Doom Patrol 1x15

© zenefoto aus dem „Doom Patrol“-Staffelfinale „Ezekiel Patrol“ (c) Warner Bros/DC Universe
Doom Patrol
Nachdem mich der Pilot noch nicht so richtig gepackt hatte - zu viele „Origin-Storys“, Zeitsprung auf Zeitsprung, Rückblick auf Rückblick und letzten Endes ein eher merkwürdiges Auftaktpaket - bin ich doch sehr froh, hier am Ball geblieben zu sein. Doom Patrol ist keine gewöhnliche Superheldengeschichte, entzieht sich bis zuletzt den üblichen „Regeln" des Genres (über Helden und Antihelden) und weiß letzten Endes genau dadurch zu überzeugen.
Keine/-r unserer „Held/-innen" ist glücklich über das Erlangen der jeweiligen, sehr speziellen Fähigkeiten. Im Gegenteil, im Grunde genommen sehnt sich hier jede Figur nach dem Leben vor der Veränderung, ohne Superkräfte oder Ähnliches, auch wenn alle irgendwie wissen, dass das Leben davor von eigenen Konflikten geprägt war, die ähnlich unüberwindlich schienen wie der neue Werdegang unter der Leitung von Niles Caulder (Timothy Dalton). Letzteres führte Mr. Nobody (Alan Tudyk) - der Bösewicht dieser Staffel - erst kürzlich in Penultimate Patrol an, indem er (fast) jeder/-m unserer Protagonist/-innen die Chance gab, das entsprechende Ereignis zu verhindern, welches zur (neuen) Doom Patrol führte.
Wobei gerade das persönliche Drama jeder Figur zu überzeugen weiß. Im Staffelverlauf erhalten wir jede Menge Einblicke in die Leben von Cliff Steele (Brendan Fraser), Larry Trainor (Matt Bomer), Rita Farr (April Bowlby), Jane (Diane Guerrero) und Victor Stone (Joivan Wade). Selbst die Leben von Niles Caulder und Eric Morden bleiben uns nicht vorenthalten. Im Staffelfinale wird da sogar noch aus dem Vollen geschöpft, was keineswegs selbstverständlich ist. Denn „normalerweise" steht hier der große Showdown an (der natürlich auch vorkommt) und in jeder anderen Serie wären sich da alle Held/-innen längst bewusst, wer sie sind und wofür sie stehen. Nicht so hier, wo letztlich eher widerwillig eingegriffen wird, um Niles' Tochter Dorothy Spinner vor Mr. Nobody, Admiral Whiskers (eine Ratte) und Ezekiel, die Kakerlake (gesprochen von Curtis Armstrong), zu retten.

„Moment“, werden jetzt einige sagen, „eine Ratte und eine Kakerlake als Gegner?“ Ja, richtig gelesen. Klingt absurd und ist es auch, aber derlei Dinge ziehen sich ebenfalls durch die gesamte erste Staffel. Ein Esel als Dimensionsportal, eine lebende, teleportationsfähige Straße namens Danny, der „Beard Hunter" Ernest Franklin (Tommy Snider) oder auch „Animal-Vegetable-Mineral Man" (Alec Mapa) sind da nur wenige Beispiele aus dem Absurditätenkabinett, welches die Reihe zu bieten hat. Dass der Humor dabei oft in eine sehr spezielle Richtung geht, liegt auf der Hand und ist womöglich nicht die Sache jeder/-s Zuschauerin/-s. Aber gerade diese bizarren Figuren (zu denen meist auch unsere Protagonist/-innen zählen), gepaart mit absonderlichen Ereignissen und einer Erzählstruktur, die nicht selten verwirrend bis verrückt erscheint, machen für mich einen großen Teil des Vergnügens aus.
Ezekiel Patrol - Teil eins
Das Staffelfinale Ezekiel Patrol beginnt mit der Niederlage von Niles Caulder, der für die Unfälle und Schicksale seiner Schützlinge verantwortlich ist und den Wunsch nach Unsterblichkeit als Begründung für seine Experimente heranzieht. Mr. Nobody hat somit bereits gewonnen und darf uns schon zu Beginn sein böses Gewinnerlachen um die Ohren hauen. Er hat unsere kleine Superheldenfamilie zerstört, entlässt sie aus dem „White Space" und überlässt sie einer ungewissen Zukunft.
Während wir erleben, wie unsere Protagonist/-innen ihr weiteres Leben zu bewerkstelligen versuchen, sehen wir in verschiedenen Rückblicken, wie Caulder seiner Arbeit nachgegangen ist und schließlich im Jahre 1988 den Robotman Cliff Steele als sein letztes Experiment deklariert. Dem Chief scheint nach Jahren der Rücksichtslosigkeit doch noch ein Gewissen gewachsen zu sein. Aber reicht das, um seine Taten irgendwie zu rechtfertigen?
Nein. Jahre später bekommt er da im Dialog mit Silas Stone (Phil Morris), dessen Sohn Victor soeben gerettet und dann zu Cyborg wurde, gehörig die Leviten gelesen. Eine großartige Szene, in der Silas seinem Gegenüber jegliches Recht auf Mitgefühl und Ratschläge abspricht. Ein dramatischer Höhepunkt, der die erste Hälfte des Finales abschließt und den Tiefpunkt veranschaulicht, den Niles in der Gegenwart aufs Neue erreicht hat. Unseren Held/-innen geht es derweil kaum besser, was vor allem bei Jane und Rita zu sehen ist. Die Bedeutungslosigkeit dominiert die Zeit nach der Offenbarung im „White Space", was sehr schmerzlich mit anzusehen ist.
Ezekiel Patrol - Teil zwei

