Dopesick: First Bottle - Review der Pilotepisode

Dopesick: First Bottle - Review der Pilotepisode

Amerika ist nicht nur das Land der Freien und Tapferen, sondern auch der Kranken und Süchtigen. Dopesick erzählt von dieser Opioidkrise. Kann der starke Cast rund um Michael Keaton das schwere Thema der Hulu-Serie tragen?

Michael Keaton in der Serie Dopesick (c) Hulu
Michael Keaton in der Serie Dopesick (c) Hulu
© ichael Keaton in der Serie Dopesick (c) Hulu

Die neue Hulu-Miniserie Dopesick erzählt eine leider wahre Geschichte, bei der man unwillkürlich denkt: „Only in America.“ Es geht um die sogenannte Opioidkrise, der schätzungsweise 500.000 Amerikaner:innen zum Opfer fielen. Ausgelöst und aufrechterhalten wird sie durch profitorientierte Pharmakonzerne, die erkannt haben, dass sich Schmerzmittel, die süchtig machen, viel leichter verkaufen lassen. Und obwohl man denkt, dass so brutale Auswüchse des Kapitalismus bloß in den Vereinigten Staaten möglich wären, sind mittlerweile auch hierzulande Hunderttausende schmerzmittelsüchtig geworden.

Der Sechsteiler Dopesick konzentriert sich auf den vielleicht schändlichsten Fall, bei dem die Firma Purdue und deren vermeintliches Wundermedikament OxyContin im Mittelpunkt stehen. Das verantwortungslose Verhalten, das dort deutlich wurde, begründet auch den Generalverdacht, dem sich nun die gesamte Branche inzwischen ausgesetzt sieht.

Das Drehbuch vom Emmypreisträger Danny Strong (Billions, Gilmore Girls) basiert dabei auf dem 2018 veröffentlichten Bestseller „Dopesick: Wie Ärzte und die Pharmaindustrie uns süchtig machen“ der Journalistin Beth Macy. Die Inszenierung der einstündigen Pilotepisode First Bottle übernahm der oscarprämierte „Rain Man“-Regisseur Barry Levinson.

Aber auch vor der Kamera hat Dopesick ein paar große Namen zu bieten, allen voran natürlich Michael Keaton („Batman“, „Beetlejuice“, „Birdman“). Ebenfalls im Ensemble: Kaitlyn Dever (Unbelievable), Peter Sarsgaard (The Killing), Will Poulter, Rosario Dawson (Briarpatch), John Hoogenakker (Tom Clancy's Jack Ryan) und Michael Stuhlbarg (Fargo).

Hierzulande erscheint die Miniserie Dopesick übrigens erst am 12. November im neuen Star-Segment bei Disney+.

Worum geht's?

Unser tragischer Held der Geschichte ist der Hausarzt Dr. Samuel Finnix (Keaton), der Mitte der Neunziger in einer kleinen Kohlestadt in Virginia praktiziert. Die junge Minenarbeiterin Betsy (Dever) kommt wie viele andere mit großen Schmerzen zu ihm, die schwer zu behandeln sind. Eines Tages tritt der smarte Purdue-Vertreter Billy (Poulter) auf den Plan, der Dr. Finnix das neue Wundermittel OxyContin anpreist. Die Besonderheit: Angeblich soll das Medikament überhaupt nicht süchtig machen. Das bestätigen auch die staatlichen Behörden, die sich voll auf die Angaben des Unternehmens verlassen.

Kaitlyn Dever in Dopesick
Kaitlyn Dever in Dopesick - © Hulu

In den frühen 2000ern sehen wir schließlich, wie die Drogenvollzugsbehörde DEA gegen OxyContin und Purdue vorgeht. Deren Leiter Rick Mountcastle (Sarsgaard) ist dem großangelegten Wirtschaftsbetrug durch Zufall auf die Schliche gekommen und will den gewissenlosen Firmenchef Richard Sackler (Stuhlbarg) zur Verantwortung ziehen. Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, wie sehr das gesamte Gesundheitssystems der USA versagt hat. Doch leider ist es für viele Opfer schon zu spät, denn sie sind längst süchtig. Und Ärzte wie Dr. Finnix müssen damit leben, dass sie daran eine Mitschuld tragen...

Wie ist es?

Zunächst zum Offensichtlichen: Bei allem, was bei Dopesick planbar war, hat Hulu weder Kosten noch Mühen gescheut. Natürlich liefert der beeindruckende Cast rund um Keaton und Dever starke Darbietungen ab, die die Serie per se schon sehenswert machen. Auch die Regie von Levinson Senior wirkt insgesamt sehr stimmig, wenn auch auffällig nüchtern, was wahrscheinlich dem sensiblen Thema geschuldet ist. Um es kurz zu machen: Die Umsetzung ist ziemlich kompetent, wobei das heutzutage ja das Minimum sein muss. Schwieriger wird es dafür leider bei der Grundidee.

Klar kann man verstehen, wieso der Autor Strong und wieso Hulu die unglaubliche Geschichte von Purdue erzählen wollten. Die Opioidkrise gehört zu den gefährlichsten Skandalen Amerikas und hält auch weiter an. Wahrscheinlich hat jeder in den USA mindestens ein Opfer von Schmerzmittelsucht im eigenen Verwandten- und Bekanntenkreis. Trotzdem wirkt das Thema relativ unzugänglich. Was vielleicht daran liegt, dass die Übeltäter sich stets auf das kalte Wirtschaftsargument zurückziehen können, welches dummerweise in der westlichen Welt zu vielen einleuchtet.

Dabei bemüht sich Stuhlbarg in seiner Schurkenrolle durchaus theatralisch böse aufzutreten (mit Monologen wie einem Shakespeare-Stück). Das passt wiederum wenig zum sonst so dokumentarischen Stil der Serie, der aber vorgeschrieben ist, weil das Gezeigte reale Betroffene und Angehörige triggern könnte. Anders als ein Adam McKay, der in „The Big Short“ die trockene Finanzkrise mit Humor und experimentellen Exkursen auflockern und unterhaltsam machen konnte, sind Levinson die Hände gebunden. Ein sehr undankbares Thema für eine Fernsehserie, so wichtig es auch sein mag.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie Dopesick auf dem Streamingdienst Hulu:

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Dopesick: Wie Ärzte und die Pharmaindustrie uns süchtig machen

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