Doom Patrol 1x01

© oster zur Serie „Doom Patrol“ (c) Warner Bros./DC Universe
Schaut man sich die bisherigen Superheldenserien von Marvel und DC an, dann waren wohl keine Figuren bisher so obskur und kaputt wie das Häufchen, das sich Doom Patrol nennt und seit kurzem bei DC Universe läuft. Der erste Auftritt der DC-Figuren fand bereits im Jahr 1963 statt. Neues Leben wurde ihnen dann spätestens durch den britischen Autoren Grant Morrison und Zeichner Richard Case eingehaucht. Insgesamt blieb die Gruppierung aber immer so etwas wie ein Kultfavorit. Interessanterweise hat auch Gerard Way, der Autor und Koschöpfer von The Umbrella Academy, vor kurzer Zeit einen Run mit der „Doom Patrol“ geschaffen. Beide Serien über unkonventionelle Superhelden sind in den USA am gleichen Tag gestartet.
DC Universe sieht das Potential der Außenseiter und hat ihnen eine eigene Serie auf den Leib geschrieben, die sich stellenweise sehr an Morrisons Run orientiert. Die Pilotepisode ist dabei etwas herkunftsgeschichtenlastig und wir erfahren mehr dazu, wie Negative Man (Matthew Bomer), Elasti-Girl (April Bowlby), Robotman (Brendan Fraser) und Crazy Jane (Diane Guerrero) in die Obhut von Dr. Niles Caulder (Timothy Dalton) aka The Chief geraten sind.
More TV superheroes, just what the world needs...
Die Erzählung übernimmt im Auftakt Mr. Nobody (Alan Tudyk), der Schurke des Stücks, mit einer herrlichen Portion Selbstironie für das Genre. Das Figurendesign hält sich dabei recht eng an die Comicvorlage und sprengt so manche bekannte übliche Comickonvention, wobei man den abgedrehten Ton aber recht gut einfängt. Wie schon die erste DC-Universe-Serie Titans demonstriert die Debütepisode von Doom Patrol, dass der Streamingdienst inhaltlich wenige Grenzen setzt. Sprachlich und inhaltlich kann man hier also nach Belieben aus dem Vollen schöpfen. Ich kann mich beispielsweise an bisher keine andere DC-Serie erinnern, in der so explizite Sexszenen oder eine nackte Brust zu sehen gewesen wäre (im Filmbereich ist das höchstens bei „Watchmen“ oder anderen Vertigo-Adaptionen so). Weil sich aber die moderne respektive klassische Inkarnation der Vorlage an eine erwachsene Zuschauerschaft richtet, finde ich das auch passend. Ein Hauptproblem der „Titans"-Umsetzung ist für mich gewesen, dass man All-Ages-Helden zu zwanghaft in eine Grim-und-Gritty-Richtung gedrückt hat, so dass der Kern der Figuren meilenweit verfehlt wurde und durch eine Umbenennung hätte vermieden werden können, wobei das im Laufe der ersten Staffel deutlich besser wurde. Die „Doom Patrol“ ist von Anfang an, aber die bessere Wahl für eine düstere, wenn auch stets schwarzhumorige Adaption.
Cliff Steele aka Robotman

Die Pilotfolge nimmt sich ausführlich Zeit für ihre Figuren, die allesamt tragische Hintergrundgeschichten haben. Cliff Steele aka Robotman ist ein Rennfahrer, der seine Frau mit dem Kindermädchen betrügt und bei einem Autounfall seinen Körper verliert - bis auf das Gehirn, das der Chief retten kann. Dabei spielt man damit, dass der Autounfall sich womöglich auf der Rennstrecke ereignet, in Wirklichkeit spielt die Erinnerung ihm einen Streich und der Unfall findet nach einem Sieg statt, ist aber nicht weniger tragisch, weil er der einzige Überlebende zu sein scheint...
So glaubt die Welt, dass er beim Rennunfall verstorben ist, während er in Wirklichkeit über Dekaden in einen Roboterkörper eingespeist wurde, mühevoll lernen muss, ins „Leben" zurückzukehren und dabei auch einfache Dinge wie das Laufen neu erlernen muss.
Lawrence Trainor aka Negative Man

Lawrence Trainor ist ein Air-Force-Pilot und ein ziemlicher Draufgänger, der bei einem Flug brutal crasht und wie durch ein Wunder überlebt, weil er von einem mysteriösen Wesen besessen wird. Später erfahren wir mehr über seine geheime Liebschaft. Er selbst traut sich jahrelang außerdem nicht, den Doom Manor zu verlassen.
Rita Farr aka Elasti-Girl

