Dirty John: Kritik zur neuen Heiratsschwindlerserie mit Connie Britton und Eric Bana

Dirty John: Kritik zur neuen Heiratsschwindlerserie mit Connie Britton und Eric Bana

Eine erfolgreiche Designerin gibt nach vier gescheiterten Ehen der Liebe eine letzte Chance, und trifft dabei auf einen Heiratsschwindler. Getragen wird die neue Bravo-Serie Dirty John durch ihre Stars: Connie Britton und Eric Bana.

Szenenbild von „Dirty John“: Eric Bana verdreht Connie Britton den Kopf. (c) Bravo
Szenenbild von „Dirty John“: Eric Bana verdreht Connie Britton den Kopf. (c) Bravo
© zenenbild von „Dirty John“: Eric Bana verdreht Connie Britton den Kopf. (c) Bravo

Eine der auffälligsten Begleiterscheinungen des neuerlichen Hypes um Serien liegt darin, dass in der Flut an frischen Formaten nur noch wenige wirklich stümperhaft erscheinen und dabei gleichzeitig nur wenige besonders herausragend. Auch die neue Bravo-Serie Dirty John - ein Sender übrigens, den die meisten hierzulande nicht einmal kennen dürften - fällt in dieses Schema. Handwerklich höchst professionell umgesetzt, wird darin die Geschichte einer erfolgreichen Kalifornierin mittleren Alters erzählt, die nach mehreren Scheidungen der Liebe noch eine letzte Chance gibt. Pech für sie, dass sie mit diesem noblen Unterfangen ausgerechnet an einen Heiratsschwindler gerät...

Nach dem Anthologieserie-Vorbild von Formaten wie American Crime Story, True Detective oder Feud will Dirty John in jeder Season einen völlig neuen Fall abhandeln. Im Vorfeld bestellte der US-Kabelsender auf einen Schlag zwei Staffeln. Und ähnlich wie das kürzlich erschienene Homecoming basiert die Geschichte nicht etwa auf einem Buch, sondern auf einem gleichnamigen Podcast, der selbst wiederum wahre Ereignisse rekapituliert. Geschaffen wurde das Ganze von Alexandra Cunningham (Desperate Housewives). Die Hauptrollen spielen derweil Connie Britton, die hierfür sogar ihre komfortable Festanstellung bei 9-1-1 aufgab, und der „Hulk“-Star Eric Bana.

Goldgräber im Arztkittel

Uns Zuschauern die Heldin der Serie sympathisch zu machen, ist die kleinste Herausforderung von Cunningham und Co. Britton bringt von Natur aus alles mit, um sich Hals über Kopf in sie zu verlieben. Ähnlich wie einer ihrer Arbeitskollegen stellen also auch wir uns die Frage: Wie kann es sein, dass eine tolle Frau wie sie beziehungsweise ihr Alter Ego Debra nicht längst den perfekten Mann gefunden hat? Ganz einfach: Ihr Geschmack ließ sie in der Vergangenheit zu oft im Stich.

Wie gesagt: Debra hat schon vier Ehen hinter sich. Kein Wunder also, dass auch ihre Töchter Veronica (Juno Temple, Vinyl) und Terra (Julia Garner, Maniac) inzwischen vorsichtig geworden sind, was die neuen Partner ihrer Mutter angeht. Jede Woche zieht Debra beim Onlinedating irgendwelche Nieten, doch sie will es weiter versuchen, weil sie und ihre Therapeutin fest davon überzeugt sind, dass es sich lohnt, dem Glück unermüdlich hinterherzujagen.

Szenenbild von Dirty John: Veronica (Juno Temple) sucht an Thanksgiving nach Verbündeten.
Szenenbild von Dirty John: Veronica (Juno Temple) sucht an Thanksgiving nach Verbündeten. - © Bravo

Und dann kommt er schließlich: der perfekte Mann. Der von Bana gespielte John Meehan tritt von Beginn an unkonventionell auf und sticht so aus der grauen Männermasse hervor. Wie ein Hochseiltänzer wandert er auf dem schmalen Grat zwischen Charmeur und Creep. Und während Debra nur die guten Seiten des Anästhesisten sehen will, durchschaut die vorlaute Veronica sein doppeltes Spiel sofort. Aber leider ist sie nicht die zuverlässigste Quelle in solchen Angelegenheiten, da sie selbst mit psychischen Problemen zu kämpfen scheint. Dennoch ist sie auf Anhieb die unterhaltsamste Figur der Serie.

Sie ist es auch, die nach Alliierten bei Johns Entlarvung sucht. Dass ihre Mutter zehntausende Dollar in die Hand nimmt, um sich und ihrem neuen Freund ein schönes Eigenheim zu kaufen, kann sie jedoch nicht verhindern. Und auch nicht, dass die beiden gegen Ende der Auftaktepisode Approachable Dreams (1x01) sogar heiraten. Allzu überstürzt wirkt diese Eskalation merkwürdigerweise aber nicht, da John tatsächlich äußerst überzeugend und glaubwürdig erscheint.

Als Zuschauer will man regelrecht an die Echtheit seiner Liebe glauben, da er Debra in der Tat glücklich macht. Besonders deutlich wird dies in den musikalischen Montagesequenzen, die der Regisseur Jeffrey Reiner hin und wieder einstreut. Reiner arbeitete mit Britton zuvor schon bei der wunderbaren Footballserie Friday Night Lights zusammen. Wie düster die Geschichte von Dirty John in den kommenden Wochen noch wird, muss sich zeigen. Im schlimmsten Fall ist John nämlich nicht nur ein Betrüger, sondern auch ein Mörder - das legen jedenfalls die kryptischen Zwischenschnitte zu seinem Arbeitsplatz im Krankenhaus nahe, welche uns eine seiner Patientinnen vorstellen...

Fazit

Ein neuer Tag, eine neue gute Serie. Nicht nur Fans von Connie Britton oder Eric Bana sollten dem neuen Bravo-Drama Dirty John eine Chance geben. Die Chefautorin Alexandra Cunningham präsentiert einen spannenden Thriller mit sympathischen Charakteren und einer gesunden Prise Humor. Makellos inszeniert und mit wunderschönen Bildern Kaliforniens ausgestattet, geizt die Serie auch nicht mit optischen Reizen. Wohin die Geschichte um die erfolgreiche Designerin Debra und den charmanten Heiratsschwindler John gehen wird, ist nach nur einer Episode noch unklar. Hierzulande konnte sich übrigens Netflix die exklusiven Ausstrahlungsrechte sichern. Einen offiziellen Starttermin hat die Serie in Deutschland aber noch nicht.

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