Die Therapie 1x01

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Das passiert in der Thrillerserie „Die Therapie“
Vor zwei Jahren ist die 13-jährige Tochter Josy (Helena Ziegel) des Erfolgspsychiaters Viktor Larenz (Stephan Kampwirth) in Die Therapie verschwunden. Larenz kann den Verlust nicht überwinden und als sich das Verschwinden zum zweiten Mal jährt, zieht er sich in sein Feriendomizil auf die Insel Parkum zurück.
Doch seine selbst gewählte Einsamkeit wird jäh gestört, als die mysteriöse Anna Spiegel (Emma Bading) auftaucht und ihn aufgrund ihrer Schizophrenie um eine Therapie bittet. Zuerst lehnt Larenz schroff ab, doch als sich die Verdachtsmomente häufen, dass Anna etwas über Josys Schicksal wissen könnte, lässt er sich auf ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel ein, welches ihn an seine Grenzen bringen wird...
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Vorfreude
Sebastian Fitzek gehört zu den meist gelesenen Thriller-Autoren Deutschlands. Mit „Die Therapie“ verfilmt Amazon Prime Video nun seinen ersten, und nach Meinung vieler Kritiker auch besten Roman. Der Rezensent gibt unumwunden zu, dass er kein großer Fan des Berliner Schriftstellers ist, da ihm dessen Figuren oft zu unglaubwürdig agieren und die Romane bisweilen Recherchemängel aufweisen.
Dennoch war die Freude und ebenso die Erwartungshaltung riesig, als bekannt wurde, dass „Die Therapie“ als Miniserie adaptiert würde. Mit Sebastian Kampwirth (Luden, Dark, Blackout (2021)) wurde denn auch ein schauspielerisches Zugpferd gefunden, das einen näheren Blick schon allein deshalb rechtfertigte. Auch die Wahl der aus „Der Usedom-Krimi“ bekannten Emma Bading löste ein Gefühl der Vorfreude aus, so dass allein schon von Seiten des Casts alles im grünen Bereich schien.
Leider nur Durchschnitt
Leider hält die erste Episode der sechsteiligen Miniserie „Die Therapie“ mit dem Titel Spurlos allerdings nicht vollends, was der große Autorenname und die bekannten deutschen Stars versprechen. Um es in einem Satz zu sagen: Die Pilotfolge erweist sich als recht ereignisarm.
Geprägt ist der Serienbeginn von einem Mix aus Flashbacks, die Josys Schicksal bis zu ihrem Verschwinden erzählen, solchen, die Kampwirths Verhältnis zum mysteriösen Arzt Doktor Roth (Trystan Pütter, Babylon Berlin) beleuchten und der Gegenwart, in der die undurchsichtige Anna den Therapeuten immer weiter in ihre Psychospielchen verstrickt.
Im Großen und Ganzen erstreckt sich die Geschichte allerdings auf die Beschäftigung mit Viktor Larenz, was durchaus ein wenig am Tempo zerrt. Die Ereignisse rund um den Psychiater sind zudem mit einigen für Thrillerserien typischen Suspense-Elementen aufgepeppt, die allerdings nur leidlich darauf hinweisen, dass mehr hinter der Flucht der Hauptfigur steckt, als es scheint.
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Aber dann...
Mit Folge zwei, Verzweifelt nimmt die Geschichte von Die Therapie dann endlich Fahrt auf und zieht in Sachen Spannung und Thrill mächtig an. Anna drängt sich immer mehr in das Leben des Trauernden und offenbart Kenntnisse, die sie eigentlich gar nicht haben dürfte.
So erklingt beispielsweise eine schöne Klaviermelodie, während Larenz gerade nach seinem Hund sieht, die Anna gar nicht kennen kann, weil sie sie von ihm und seiner Tochter gemeinsam komponiert wurde und eine Art Familiengeheimnis ist. Noch mysteriöser wird das Ganze, als das Tier plötzlich verschwunden ist und sie behauptet, noch nie einen Hund im Haus gesehen zu haben.
