HBO versucht, uns die Serie Divroce als Comedy unterzujubeln, doch nach keinem denkbaren Maßstab liefern sie mit der Pilotepisode Derartiges ab. Es ist eine triste Trauerveranstaltung ohne besondere Tiefe.

„Divorce“ / (c) HBO
„Divorce“ / (c) HBO

Die ersten Minuten der Pilotepisode der Serie Divorce wirken noch ganz vielversprechend, doch dann geht es unaufhörlich den Berg runter. Dabei wäre eine Serie, die die Scheidung in den Mittelpunkt stellt, doch recht passend für die Frau, die mit der Suche nach Mr. Perfect zur Ikone wurde.

Worum es geht

Frances (Sarah Jessica Parker) und Robert (Thomas Haden Church) haben eine unglückliche Ehe - sie gehen sich auf die Nerven und maskieren diese Gefühle mit bester Passiv-Aggressivität, wie man es in einer Ehe des gehobenen Mittelstandes offenbar tut. Wir lernen sie kennen, als sie das typische Streitthema Nummer eins austragen: die Länge der Badezimmerzeit am Morgen.

Dann geht es weiter zum nächsten Problemfall, einer gediegenen Party bei einem befreundeten Paar. Dort teilt man sich schön nach Geschlechtern auf und wir dürfen Frances zu ihren Freundinnen begleiten.

Da hätten wir einmal Dallas (Talia Balsam, Mad Men), deren besonderes Herausstellungsmerkmal ist, dass sie single ist. Und dann gibt es noch Diane (Molly Shannon, „Saturday Night Live“), Gastgeberin und Geburtstagskind des Abeds und mit ihrer eigenen desaströsen Ehe schon einen Schritt weiter als die Freundin. Ihr Mann Nick (Tracy Letts, Homeland) hält eine Tischrede für sie, die sich gewaschen hat, unter anderem beleidigt er unter einem sehr durchsichtigen Deckmantel eines Witzes das Aussehen und die Kinderlosigkeit seiner Frau.

Die rastet dann auch kurz nach dem Dessert aus und zieht in einem Nebenzimmer sogar eine Waffe, die aus Versehen losgeht und dabei Robert nur knapp verfehlt. Während sie in Handschellen abgeführt wird, macht sie weiterhin Partysmalltalk und lässt eine verstörte Frances zurück, die durch den Ausraster ihrer Freundin das Licht zu sehen glaubt und ihrem Mann umgehend ihre Scheidungspläne unterbreitet.

Im Zug am folgenden Tag wird sie von ihrer Singlefreundin darüber aufgeklärt, dass „da draußen“ auch nichts Besseres zu finden sei, als das, was Frances eh schon zu Hause habe. Doch die ist von dieser Aussicht weiter beunruhigt, denn sie hat vorgesorgt. An dieser Stelle erfahren wir, dass sie es mit der Treue nicht so genau nimmt und eine Affäre mit dem Professor Julian (Jemaine Clement) hat. Es kommt, wie man es erwarten darf: Der attraktive Mann findet die Aussicht darauf, aus einer geheimen Affäre eine feste Beziehung zu machen, gar nicht gut.

Frances lässt sich die Sache mit diesen neuen Informationen noch mal durch den Kopf gehen und nähert sich Robert wieder an. Ihr Erklärungsversuch klingt so: „Ich war außerhalb meines Körpers und sah, wie ich diese Dinge zu dir sagte - das bin nicht ich.“ Doch lange hält die neue Idylle nicht an, denn am folgenden Tag hat Robert ein kleines Gespräch mit Julian, den Frances total unverdächtig unter „J“ im Telefonbuch gespeichert hat.

Nun lässt er also sie mit einer melodramatischen Inszenierung im Kalten stehen, nachdem er die Schlösser ausgewechselt hat. Und an dieser Stelle, vor dem Haus im Schnee, verlassen wir Frances und müssen uns fragen, an welcher Stelle die Produzenten fanden, dass sie eine Comedy gedreht haben. Auch nach HBO-Standards ist diese Sichtweise nur schwer zu verteidigen.

Wie kommt es rüber?

Am Ende der ersten halben Stunde mit der Serie Divorce steht man verwirrt da und ärgert sich, dass so viele vielversprechende Faktoren zu einer Enttäuschung zusammenkommen. Auf der Seite der Vorteile kann man zunächst zum Beispiel Serienschöpferin Sharon Hogan einordnen, die unter anderem auch für Catastrophe verantwortlich ist. Die Serie über zwei Menschen von verschiedenen Kontinenten, die nach einem One-Night-Stand Eltern werden, funktioniert gut.

Ob „Divorce“ eigentlich funktioniert oder nicht, ist schwer zu sagen, weil man nicht einwandfrei erkennen kann, was die Serienmacher überhaupt versuchen. Von der Pilotepisode her zu urteilen, sieht es aus, als wenn sie sich ein Vorbild an Married und Togetherness genommen haben. Sie wollen auf die Risse in den Beziehungen und Freundschaften zoomen, die schonungslose Wahrheit zwischen den Höflichkeiten, Gewohnheiten und eigenen Schwächen aufzeigen und dem Zuschauer damit nicht selten auch einen Spiegel vorhalten. Das zumindest schaffen die beiden genannten Serien, die den schmalen Grat zwischen Comedy und Drama stets gut gemeistert haben.

In „Divorce“ hingegen sucht man jegliche Art von Komik vergebens. Auf keiner Ebene scheinen die Versuche zu funktionieren und wenn man erkennt, dass etwas lustig sein soll, dann eher, weil es das aufgrund der Vorhersehbarkeit und der Klischees gerade nicht ist. So zum Beispiel die Szene, in der Robert mit der Schneeschaufel ein Vogelnest vom Baum schlägt, nachdem er es lange stumm beobachtet hat.

Der Versuch scheitert auch daran, dass Darsteller und Figuren nicht zusammenpassen. Lediglich eine Figur kann sich über ein Drehbuch freuen, dem sie Leben einhauchen kann - und das ist Talia Balsam, die die bisher nebensächlichste Figur aus dem Hauptcast verkörpert. Selbst die generell talentierte Molly Shannon verkommt in der Serie zu einer erstaunlich unlustigen Figur.

Statt entlarvenden Wahrheiten und Blicken in die Psychologie von modernen Beziehungen irritieren Frances und die anderen mit seltsamen Entscheidungen. Mal ganz abgesehen davon, dass man ohnehin nicht versteht, wieso die beiden verheiratet sind, wirkt es furchtbar antiquiert, dass sie zu ihm zurückgeht, nachdem ihr Lover klarstellt, dass er nur an einem schmutzigen Geheimnis interessiert ist.

Auch die Schlüsselzene auf der Party entpuppt sich als Augenwischerei. Die Idee, anhand eines anderen Paares zu zeigen, welche Biegung die Sache mit der Ehe auch nehmen kann, ist gut. Doch, um den Zuschauer wirklich zu treffen, fehlt dann doch der psychologische Anschluss ans Publikum. In vielen Fällen leben Dramedys dieser Machart davon, dass sie uns die Absurdität unseres eigenen Verhaltens und unseres Alltags vor Augen führen. Doch genau in diesem wichtigen Bereich muss die Serie passen.

Fazit

Einiges sprach vor Beginn dafür, dass die HBO-Serie Divorce gut sein könnte. Nach der Pilotepisode ist daher die Enttäuschung groß. Was bleibt, ist eine Serie, bei der man keine Anzeichen für eine Comedy findet, die jedoch auch nicht mit psychologischem Drama punkten kann.

Teaser zur Serie „Divorce“:

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