Die Wespe: Kritik zum Start der deutschen Darts-Serie von Sky

Die Wespe: Kritik zum Start der deutschen Darts-Serie von Sky

Bei Sky 1 startet dieses Wochenende die deutsche Darts-Dramedy Die Wespe - mit Florian Lukas als Berliner Profipfeilwerfer Eddie Frotzke. Vor allem der Hauptdarsteller und die Regisseurin treffen voll ins Schwarze.

Florian Lukas ist Die Wespe in der gleichnamigen Sky-Serie (c) Sky 1
Florian Lukas ist Die Wespe in der gleichnamigen Sky-Serie (c) Sky 1
© lorian Lukas ist Die Wespe in der gleichnamigen Sky-Serie (c) Sky 1

Der Kneipensport Darts hat einen einzigartigen Charme, denn es ist ein Spiel der Präzision, an dem vor allem schroffe Charaktere teilnehmen. Typen, die oft aussehen wie Hooligans, werden an der Scheibe zu wahren Gentlemen. Und dieser schöne Widerspruch geht hoch bis in die Spitzenklasse, die sich traditionell zum Neujahrstag in London trifft, um den besten Pfeilwerfer der Welt zu küren. Dieses Ziel hat auch Eddie Frotzke, der Held der neuen Sky-Serie Die Wespe, gespielt vom hier schnauzbärtigen Weissensee-Star Florian Lukas. Doch dafür muss das Berliner Original erst mal die Wuppertal Open überstehen und viele andere Demütigungen über sich ergehen lassen.

Die sechsteilige Auftaktstaffel der deutschen Dramedy, die am heutigen Freitag um 20.15 Uhr linear bei Sky 1 mit einer Doppelfolge startet, führt uns ein in einen klebrigen Mikrokosmos. Vor allem Eddie selbst hat dabei stets einen guten Spruch auf den Lippen und rührt mit seiner Hingabe zu seinem Herzenssport Darts, in dem er den Sinn seines Lebens gefunden hat. Man fühlt sich ein bisschen erinnert an den amerikanischen Kultklassiker „The Big Lebowski“ und auch an die deutsche Serienperle Der Tatortreiniger, die zwar thematisch weit entfernt ist, aber einen ganz ähnlichen Ton trifft.

Neben dem humorvollen Hauptdarsteller Lukas will man besonders der Regisseurin Hermine Huntgeburth („Lindenberg! Mach dein Ding“) applaudieren, der eine grandiose Inszenierung gelungen ist. Mit elektrisierenden Farben und tollen Musikeinsätzen gibt sie der eigentlich eher unansehnlichen Geschichte ein schönes Äußeres. Mit einigen Szenen wagt sie sich sogar ins Experimentelle hinein. Das coole Intro versprüht aus noch unklaren Gründen starke 80s Vibes.

Idee und Drehbuch zur Serie stammen von Jan Berger („Der Medicus“, Wir sind die Welle). Ebenfalls im Ensemble: Leonard Scheicher (Das Boot) als liebenswert naiver Darts-Newcomer Kevin und Lisa Wagner („Kommissarin Heller“) als Eddies genervte Ehefrau und Managerin Manu. Darüber hinaus tritt Ulrich Noethen („Das Sams“) als Eddies früheres Vorbild Nobbe auf, welcher ihm einen erschreckenden Spiegel für seine eigene Zukunft vorhält.

Worum geht's?

Die Serie startet mit einer Szene, die man als Klischee bezeichnen kann, hier aber so spielerisch umgesetzt wird, dass man eher von einer Hommage sprechen muss. Die Rede ist vom guten, alten Trick, bei dem sich der Held als Loser ausgibt, um ein paar reiche Geschäftsmänner zu einem unfairen Wettbewerb herauszufordern, den er dann eiskalt gewinnt. Das jüngste Beispiel dieser Art lieferte im Vorjahr Ted Lasso. Eddie landet den Coup mit seinem Kumpel Kevin, die ein sympathisches Duo abgeben. Kevin bewundert Eddie zutiefst - Eddie sieht Kevin wiederum als einen Ersatzsohn an.

Jetzt das Angebot von Sky Ticket entdecken

Sky 1
Sky 1 - © Sky 1

Deutlich spannungsvoller ist die Beziehung zwischen Eddie und seiner Frau, die den Sport ihres Mannes zwar voll respektiert, aber ihn als Mann längst nicht mehr. Immerhin liegen seine größten Erfolge (die deutsche Meisterschaft 1997 und 1999) Jahrzehnte zurück. Heutzutage schafft er es nicht mal mehr in die Top 50 der Weltrangliste. Als es dann bei der eingangs erwähnten Wuppertal Open - ich wiederhole den Namen gerne, weil er perfekt den Humor der Serie zum Ausdruck bringt - zum ultimativen Fiasko kommt, muss sich Eddie gänzlich neu orientieren im Leben. Zwischenzeitlich schlägt er sich sogar als Staubsaugervertreter durch, was ihm theoretisch gut liegt, denn reden kann die Wespe genauso gut wie stechen.

Da der Autor Berger und die Regisseurin Huntgeburth mit Die Wespe eine Comeback-Story erzählen - die besten Geschichten, die der Sport zu bieten hat -, muss Eddie früher und später natürlich wieder aufstehen und zum letzten großen Stich ausholen. Schafft er es am Ende also doch noch bis nach London in den legendären Ally Pally?

Wie ist es?

Eigentlich ist schon alles gesagt: Die Wespe legt bei Sky 1 einen sehr gelungen Start hin - mit viel Humor, einem starken Hauptdarsteller und einer sehr ästhetischen Inszenierung, die schön die inhärente Schmuddeligkeit der Serie konterkariert. Wenn nun auch die Handlung über die Staffel hinweg mithalten kann, darf man sehr zufrieden sein.

Echte Darts-Fans werden sich sicherlich fragen, wie die Sportszenen rüberkommen. Auch hierzu kann man viel Positives feststellen, denn die wichtigen Duelle werden wirklich spannend aufgebaut (wie bei einer Übertragung eines Live-Spiels im Fernsehen). Manchmal sehen wir zur Abwechslung aber auch surreale Würfe, wenn der Pfeil im Flug etwa zur Wespe wird. Insgesamt versprüht die Serie eine große Freude an dem Sport, deren Glaubwürdigkeit entscheidend ist für den allgemeinen Ton des Ganzen. Das ist ein interessanter Knackpunkt, der beispielsweise bei der Fußball-Comedy Ted Lasso nicht so gut funktioniert (obwohl die Serie von Apple TV+ natürlich trotzdem sehr, sehr gut ist).

Trotz meiner unerwarteten Begeisterung für Die Wespe, die in dieser Kritik hoffentlich deutlich wurde, sollte man nichts Bombastisches vermuten, um nicht doch noch enttäuscht zu werden. Denn im Kern ist die Serie doch sehr leise, also kein Feuerwerk. Sie ist nicht überwältigend, aber sehr nett.

Hier abschließend noch der Trailer zur Sky-Serie Die Wespe:

Jetzt das Angebot von Sky Ticket entdecken

Diese Serie passen auch zu «Die Wespe»