Lügt Anna Viktor an? Oder befinden wir uns tief im Inneren einer geschundenen Seele, die das Verschwinden des eigenen Kindes nie verwunden hat und deshalb eine bipolare Störung entwickelte, die umso schwerwiegender ist, als dass sie ausgerechnet einen Experten auf dem Gebiet ereilt?
Damit stellt sich natürlich auch die Frage, was in der Geschichte tatsächlich geschieht, und ob überhaupt etwas außerhalb einer Halluzination passiert. Kenner des Romans wissen um die Antwort auf diese spannende Frage natürlich, alle anderen Zuschauerinnen und Zuschauer dürften spätestens ab Mitte von Folge zwei gefesselt sein und sich ähnliche Fragen wie der Rezensent stellen.
Um den Effekt zu verstärken, entscheidet sich Regisseur Thor Freudenthal („Percy Jackson: Sea of Monsters“, The Expanse, Carnival Row) für einen ausgeprägten Nordic-Noir-Look, der vornehmlich ab Mitte der Debütepisode zum Tragen kommt und durch einen melancholischen, ruhigen Score unterstützt wird.
Einige typische Horrorelemente, die vor allem perspektivischer oder beleuchtungstechnischer Natur sind, verstärken ab Folge zwei in „Die Therapie“ den Eindruck, dass wir möglicherweise eine Fiktion innerhalb der Fiktion erleben. Kombiniert mit einer klugen Farbauswahl - so wird gerade die Figur Anna von einem Blutrot dominiert -, erleben wir fortan eine Geschichte, die mit Rätseln und Mysterien gespickt ist und von einem gut gewählten Ensemble getragen wird.
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Starker Cast
Das trifft übrigens auch auf die Jungtalente Helena Zengel und Eva M. Hirschburger als die verschwundene Josy und deren beste Freundin Mila zu, die eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Thrillerserie einnehmen.
Vor allem Hirschburger gelingt es hervorragend, den Part der vernachlässigten Arzttochter zu spielen, die in der intensiven Freundschaft zu Helena Halt findet, sie aber zugleich auch immer mehr in eine Rebellin verwandelt. Dass Josy heimlich offensichtlich in das Mädchen verliebt ist, spielt eine nicht unwesentliche Rolle in der Entwicklung weg von der braven, naiven Tochter hin zum pubertierenden Teenager.
Ein großes Lob gebührt allerdings auch Stephan Kampwirth, der seiner Figur auf emotionaler Ebene eine geradezu in Shakespeare-mäßiger Tradition stehende Tragik verleiht. Anna Spiegels Auftritt steht dazu in einem herrlich geheimnisvollen Kontrast, der sich zum einen aus ihrem beinahe schon unschuldigen Äußeren und zum anderen aus einer erschreckenden Gefühlskälte speist, die der undurchsichtigen Figur gut zu Gesicht steht. Ist sie lediglich ein Produkt von Larenz' Fantasie, oder ist sie real und hat mit dem vor Trauer zerfressenen Mann eine Rechnung offen, die sie auf kaltblütige und sogar brutale Weise begleicht?
Fazit
Obwohl die erste Episode von „Die Therapie“ sicherlich ein wenig mehr Drive vertragen hätte, nimmt die Miniserie in Folge zwei Fahrt auf und lässt das Publikum mit einem Wust von Rätseln atemlos zurück. Der Wunsch, die Wahrheit zu ergründen und zu erfahren, ob sich der Verdacht einer Wahnvorstellung seitens Viktor Larenz bestätigt, verlangt es geradezu, weiterzuschauen und erst aufzuhören, wenn der Abspann der letzten Episode läuft.
Abgesehen von dem leicht bemühten Start, der durchaus etwas mehr Tempo und Spannung vertragen hätte, hinterlässt die deutsche Miniserie also einen guten Eindruck mit einer Empfehlung für Thrillerfans, die sich von einer durchschnittlich inszenierten Pilotfolge nicht abschrecken lassen. Vier von fünf Punkten.
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Die Therapie: Offizieller Trailer zur Fitzek-Serie
Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur neuen Serie „Die Therapie“, die nun beim Streamingdienst Amazon Prime Video an den Start gegangen ist:
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 26. Oktober 2023Die Therapie 1x01 Trailer
(Die Therapie 1x01)
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