DMZ: Good Luck - Review der Pilotepisode

DMZ: Good Luck - Review der Pilotepisode

Die Comicreihe DMZ ist bei HBO Max als Miniserie adaptiert worden. Es handelt sich jedoch um eine recht lose Umsetzung. Rosario Dawson spielt darin eine Ärztin, die einst von ihrem Sohn getrennt wurde, als ein neuer amerikanischer Bürgerkrieg ausbrach und Manhattan so zu einer demilitarisierten Zone machte.

Poster zur Serie DMZ (c) HBO Max
Poster zur Serie DMZ (c) HBO Max
© oster zur Serie DMZ (c) HBO Max

Die Comicreihe „DMZ“ von Brian Wood und Riccardo Burchielli erschien von 2005 bis 2012 in insgesamt 72 Einzelausgaben beim DC-Sublabel Vertigo, das heutzutage DC Black Label heißt. Viele Jahre galt Vertigo jedoch als Imprint, bei dem Autoren und Zeichner sich austoben konnten und recht erwachsene Konzepte für ältere Leser abseits des Superheldenmainstreams herausbringen konnten. „The Sandman“, Preacher, Sweet Tooth oder Y - The Last Man und „Fables“ sind langlebige Serien, die hier ein Zuhause hatten.

Für mich traf „DMZ“ damals einen Nerv, denn das Konzept fand ich beim Release sehr spannend. Inmitten eines zweiten amerikanischen Bürgerkriegs, der das Land in zwei verfeindete Gebiete teilt, wird Manhattan, vielleicht ansatzweise ähnlich wie Berlin zur Zeit der Mauer, zu einer Sonderzone. Das New York der Handlung ist eine demilitarisierte Zone, wie der Titel der Geschichte preisgibt. Hier finden optimalerweise keine Kriegshandlungen statt. Doch die Menschen darin sind mit der Gesamtsituation natürlich nicht zufrieden...

Worum geht es in der Serienfassung von DMZ?

Für die HBO Max-Adaption wurde die grobe Prämisse beibehalten, aber die Hauptfigur, eigentlich ein Journalist der zwischen die Fronten gerät, nun durch die Mutter Alma Ortega (Rosario Dawson; Daredevil, Briarpatch), eine Medizinerin, ausgetauscht. Normalerweise verarztet diese Menschen, die mehr oder minder illegal das Grenzgebiet überschreiten. Zum Ausbruch des neuen Bürgerkriegs wollte sie mit ihrem Sohn Christian fliehen, doch der verschwindet urplötzlich, was Alma jahrelang beschäftigt und nicht ruhen lässt. In beiden Ländern hat sie bereits nach ihm gesucht, doch nicht in der DMZ. Eines Tages eröffnet sich ihr eine zeitlich sehr begrenzte Chance, das Gebiet zu erkunden. Doch wird das Zeitlimit überschritten, gibt es keinerlei Garantie mehr für ihr Überleben...

Alma sieht in einer Klinik, wie die Belegschaft völlig unterfinanziert und mit spärlichen Mitteln um das Leben der Patienten kämpft und wie sich ein alter Kollege zum Kingpin von Chinatown erhoben hat. Die Zuschauer sehen, dass die Gangs der DMZ sich auf eine große Wahl vorbereiten, wobei Parco Delgado (Benjamin Bratt; Private Practice, Star) Ambitionen auf das Amt des Governeurs hat und dabei bereit dazu ist, Abweichler mit Gewalt von seinem Plan zu überzeugen. Sie sehen auch, wie ein Jugendlicher namens Odi (Jordan Preston Carter), der einst eine Cholera-Erkrankung mit der Hilfe von Rose (Mamie Gummer; The Good Wife, Emily Owens, M.D.) überstanden hat, nach seinem Platz in dieser gefährlichen, kaputten Welt sucht.

Im Verlauf der Pilotfolge deutet sich bereits an, dass die DMZ aus Almas Sohn etwas gemacht hat, womit die Mutter nie gerechnet hatte und erst am Episodenende kommt heraus, dass aus Christian ein Schläger für seinen Vater Parco geworden ist, der womöglich die Anführerschaft der Gangs erben könnte. Trotzdem möchte Alma ihren Spross unbedingt finden. Nur was passiert, wenn sie ihn findet?

Als Showrunner fungiert Roberto Patino (Westworld, Sons of Anarchy). Regie führte Ava DuVernay (When They See Us, Naomi).

