Dom: Review der Pilotepisode der Amazon-Prime-Serie

Dom: Review der Pilotepisode der Amazon-Prime-Serie

Die brasilianische Amazon-Prime-Produktion Dom erzählt von einem Vater-und-Sohn-Gespann, das in den Wirren der Metropole Rio de Janeiro auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes landet. Hier unser Review zur ersten Episode der Serie.

Poster zur Serie Dom (c) Amazon
Poster zur Serie Dom (c) Amazon
© oster zur Serie Dom (c) Amazon

Mit der Dramaserie Dom schickt Amazon Prime Video eine brasilianische Eigenproduktion auf die Mattscheibe, die von wahren Begebenheiten inspiriert sein soll. Wir begleiten darin einen Expolizisten und seinen Teenagersohn Pedro (Gabriel Leone) in den 2000er Jahren durch Rio de Janeiro. Letzterer verbringt seine Tage und Nächte am liebsten zugedröhnt auf den Partys der Favelas. Sein Vater Victor (Flávio Tolezani) greift zu verzweifelten Maßnahmen, um das zu verhindern. Parallel dazu begleiten wir auch den Vater durch seine jungen Jahre in den 1970ern und auf seinem Weg vom ziellosen Taucher an der Copa Cabana zum Polizisten.

Wovon handelt die Serie Dom?

Pedro feiert auf den legendären Partys in einer Favela von Rio durch die Nächte, begeistert mit seinem Aussehen die jungen Frauen und zieht sich gerne mal mit einer in eine Seitengasse zurück. Doch das fröhlich-drogengeschwängerte Treiben findet ein abruptes Ende, als Pedros Vater auf der Feier auftaucht und erst mal einen Schuss in die Luft feuert. Lebensmüde ist er, das sieht er selbst in klaren Momenten, doch, wie er zu dem Polizisten sagt, der ihn aufhalten will: „Hast du keine Kinder?

Er will seinen schwer drogenabhängigen Sohn aus der Umarmung der Favela ziehen, ihn zurück in den Mittelstand locken, ihm die Möglichkeiten aufzeigen, die das Leben noch bereithält. Doch auch, als er den Jungen ans Bett fesselt, wird daraus nichts. Der Sog der Drogen und der Partys ist stärker.

Pedro hat mit seiner eigenen Lebensmüdigkeit zu kämpfen, er hat vor nichts Angst, nicht vor den Drogen, nicht vor der Favela, nicht vor den Gangbossen und ihren Waffen. Er will Jasmin (Raquel Villar) für sich gewinnen, eine junge Frau, die zur Entourage eines berüchtigten Gangmitglieds Mauricinho (Julliano Laham) gehört. In Rückblicken sehen wir ihn als Jungen in den 1990ern, wie er sich mit seinen Freunden durch die Stadt treiben lässt und immer wieder beweist, dass Vorsicht für ihn ein Fremdwort ist. Dort holt er sich seinen Spitznamen ab, „Pedro Dom“.

Das Leben, das sein Vater sich für ihn wünscht, interessiert ihn nicht und dank der Rückblicke erfahren wir, dass das nicht nur die Schuld des Kokains ist. Im Verlauf der Pilotepisode wird deutlich, woher er dieses Rebellengen hat.

Denn auch Victor selbst hat nicht auf seinen Vater gehört und die Chancen genutzt, die seine wohlhabende Familie ihm geboten hatte. Er hat die besten Schulen besucht, er sollte Arzt oder Diplomat werden, die Gesellschaft verbessern. Doch der junge Victor wollte lieber tauchen. Dabei findet er eines Tages eine Leiche auf dem Grund des Meeres, die er zur Polizei bringt. Seinem Freund ist schon klar, dass das keine gute Idee ist und er klinkt sich daher aus. Doch Victor glaubt an das Gute und die Gerechtigkeit. Darum findet er sich kurze Zeit später auf einem Verhörstuhl wieder, weil der Tote ein hochrangiger Ermittler war. Nur einer erkennt sein Potential, Colonel (Wilson Rabelo). Statt ihm zu misstrauen, bietet er dem jungen Taucher einen Job an und holt ihn damit auf die Seite der Polizei. Denn die braucht einen findigen Taucher, der die Drogenverstecke unter Wasser finden und die Hinweise lesen kann. Victor willigt ein - unter der Bedingung, nicht in politische Verstrickungen hineingezogen zu werden.

