Doppelhaushälfte: Review der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

Doppelhaushälfte: Review der Pilotepisode der ZDFneo-Serie

In der neuen ZDFneo-Serie Doppelhaushälfte treffen zwei ungleiche Familien als Neunachbarn aufeinander. Hier wird das Vorstadtdrama ad absurdum geführt, es geht um Grillwürstchen, Rassismus und jede Menge Missverständnisse. Nachbarschaft at its best and worst.

Poster zur Serie Doppelhaushälfte (c) ZDF/Max Hannes Beutler / Thomas Carls
Poster zur Serie Doppelhaushälfte (c) ZDF/Max Hannes Beutler / Thomas Carls
© oster zur Serie Doppelhaushälfte (c) ZDF/Max Hannes Beutler / Thomas Carls

Die Macher der neuen ZDFneo-Comedy Doppelhaushälfte wagen sich ein Thema, das irgendwie jeden betrifft: ungleiche Nachbarn und die Unmöglichkeit, ihnen zu entkommen. Wir begleiten zwei ungleiche Familien, die im Umland von Berlin aufeinanderprallen. Ein gutes Rezept für Humor, aber auch ein Minenfeld für schlechte Gags. Wo landet die Serie in diesem Spannungsfeld?

Wovon handelt die Serie Doppelhaushälfte?

Die iranischstämmige Mari (Maryam Zaree) hat eine kleine Perle gefunden: eine günstige Doppelhaushälfte kurz vor Berlin, mitten im Grünen, aber dennoch nah an ihrer Arbeitsstelle als Diversitätsbeauftragte eines internationalen Automobilkonzerns, der sich in Brandenburg niedergelassen hat. Auf dem Besichtigungstermin hat sie ihren Mann Theo (Benito Bause) und ihre Tochter Zoe (Helena Yousefi) im Gepäck. Theo ist Musiklehrer, aufgewachsen in Frankfurt, Vater aus Ruanda, Mutter Deutsche. Zoe ist nicht seine leibliche Tochter, aber er hat sie als Hausmann aufgezogen wie die seine.

Nun stehen die drei in Brandenburg vor dem, was nun ihr Traumhaus werden soll und müssen sich als Erstes gegen die fast schon übermenschlich blonden Mitbewerber durchsetzen. Doch die wollen mit anerzogener Arroganz eh ganz schnell nichts mehr mit dem Haus zu tun haben. Der wahre Gegner, mit dem sie sich anfreunden müssen, ist der Makler, der eigentlich einfach nur Nachbar Andi (Milan Peschel) ist. Mit seiner Frau Tracy (Minh-Khai Phan-Thi), deren Eltern in den 80ern aus Vietnam in die DDR gekommen sind, und dem gemeinsamen Sohn Rocco (Minh Hoang Ha) bewohnt er die andere Hälfte des besagten Hauses. Er würde sich nie selbst als intolerant bezeichnen, aber die Mentalität des „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“ liegt ihm im Blut. Seine Frau ist ein Kind der Berliner Platte und als solche hat sie eine Berliner Schnauze und einen rauen Umgangston. Sohn Rocco hingegen tut sich schwer, mit sozialen Situationen zurechtzukommen und wird darum schnell vorverurteilt.

In der Pilotepisode begleiten wir die Familien bei der desaströsen Hausbesichtigung, die schließlich dazu führt, dass diese sechs unter einem Dach landen. In den folgenden Episoden schweben alle zwischen Wut und Annäherung. So ruft Mari die Polizei, weil sie glaubt, dass Andi Rocco misshandelt. Doch immer wieder finden Annäherungen statt, halb erzwungene, manchmal aus Überzeugung, manchmal auf Druck.

Wie kommt es rüber?

Die Comedy „Doppelhaushälfte“ gibt erst gar nicht vor, etwas zu sein, was sie nicht ist. Es handelt sich letztlich um eine Comedy über eine deutsche Nachbarschaft, etwas überzeichnet und mit Slapstickeinlagen und mit einigen Zoten, aber ebenso mit viel Herz und Hirn dabei. Denn hinter den simplen Komödienformeln liefern die Macher ein durchdachtes Drehbuch mit Lokalkolorit und vergleichsweise starken Charakterzeichnungen. Sie dringen durch die Klischees, die sich zuhauf in dem Gebiet ihrer Story angesiedelt haben, und drehen daraus einen charmanten, nicht zu anspruchsvollen, aber auch nicht zu seichten Humor. Der unterhält gut.

In einer Hinsicht zeigt die Serie öffentlich-rechtliches Fernsehen in seiner stärksten Facette. Sie nutzen die Tatsache, dass es sich um eine deutsche Produktion handelt, zu ihrem Vorteil. Statt bei US-Vorbildern abzuschreiben, entwickeln die Autoren ihre Storys und ihre Figuren dort, wo sie herkommen: am deutschen Jägerzaun. Der Wiedererkennungseffekt ist auf beste Weise gegeben, denn richtig durch den Kakao gezogen wird hier niemand. Sicher wird der geneigte Zuschauer mit einer Vorliebe für die coole Familie aus Neukölln starten, doch auch die Schwächen von Mari und Theo werden blitzschnell an die Luft befördert. Unterdessen bleiben Andi und Tracy nicht im Wutbürger-Klischee stecken, sondern dürfen echte Gefühle sowie eine individuelle Geschichte haben. Die Einstellungen, die sie haben, werden als, wenn auch nicht nachvollziehbare, so doch im Kontext passende Konsequenzen ihrer Vergangenheit und ihrer Charaktere präsentiert. Und auch hier ist dank eines guten Drehbuchs und der starken Darsteller jede Menge Sympathiepotential vorhanden.

Alle Episoden der Serie „Doppelhaushälfte“ sind bereits in der Mediathek des ZDF zu streamen.

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