Rita Farr aka Elasti-Girl war eine angesagte Schauspielerin in den 1950ern, die nach einem tragischen Unfall am Set eines Films aus dem Filmgeschäft verschwinden muss, denn besagter Vorfall lässt sie mutieren und ihre Körperglieder unkontrolliert anschwellen. Verliert sie die Kontrolle über ihr Antlitz oder auch ihr Selbstvertrauen, kann sie zu einem gewaltigen Blob werden. Sie ist aber nicht abgeneigt, Komplimente über ihr Schaffen zu hören, leidet andererseits aber auch unter einem geringen Selbstwertgefühl.
Crazy Jane
Crazy Jane hat 64 verschiedene Persönlichkeiten mit jeweils eigenen Superkräften, so dass man Schwierigkeiten damit hat zu wissen, wem man gerade gegenübersteht - und sie lässt sich wenig vorschreiben. Bald freundet sie sich mit Robotman an. Sie ist schon seit den 70ern bei Caulder in der Obhut. Sie ist es aber auch, die die anderen dazu überredet, die Stadt unsicher zu machen, als ihr nobler Gönner auf einen nicht näher benannten Ausflug geht. Das hat allerdings Folgen für sie selbst und für die Stadt.
We are all doomed
Die „Doom Patrol" wirkt zunächst eher so wie eine Superheldenselbsthilfegruppe denn wie ein richtiges Team. Das Auftauchen von Mr. Nobody scheint sie aber dazu zu zwingen, ihre Neurosen beiseitezulassen und ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten einzusetzen oder die Welt dem Untergang zu weihen. Das muss sich noch zeigen.
Die erste Folge hat stellenweise einen leicht trashigen und pulpigen Charme, aber die Macher rund um Jeremy Carver (Supernatural) wissen ganz genau, was sie hier abliefern, wenn Elasti-Girl etwa wie ein Monster aus einem B-Movie aussieht und durch die Stadt ploppt. Jedes Teammitglied musste sich teilweise jahrzehntelang verstecken und hat nun genug davon, doch man sieht auch, dass der erste Ausflug in die Realität schlimme Folgen haben kann. Es ist zwar noch offen, warum genau der Chief sich so für die Außenseiter einsetzt und so viel seiner Lebenszeit aufbringt, aber das kann ja noch kommen. Offen bleibt derweil noch die Rolle von Cyborg (Joivan Wade), der im Vorfeld als Auftraggeber für ihre Missionen genannt wurde.
Leicht verwirrend finde ich den großen Zeitrahmen von 70 Jahren, der in der Folge abgedeckt wird. Los geht es schon im Jahr 1948 mit Mr. Nobody, der sich durch ein Naziexperiment verändern lässt, aber auch Trainor ist seit den 60ern dabei, Jane seit den 70ern, Robotman ist seit den 80ern in der Obhut vom Chief und auch der der Anführer und Elasti-Girl scheinen anders zu altern als normale Menschen. Kann man sich das bei Elasti-Girl und Robotman noch erklären, fällt es vor allem bei Jane schwer nachzuvollziehen, was hier los ist. Schon die „X-Men“-Filme nehmen es seit „X-Men: Erste Entscheidung“ nicht ganz so eng mit dem Alter der Figuren, aber die „Doom Patrol“ setzt dem wohl die Krone auf. Wenn man einfach hinnimmt, dass irgendwas den normalen Alterungsprozess stoppt, kann man wohl darüber hinwegsehen.
People are strange

Der Auftakt ist jedenfalls überaus kurzweilig und bringt auch Ausblicke auf einige potentielle Handlungsbögen, etwa die Tochter von Robotman, in Stellung. Gleichzeitig gilt es abzuwarten, ob man genug Material in den kommenden Folgen hat, die weniger auf Origins setzen können, um den Unterhaltungsfaktor hochzuhalten. Bis auf den Chief, der noch etwas mysteriös bleibt, lernt man den Rest der Gruppe schon ganz gut kennen und man kann sich entsprechend entscheiden, ob einem der Ton und die Richtung der Serie gefällt.
Etwas merkwürdig ist so manche Darstellerwahl, denn einen Mann wie Matt Bomer fast vollständig hinter Mullbinden zu verstecken, ist schon fast eine Frechheit. Ähnliches gilt für Fraser, der höchstens in Flashbacks als er selbst zu sehen ist und sonst der Figur nur seine Stimme leiht. Vielleicht gehört das aber auch zum Charme oder dem besonderen Reiz hinter diesem merkwürdigen Team. Und nicht falsch verstehen: Beide Darsteller sind ein Gewinn für den Cast, der sich ohnehin sehen lassen kann.
Obwohl die Vorlage seit ihrem Debüt schon viele Jahre auf dem Buckel hat und damit anderen Umsetzungen eigentlich voraus ist, erinnert die Dynamik und das Setting doch stellenweise an eine noch abgedrehtere Version der „X-Men“ (mit Spuren von „X-Statix“ und Legion) und der Fakt, dass wir es hier mit zusammengewürfelten Außenseitern zu tun haben sowie einige Songs, bringen einen auf die „Guardians of the Galaxy“ ohne Altersbegrenzung. Gleichzeitig bietet die Serie aber auch etwas, das wir in dieser Ausprägung mit Sicherheit noch nicht gesehen haben.
Die meisten DC- oder Marvel-Adaptionen - selbst die düsteren von Netflix - mussten sich an gewisse Grenzen halten, vor allem inhaltlich. Bei DC Universe scheint das nicht zu gelten und eine Vorlage wie dieser Comic eignet sich hervorragend, um einmal richtig steil zu gehen. Mit gefällt der Vorgeschmack bisher ganz gut und ich bleibe vorerst dran, um zu sehen, ob die „Doom Patrol“ eine Hoffnung für die Menschheit oder ihr Untergang ist.
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 18. Februar 2019Doom Patrol 1x01 Trailer
(Doom Patrol 1x01)
Schauspieler in der Episode Doom Patrol 1x01
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