Unterdessen marschiert der junge Pedro in den 2000ern direkt ins Herz der Gangs und lässt keinen Zweifel daran, dass die wichtigste Technik der Gangster bei ihm nicht zieht: Einschüchterung. Er sieht dem Pistolenlauf ins Auge und verlangt, dass der Boss abdrückt. Er versucht, in einer Bar Jasmin zu küssen und lässt alle Versammelten lautstark wissen, dass sie Mauricinho ausrichten sollen, er habe keine Angst vor ihm. Mit seiner Furchtlosigkeit verschafft er sich in diesen Zusammentreffen meistens mindestens den Vorteil, dass er sein jeweiliges Gegenüber verwirrt und wird so stetig nach oben gespült. Wie die Ankündigung schon verrät, wird er mit seiner Art schnell zum Drogenboss aufsteigen und gegen seinen Vater antreten müssen, der sein Leben lang gegen das Kokain im Land kämpfte.

Wie kommt es rüber?

Was als Erstes auffällt, ist die Liebe zum Detail, die die Serienmacher in die Produktion gesteckt haben. Trotz dreier Zeitstränge, von denen keine die Gegenwart ist, hat man kaum Probleme, sich zurechtzufinden. Jede Epoche, die wir sehen, ist gefüllt mit Zeitkolorit, die Farben passen sich der Zeit an. Es macht Spaß zuzuschauen, wie die charismatischen Darsteller sich durch eine sonnendurchflutete Kulisse bewegen, die wie eine Hommage an ein Traumbild von Brasilien wirkt. Alle sind schön, selbst in der Entzugsphase, in der er schwitzt und sich windet, lässt einen die Kamera mehr an Leidenschaft als an Leid denken.

Vieles wird in der Pilotepisode glorifiziert: das Leben in der Favela, die Drogen, die Gangs, die Armut ist sexy, der Kampf in der geheimen Drogeneinheit der Polizei ist gefüllt von jungen, attraktiven Menschen, spontaner Sex ist immer eine Option. Doch die Serienmacher wissen auch, was los ist. Durch Pedros Schwester Laura (Mariana Cerrone) sagen sie die Wahrheit. Sie erkennt, dass Pedro einfach süchtig ist, dass ihr Vater sich in Gefahr bringt, um seinen Sohn zu retten und dabei nichts erreicht, außer sie zu vernachlässigen. Sie sagt ihm immer wieder, wie er mit seinem abhängigen Sohn umgehen soll, aber Victor hört nicht. Vielleicht wird die Geschichte zu ihr aufholen, für die ersten Episoden spielen die Macher das Spiel mit der Glorifizierung so sehr, dass sie einen Hinweis auf die Drogenberatungsstelle in ihrem Vorspann integrieren müssen.

Die Story, die sich innerhalb dieser attraktiven Hülle entfaltet, fühlt sich zwischendurch ziemlich vorhersehbar an, ein bisschen veraltet, ein bisschen klischeehaft. Aber immer wieder wird auch deutlich, dass viele Wege offenstehen, wie sich die Serie entwickeln könnte. Wenn die bereits zaghaft begonnene Charakterentwicklung fortgesetzt wird, könnte zwischen der Action und der Attraktivität eine solide Serie entstehen.

Dom: Amazon-Teaser

Hier abschließend noch der Teasertrailer zur Serie „Dom“ auf Amazon Prime Video:

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