
Donny hat seine eigene Talkshow, in der er anprangert, wie eine unbedachte Nachricht mit freizügigem Inhalt ein Leben zerstören kann. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, seiner eigenen Affäre ein freizügiges Bild von sich zu schicken - und aus Versehen auch der Lehrerin seiner Tochter. Im Drehbuch zur neuen USA Network-Serie lässt sich wenig Innovatives finden. Doch deswegen muss es ja nicht direkt langweilig sein.
Worum es geht
Donny Deutsch ist die Hauptfigur der Sitcom Donny!, in der er eine fiktionalisierte Version seiner selbst mit dem eigenen Namen spielt und auch sonst allerhans Paralellen zur Realität. Doch beginnen wir mit dem, was die Serie uns bietet.
Die Pilotepisode trägt den Titel A Sext Ruined My Life. Unter selbem Motto läuft in der Episode seine Talkshow, hier scheint sich ein Muster anzukündigen.
Wir lernen Donny kennen, wie er mit einer weinenden Blondine auf der stilvoll dekotierten Bühne hockt und sie vor Livepublikum und Kameras zu einem schlüpfrigen Bild ausfragt, das sie an ihren damaligen Freund verschickt hat. Nach der Trennung hat das unselige Foto seinen Weg als Meme durchs Internet gemacht. Während der Moderator unter dem Deckmantel des Verständnisses versucht, möglichst intime Details aus der Weinenden hervorzulocken, wiederholt seine Produzentin hinter den Kulissen ihr Mantra „My job does not define me.“ nachdem sie das peinliche Bild zum Schrecken des Gastes auf die Großleinwand projizieren ließ. Der Ton der Serie ist also bereits nach wenigen Minuten gesetzt: In der Medienwelt muss man über Leichen gehen und Moral ist lediglich hinderliches Beiwerk, das man zwar gekonnt vortäuschen muss, aber auf keinen Fall wirklich haben darf.
Donny holt mit der Limousine und dem Fahrer seine Kinder von der Schule und stellt uns anschließend sein fünfstöckiges Luxusapartment vor, in dem seine junge, russische Freundin und seine drei Assistentinnen bereits auf ihn warten. Letztere sind es, die der Serie die richtige Note verleihen. Sie kommentieren Donnys oft dumme Entscheidungen und seine Rollenspiele mit Galina mit einer passenden Mischung aus Zynismus und Komik.
Dabei preräsentieren die drei unterschiedliche Typen. Wir haben Jackie (Hailey Giles), zuständig für FInanzen und Fernsehauftritte, die immer wieder versucht an seine Intelligenz zu appelieren, das Richtige zu tun. Auch wenn sie ebenfalls in vielen Dingen Donny betreffend die Hoffnung aufgegeben hat, versucht sie einen guten Job zu machen. Dann haben wir Zoe (Meera Rohit Kumbhani, Weird Loners), die ihrem Zynismus zu unserer Unterhaltung ohne Rücksicht auf ihren Boss freien Lauf lässt. Neu im Bunde ist Violet (Jessica Renee Russell), die sich zwar selbst wundert, wieso der Mann drei Assistentinnen braucht, sich aber generell einfach freut, für ihren Star da zu sein und sich als typisches Fangirl zeigt.
Im Studio führt seine Produzentin Pam (Emily Tarver) die Aufgabe der Babysitterin weiter, auch sie irgendwo zwischen Verbitterung und Begeisterung für Donnys Medientalent angesiedelt.
In der Episode A Sext Ruined My Life wird das freizügige Bild, das Donny aus Versehen an die Lehrerin seiner Tochter geschickt hat zum Problem, dass Pam in den Wahnsinn treibt. Doch als Donny in einer Talkshow darauf angesprochen wird, sammelt er sich kurz und stampft ohne mit der Wimper zu zucken im Livefernsehen eine Charityaktion zugunsten von Krebsvorsorge aus dem Boden.
Wie kommt es rüber?
Beworben wird die Serie Donny! als satirischer Blick auf die Medienwelt und das ist es auch. In einem wenig intellektuellen und vor allem unterhaltenden Sinne. Die ironischen Zusammenhänge der Branche werden aufgegriffen, aber dabei wird darauf geachtet, alles in mundgerechte Häppchhen zu verpacken. Und bisher nur wenig Neues oder Interessantes serviert.
Donny macht eine Sendung über die Gefahren von Sexting und schickt anschließend selbst ein Selfie aus dem heimischen Badezimmer ins Internet. Dass Talkshowmoderatoren selten das tun, was sie vor der Kamera von anderen fordern, ist ja nicht so wirklich neu. Die Doppelmoral des Fernsehens darf sich in der Sitcom in einfachen Beispielen zeigen.
Doch ganz ohne Wirkung ist es trotz simplen Mitteln nicht. Wenn man Pam dabei zusieht, wie sich ihr Gesicht aufhellt als sie erkennt, dass Donny die Situation mit einer dreisten Lüge rettet, kann man schon etwas daran verzweifeln, was uns im Fernsehen so vorgesetzt wird. Der beste Manipulateur gewinnt und der Preis sind Ruhm, Geld, Macht und Fanscharen vor der Flimmerkiste.
Die Serienmacher scheuen sich auch nicht, möglichst viele Paralellen zum wahren Leben zu ziehen. So hat Donny Deutsch in der Tart eine Talkshow gehabt, in den Jahren 2006 bis 2008. Und er hat sich zu dieser Zeit in der Tat ein fünfgeschossiges Haus in New York City gekauft und luxuriös ausgebaut. Die Grenzen zwischen Realität und Fiktion sollen verschwinden, auch hier wieder mit Hilfe von simplen Mitteln. Doch genau die passen sehr gut zu der Szene, in der die Serie sich bewegt.
Die Manipulationen, die Lügen, die Doppelmoral der Nachmittagstalkshows sind in der Tat nicht besonders schwierig zu durchschauen. Die Tricks der Mitspieler sind nicht eben hochintellektuell, es kommt alles auf die richtige Präsentation an. Donny rettet sich vor seinem eigenen Sext-Gate mit einer Lüge, die so offensichtlich ist, dass es schon weh tut. Aber sie geht nach den Regeln der Medienwelt durch und hat Erfolg. Es ist eine Welt des Scheins, die nicht viel mit der Realität zu tun hat.
Und die Präsentation ist es auch, mit der die neue Sitcom selbst passenderweise glänzt. Das Trio der Assistentinnen ist dank starker Besetzung so unterhaltsam, dass man sie am liebsten überall mit hinnehmen würde. Produzentin Pam ist eine perfekte Ergänzung dazu. Die Szenen, in denen sexy Rollenspiele zwischen Putin und einer Eiskunstläuferin oder ähnliches im Vordergrund steht, sind für den Moment ebenfalls unterhaltsam, aber schon beim zweiten Mal etwas ermüdend.
Fazit
Der satirische Blick in die Medienwelt wird in der Sitcom Donny! zur seichten Komödie mit starken Darstellern und einer Menge einfachen Gags, die trotzdem einen wahren Hintergrund haben. Es ist die Persiflage einer Welt, die selbst an ihrer Oberfläche mit simplen Mitteln funktioniert. Einen Blick weiter in die Tiefe wirft die Sitcom nicht und scheint auch nicht den Anspruch zu haben. Für eine unterhaltsame halbe Stunde ist das Resultat also durchaus passend.