Dollface 1x01

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Dollface ist ein Hulu-Projekt vor und hinter dem fast ausschließlich Frauen stehen: Die Autorin ist Jordan Weiss, die Regie führen primär Stephanie Lang (Veep) und Alethea Jones, die Produzentin ist unter anderem Margot Robbie und der Cast ist auch hauptsächlich weiblich. Damit ist „Dollface“ auf den ersten Blick eine Comedyserie von Frauen für Frauen. Trotzdem sind die zentralen Themen wie Freundschaft und das Ende von Beziehungen für jeden nachvollziehbar. Im Mittelpunkt steht Jules (Kat Dennings), die von ihrem Freund Jeremy (Connor Hines) nach einem halben Jahrzehnt Beziehung verlassen wird. Als sie ihre alten Freundinnen Madison (Brenda Song) und Stella (Shay Mitchell) kontaktiert, bemerkt sie schnell, dass während ihrer Beziehung ihre Freundschaften auf der Strecke geblieben sind und sie erst wieder Anschluss finden muss.
J.D. und seine Tagträume lassen grüßen...
„Dollface“ erzählt zwar keine wirklich neue Geschichte, aber Jules' Singleleben wird immer mit einem Augenzwinkern gezeigt, ohne dabei jedoch die Figuren und ihre Probleme ins Lächerliche zu ziehen. Jules' Ängste vorm Scheitern manifestieren sich für den Zuschauer in der Welt. So sieht sie ständig eine alte menschengroße Katze, die Jules Lebensweisheiten mitteilt und, als sie verzweifelt versucht, sich ihren Kolleginnen anzunähern, um auf eine Party eingeladen zu werden, schafft sie es nicht, deren Tisch zu erreichen. Je schneller sie auf ihn zu läuft, desto schneller bewegt sich der Tisch von ihr weg. Diese kleinen Tagträume sind auf jeden Fall das Highlight und Alleinstellungsmerkmal der Serie, die gerne ein weniger öfter eingesetzt werden könnten. Trotzdem ist es sehr schön zu sehen, dass „Dollface“ sich nicht auf dieses Gimmick verlässt und es schafft, eine einnehmende Story zu erzählen, die die Freundschaft zwischen den drei Frauen ernst nimmt. Die sehr lebendige Vorstellungskraft von Jules lässt sich durchaus mit den Fantasien von J.D. (Zach Braff) aus Scrubs vergleichen, die mit ähnlicher Kreativität das Geschehen kommentieren und verdeutlichen.

We're reverse engineering the concept of objectifying women as part of the home construct
Jules wird nicht als eine „Ich-bin-anders-als-die-anderen-Frau“ inszeniert, die versucht, besonders cool und individuell zu wirken. Stattdessen ist sie eine authentische und normale Frau: Sie macht dumme Sprüche, schaut gerne Sport, aber achtet trotzdem auf ihre Erscheinung. Das Gleiche gilt auch für die Freundinnen von Jules, die allerdings in der ersten Folge Guy's Girl noch etwas auf der Strecke bleiben. Sowohl Madison als auch Stella wirken dennoch lebendig und nicht wie Dekoration - und das, obwohl die beiden auf einer Party sehr körperbetonte Kleidung mit weiten Ausschnitten tragen. „Dollface“ wandelt ständig auf dem schmalen Grat zwischen klischeehaftem und realistischem Frauenbild, rutscht aber zu keiner Zeit in Stereotype ab.
In einer so frauenfokussierten Serie spielen natürlich Themen wie Sexismus und Gleichberechtigung eine wichtige Rolle. Zum Glück wird dem Zuschauer nie mit erhobenem Zeigefinger die Welt erklärt, sondern im Gegensatz dazu immer mit viel Ironie. So muss Jules am Anfang der ersten Episode in einem Tagtraum beweisen, dass sie noch eine Frau ist, da sie zu viel Zeit mit ihrem Freund verbracht hatte. Dazu wird ihr zum Beispiel die Frage gestellt, ob sie vor kurzem behauptet hätte, dass eine Politikerin aufgrund ihrer Menstruation keine Führungsqualitäten besäße. Kommentare wie diese, die den Zeitgeist thematisieren, machen aus der Serie mehr als nur eine Geschichte über die Freundschaft zwischen drei Frauen.
„Dollface“ liefert mit Guy's Girl eine überzeugende erste Folge ab, die die Welt nach einem Beziehungsende ausschließlich aus der weiblichen Perspektive betrachtet, dabei aber nie „übertrieben weiblich“ erscheint. Dieser konsequente Wechsel des Blickwinkels macht in Kombination mit den kreativen und absurden Tagträumen eine ganze Menge Spaß.
Verfasser: Mira Winthagen am Freitag, 15. November 2019Dollface 1x01 Trailer
(Dollface 1x01)
Schauspieler in der Episode Dollface 1x01
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