Eyes Forward Love

Es ist ein interessanter Ansatz, eine so umfangreiche Comic-Vorlage auf nur vier Folgen herunterzudampfen. Entsprechend hat man das meiste aus besagter Reihe sehr stark fürs Fernsehen überarbeitet. Die Welt, in die wir hier geworfen werden, sieht dafür recht ordentlich und auch heruntergerockt aus. Der Übergang von United States of America zur DMZ ist eine Art Niemandsland, in dem Pflanzen wuchern, Raubtiere lauern und offenbar niemand offiziell verantwortlich ist. Im DMZ selbst tobt auf dem Schwarzmarkt allerdings das Leben. Manchmal sorgt das dafür, dass man etwas zu plakativ werden muss, wenn etwa die Gangs auch direkt aus dem Film „The Warriors“ stammen könnten. Von den Free States sehen wir derweil bisher noch nichts.

Trotzdem habe ich manchmal ein wenig das Gefühl, im Auftakt von Ava DuVernay und Co von Ort zu Ort gehetzt zu werden. Dabei werden viele Charaktere eingeführt, deren Wichtigkeit nicht so leicht einzuschätzen ist, wobei es wohl zum Ende der Folge klarer wird, auf wen man sich konzentrieren soll und wer wohl eher keine Rolle mehr spielt oder gar nicht existiert. Am wenigsten greifbar bleibt für mich dabei die Rolle von Odi, der zwar ein sympathischer junger Zeitgenosse ist und Alma wohl an ihren Sohn in jungen Jahren erinnert. Dennoch weiß ich bei ihm nicht so recht, welche Rolle er für die Erzählung spielt.

Alma, Christian und Parco machen die Miniserie wohl zu einer Art Familiengeschichte mitten im zweiten amerikanischen Bürgerkrieg. Und das Entdecken mancher Ecken in Manhattan hat durchaus etwas Kurzweiliges, aber bleibt irgendwie auch strukturlos. Trotzdem gibt es durchaus einige schön anzusehende Kameraeinstellungen. Dawson macht als Hauptcharakter eine gute Figur und man ist daran interessiert, was Alma antreibt, besonders auch dann, wenn sich zum Ende hin mehr Informationen offenbaren, die anfangs nicht so ganz klar sind.

Einige Regeln dieser Welt werden erklärt, etwa die Grenze, die nicht überschritten werden sollte, sofern man nicht eine Eskalation riskieren will und im Verlauf der Folge wird natürlich auch demonstriert, was dann passieren kann - mit schwerwiegenden Folgen. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass die streitenden Parteien nur unzureichend klar dargestellt werden, wobei das vielleicht auch ein Stilmittel sein kann, um die Sinnlosigkeit von Krieg an sich zu untermauern. Vielleicht hat man auch längst vergessen, warum überhaupt gestritten wird...

Als Zuschauer, der die Vorlage überhaupt nicht kennt, wird man wohl ziemlich ins kalte Wasser geworfen und erhält im Auftakt kaum Erklärungen für das alles. Das ist deswegen auch schwierig, weil es eben nur vier Episoden sind und trotz kurzer Lauflänge sollte die erste Folge so doch einen ersten Eindruck verschaffen und Lust auf mehr machen. Weil die letzten Minuten die Handlung in eine Richtung lenken, die irgendwie typisch Pilotfolge ist, aber auch Alma einen Grund für die Rückkehr in die gefährliche DMZ gibt, wird mein Interesse am Weiterschauen durchaus geweckt. Ich kann aber auch verstehen, wenn man nach dem etwas chaotischen Einstieg keine Lust auf mehr haben sollte.

Auch stellt sich die Frage - wie bei einigen aktuellen Pandemieserien, siehe Station Eleven, Sweet Tooth oder Y - The Last Man - bei dieser Kriegsserie, die inmitten des russischen Angriffs auf die Ukraine startet, ob die Zuschauer überhaupt Lust auf einen solchen Inhalt haben...

Fazit

DMZ“ ist eine Miniserie mit Comicvorlage, die eine durchaus interessante Prämisse mitbringt, aber vielleicht nicht das beste Timing erwischt hat und obendrein einige narrative Lücken offenlässt. Das world-building an sich ist ordentlich, aber bestimmte Fakten fehlen im Auftakt einfach, so dass gewisse Konflikte nicht direkt greifbar sind. Vielleicht sind diese für die Macher aber auch nebensächlich, weil sie die Geschichte einer Mutter erzählen wollen, die im plötzlichen Krieg von ihrem Sohn getrennt wird, der sich in der neuen Umgebung in wenigen Jahren in eine völlig überraschende Richtung entwickelt hat.

Hier ist abschließend noch der US-Trailer zur Serie „DMZ“:

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