Doktor Ballouz: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

Doktor Ballouz: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

Doktor Ballouz ist das Antidot zu Doctor House. Er ist warmherzig, stellt die Gefühle und Gedanken der Patienten oft über die Zahlen und Vorgaben. Die neue ZDF-Primetime-Serie erzählt davon, wie der Arzt versucht, dem Klinikalltag gerecht zu werden und den Tod seiner eigenen Frau zu verkraften.

Doktor Ballouz (c) ZDF/Karel Kühne
Doktor Ballouz (c) ZDF/Karel Kühne
© oktor Ballouz (c) ZDF/Karel Kühne

Wo Doktor Ballouz behandelt, da darf man sich in guten Händen fühlen. Er ist der Arzt, wie ihn sich alle wünschen und nur wenige ihn bekommen. Er kümmert sich mit Wärme und Menschenkenntnis um seine Patienten und ist da, auch wenn es schwierig wird. Mit der neuen Primetime-Serie liefert das ZDF eine Utopie, die die Seele streicheln kann, wenn man mal wieder zu viel von den Corona-Nachrichten hat.

Wovon handelt die Serie Doktor Ballouz?

Entlang der idyllischen, ruhigen Felder und Wiesen der Uckermark gleitet Amin Ballouz (Merab Ninidze) in seinem Trabi zu seinem Ziel, dem Krankenhaus, in dem er einst Chefarzt war und nun wieder sein wird. Doch davor macht er einen Zwischenstopp um an einer romantischen Allee ein Zwiegespräch mit seiner verstorbenen Frau Mara (Clelia Sarto) zu führen, die ihm gut zuredet, dass er es schon wieder in den Klinikalltag schaffen wird. Zeit einzugewöhnen hat er nicht, denn noch an Ort und Stelle, in der Allee, beginnt sein erster Fall. Die hochschwangere Christina wird von einem Auto erfasst und Doktor Ballouz begleitet sie nach der Erstversorgung im Krankenwagen in die Klinik. Dort wird er bereits von seiner alten Weggefährtin und Freundin, der Neurologin Dr. Barbara Forster (Julia Richter) empfangen. Weniger glücklich über die Rückkehr ist der junge Arzt Dr. Mark Schilling (Daniel Fritz), der Ballouz in der Zwischenzeit als Chefarzt vertreten durfte.

Auf den ersten Blick haben weder die Schwangere und ihr ungeborenes Baby noch ihre sechsjährige Adoptivtochter einen Schaden von dem Unfall davongetragen. Doch Ballouz schaut genauer hin, entdeckt, dass eine verletzte Milz das Leben der Mutter und des Kindes gefährden. Auch die kleine Tochter der Verletzten, Flori, hat Sorgen, die nur der feinfühlige Arzt entdeckt. Sie sorgt sich, dass ihre Eltern sie wieder ins Heim geben werden, wenn sie ein leibliches Kind bekommen. In beiden Fällen entscheidet Ballouz genau richtig und entlässt am Ende der Episode eine glückliche, nun vierköpfige Familie in die Uckermark.

Einen weiteren Fall hat die Assistenzärztin Dr. Michelle Schwan (Nadja Bobyleva), die sich um den jungen Familienvater Ricardo kümmert, dessen Arm beim Fußballspielen mit seinen Kindern gebrochen wurde. Als sie erfährt, dass er lediglich einen Ball an den Arm bekommen hat, wird sie stutzig und findet durch weitere Tests schließlich heraus, dass Ricardo einen Tumor hat, der nicht mehr behandelbar ist. Dem Vater bleiben noch wenige Monate. Das Gespräch über die Diagnose ist das erste dieser Art für Michelle. Durch die nun folgende Verzweiflung hilft ihr in der Damentoilette natürlich niemand anders als ein zufällig vorbeikommender Doktor Ballouz.

Außerdem lernen wir noch den Kleinkriminellen Vincent Patzke (Vincent Krüger) kennen, der seine Sozialstunden in der Klinik ableisten muss und dabei auf wenig Gegenliebe von Schwester Irina (Monika Anna Wojtyllo) stößt. Dafür gibt Doktor Ballouz dem enthusiastischen, jungen Mann eine Chance und vertraut ihm sogar an, sein Auto von der Unfallstelle zu holen.

Wie kommt es rüber?

Zu idyllisch, zu weichgezeichnet, zu unrealistisch auf so vielen Leveln und doch irgendwie herzerwärmend, ohne nervend zu sein. Dass die Formel der Serie Doktor Ballouz aufgeht, liegt vor allem an zwei Dingen. Oben auf der Liste steht das geballte Charisma des Casts, allen voran der Hauptdarsteller und der „Sozialstundenableister“. Besonders Ballouz fordert mit seinen wiederholt überemotionalen Szenen einen starken Darsteller, der den Kitsch gekonnt abwenden kann. Mit Merab Ninidze haben die Serienmacher in dieser Hinsicht einen Glücksgriff gemacht.

Doch auch zu beachten ist die Welt, in der die Serie über die Mattscheibe läuft. Wenn die Zuschauer von einer weltweiten Pandemie bedroht sind, dann funktioniert Seelenstreichler-Fernsehen gleich viel besser. Und wenn es dann noch um ein utopisches Krankenhaus geht, in dem inmitten von Wäldern und Wiesen der Patient und sein Wohl über allem stehen, dann freuen sich die Menschen, die gerade Angst darum haben müssen, ob sie im Ernstfall überhaupt einen Platz auf der Intensivstation bekommen können. Auch abseits der Pandemie haben die letzten Jahre nicht gerade das Vertrauen der Menschen in das Gesundheitssystem gestärkt, Doktor Ballouz ist also ein echter Traumarzt.

Was an der Serie jedoch auch abseits des Weichzeichners begeistert, ist die Tatsache, dass mit Doktor Ballouz ein ehemaliger Flüchtling mitten in der Uckermark eine Klinik leistet - und sein Geburtsort ist dennoch nicht Gegenstand eines zuckersüß-klebrigen Untertitels zum Seriennamen. Er ist nach Deutschland gekommen und jetzt ist er hier, mehr gibt es (zunächst) nicht zu erfahren und mehr ist auch nicht wichtig.

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