Bedeutungslos erscheint schließlich auch Eric Mordens eigener Sieg über Caulder zu sein. Aber hat er Niles wirklich jede Person genommen, die ihm etwas bedeutet hat? Da war doch noch eine Frau, deren Aufenthaltsort Mr. Nobody nicht aus Caulder herausbekam... Zusammen mit Ezekiel und Admiral Whiskers macht sich Morden auf, um dem Chief auch noch die letzte Person zu nehmen, die er schützen will.
Die Klänge von Chumbawamba führen unsere Figuren kurz darauf zurück zu Niles, der ein letztes Geheimnis zu offenbaren hat. Seine Tochter ist es, für die er seine Experimente unternommen hat und unsterblich werden wollte. Denn Dorothy ist ebenfalls mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet und muss geschützt werden - auch, damit sie anderen keinen Schaden zufügt. Ein bisschen widerwillig (denn Caulders Taten lassen sich mit der Erklärung maximal nachvollziehen, aber sicher nicht rechtfertigen) erklärt sich unsere Truppe bereit, Danny und Dorothy aus dem Bild zu retten, in welches Mr. Nobody sie verfrachtet hat. Der Auftakt zum wohl ungewöhnlichsten Showdown der Seriengeschichte.
Und Doom Patrol liefert hier gekonnt ab. Da bleibt kein Auge trocken, wenn Mr. Nobody von seinen beiden Verbündeten hintergangen wurde, welche von Dorothy auf Kaiju-Größe gebracht wurden und er völlig deprimiert in der Bar sitzt. Eine Riesenkakerlake mit Gottkomplex und eine Riesenratte, die den Tod ihrer Mutter rächen will, stapfen auf einer lebenden Straße herum - geht es noch verrückter? Klar, ich sage nur: „I wanna spread you like the plague, Daddy.“
Das Faszinierende ist aber, dass die Rechnung tatsächlich aufgeht. Der ganze absurde und gleichzeitig wundervolle Blödsinn erfüllt seinen Zweck und kann die erste, große Geschichte unseres Teams zu einem sehr guten Abschluss bringen. Da darf jetzt gerne die Bestellung einer zweiten Staffel folgen, wenngleich das Ende rund genug ist, um auch als Serienende zu funktionieren.
Fazit

Unsere ungewöhnliche Superheldengruppe besteht ihre erste Staffel mit Bravour. Der Cast und die Autoren liefern uns in der ersten Hälfte von Ezekiel Patrol gewohnt gute, dramatische Kost, die sich mit den Figuren beschäftigt, um in der zweiten Hälfte direkt mit dem Showdown durchzustarten. Sobald „Tubthumping (I Get Knocked Down)" startet, sollte man sich als Zuschauer anschnallen und den Sicherheitsgurt erst wieder ablegen, wenn die Klänge von Cypress Hill mit „When the Ship Goes Down" im Abspann erklingen. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen für das Staffelfinale. Und von Euch?
Verfasser: Christian Schäfer am Montag, 27. Mai 2019(Doom Patrol 1x15)
Schauspieler in der Episode Doom Patrol 1x15
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