. Doch da kommt wieder die Überbemühtheit ins leider sehr traurige Spiel. Mühe ist das Ende jeder Coolness und die Menge an Anstrengung, die unternommen wird, um Dr. Ken cool zu machen, schafft dementsprechend nur das Gegenteil.
Der Charakter der Figur funktioniert also im Moment vorne und hinten nicht, was jedoch nicht davon ablenken kann, dass die anderen Figuren anstelle von Eigenschaften reine Klischees vor sich hertragen. Ein kurzer Blick auf Familie und Arbeitsumfeld reicht hier aus: Wir haben den laufenden Abklatsch einer Sitcommutter, die genau weiß, worauf es in der Erziehung ankommt, sich aber nicht gegen ihren kindischen Mann durchsetzt, sondern ihn seine Sperenzchen machen lässt, bis er sich in eine Situation bringt, in dem sie ihn dann doch wieder rausboxen muss. Dazu kommt die Teenagertochter, die zwar cool genug ist, mit den gefährlichen Kids abzuhängen, aber sich im letzten Moment dann doch immer dazu entscheidet, das Richtige zu tun. Da kann man den leicht peinlichen Sohn und den unglücklichen Boss, der in einer glorreichen Vergangenheit lebt, schon fast übersehen.
Doch immerhin in einer Sache finden die Dr. Ken-Macher ein überraschendes Alleinstellungsmerkmal: An mehreren Stellen fühlt die Pilotepisode sich wie ein Lehrvideo an, untermalt mit eingespielten Lachern an willkürlichen Stellen. Dabei wird der Zeigefinger nicht mal versteckt, der unliebsame Patient erzählt am Ende ganz direkt, dass seine Erkrankung sich zu Krebs entwickelt hätte, wenn er nicht zur Untersuchung gegangen wäre und die Tochter untermalt die Tatsache, dass man nicht beim Fahren texten sollte, sogar mit Zahlen.
Fazit
Die Serie Dr. Ken spricht mit der Pilotepisode ein Sitcompublikum an, das sich an oberflächlichen Charakteren, zahllosen Klischees und wie willkürlich eingespielten Lachern nicht stört. Wer damit gut leben kann, der sollte reinschauen. Alle anderen leiden ja an Familiencomedys trotzdem im Moment keinen Mangel, unter anderem dank The Goldbergs, Black-ish und Fresh Off the Boat.
Promo zur US-Serie „Dr. Ken“: