Die Ibiza Affäre: Wiener Blut - Kritik zur Sky-Miniserie aus Österreich

Die Ibiza Affäre: Wiener Blut - Kritik zur Sky-Miniserie aus Österreich

Mögen andere Länder Krisen fürchten, du, glückliches Österreich, hast nie genug davon. Die Ibiza Affäre heißt eine neue Miniserie bei Sky. Dabei könnte diese zu keinem besseren beziehungsweise schlechteren Zeitpunkt starten...

Whoah! We're going to Ibiza. Szenenfoto aus der Serie Die Ibiza AffÀre: Wiener Blut (c) Sky Atlantic
Whoah! We're going to Ibiza. Szenenfoto aus der Serie Die Ibiza AffÀre: Wiener Blut (c) Sky Atlantic
© hoah! We're going to Ibiza. Szenenfoto aus der Serie Die Ibiza AffĂ€re: Wiener Blut (c) Sky Atlantic

Die verhaltensauffĂ€llige Alpenrepublik Österreich hat dem Tatort-Regisseur Christopher Schier nicht mal Zeit gelassen, die letzte Wiener Regierungskrise zu verfilmen, bevor schon der nĂ€chste Skandal ans Licht kam. Nun steht der Pay-TV-Sender Sky Atlantic bedröppelt da und muss den Vierteiler ausstrahlen, obwohl die Schlagzeilen lĂ€ngst woanders sind. Trotzdem muss die Miniserie mit Nicholas Ofczarek, David A. Hamade, Julian Looman und Andreas Lust besprochen werden.

Das Drehbuch stammt von Stefan Holtz („Blood Red Sky“) und Florian Iwersen. Als Vorlage nutzten sie das Sachbuch der SZ-Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer (die sogar selbst als Figuren mitspielen). Die Produktion lag derweil in den HĂ€nden von Quirin Berg und Max Wiedemann, die mit ihrem vielfach ausgezeichneten Studio W&B Television und mit dem Hauptdarsteller Ofczarek fĂŒr Sky 2019 schon die Krimiserie Der Pass auf die Beine gestellt haben.

Worum geht's?

Im Zentrum von Die Ibiza Affäre stehen der Privatdetektiv Julian H. (Ofczarek) und der Wiener Anwalt Ramin M. (Hamade), die nicht fassen können, dass Millionen Österreicher im Zuge der europĂ€ischen FlĂŒchtlingskrise in die Arme der FPÖ laufen. Die auslĂ€nderfeindliche Partei, die damals noch von Heinz-Christian Strache (Lust) angefĂŒhrt wird, könnte bei den nĂ€chsten Nationalratswahlen zur stĂ€rksten Kraft des Landes werden und einen gefĂ€hrlichen Rechtsruck verursachen. Das können die beiden „Helden“ der Geschichte nicht tatenlos zulassen und hecken daher einen Plan aus.

Über den Wiener FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus (verwechslungsgefĂ€hrlich treffend besetzt mit Looman) können Julian H. und Ramin M. möglicherweise an Strache rankommen. Ziel ist es, den Politiker mit einer erfundenen russischen Oligarchin (Anna Gorokhova) zusammenzubringen und illegale Machenschaften aufzuzeichnen. Das Treffen findet schließlich 2017 auf der Baleareninsel Ibiza statt. Indem sie reichlich Kokain und Red Bull auftischen, wollen die Lockvögel den Strache-Streich beschleunigen. Doch der Populist wird in der Miniserie auch nicht gerade als Dummerchen dargestellt...

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Obermaier (Patrick GĂŒldenberg) und Obermayer (Stefan Murr) recherchieren
Obermaier (Patrick GĂŒldenberg) und Obermayer (Stefan Murr) recherchieren - © Sky Atlantic

Zumindest ein bisschen belastendes Material kriegen Julian H. und die Fake-Oligarchin dann doch in den Kasten. Obwohl der eigentliche Kampf damit ja erst los geht, denn nun muss ein Medium gefunden werden, das keine Angst davor hat, sich am Ibiza-Video die Finger zu verbrennen. In Wien erweist sich die Suche bald als sinnlos, denn Politik und Journalismus gelten in der Hauptstadt Österreichs als eng verbandelt. Was ĂŒbrigens auch der Grund dafĂŒr sein könnte, dass sich politische Skandale hier hĂ€ufen. Eine spannende ErklĂ€rung dazu liefert der lustige ZEIT-Podcast Servus. Grüezi. Hallo.

Es ist kein Spoiler zu sagen, dass sich am Ende die SĂŒddeutsche Zeitung und der Spiegel auf die Story einlassen (obwohl sogar Böhmermann kontaktiert wurde). Die Starjournalisten Obermaier (Patrick GĂŒldenberg) und Obermayer (Stefan Murr) erweisen sich bald als wahre Helden der Miniserie. Ihnen ist es zu verdanken, dass Strache 2019 tatsĂ€chlich als Vizekanzler zurĂŒcktreten muss und Neuwahlen stattfinden, in denen die FPÖ die HĂ€lfte ihrer Stimmen verliert...

Wie ist es?

Wie vor allem Julian H. an seine Grenzen geht, um Strache zu stĂŒrzen, zeigt Regisseur Schier unangenehm ĂŒberdramatisch. Ofczarek drĂ€ngt sich vorlaut in den Mittelpunkt, was sonst charmant sein mag, bei dem Dokudrama Die Ibiza Affäre aber nervt. Zumal der Schauspieler letztlich immer dieselbe Figur spielt, nĂ€mlich eine obercoole KratzbĂŒrste mit theatralischer Zigarette im Mund. Da man wenig ĂŒber den echten Julian H. weiß, kann Ofczarek den Charakter prĂ€gen wie er will. Doch die Motivation, warum er das alles tut, wird nie richtig klar. Zum GlĂŒck gelingt das wenigstens bei Ramin M. (Hamade).

Erfreulich sind die Spielereien in der Inszenierung, die sich Schier hin und wieder leistet. Sein Stil erinnert dabei fast an die Finanz-Filmsatire „The Big Short“, auch wenn die deutlich lustiger ausfĂ€llt. Gerade weil wir es hier mit einem so absurden Skandal zu tun haben, hĂ€tte die Serienaufarbeitung - anders als zur NĂŒchternheit verdammte Zeitungsartikel und BĂŒcher - gern noch mehr ĂŒber die StrĂ€nge schlagen können. So bringt das Ganze nur wenig NĂ€hrwert, weil ja jeder das echte Video kennt und es wirklich nicht so spannend ist, zu sehen, wie die Strippenzieher die Finca verwanzt haben. Zumal die Planungen zeitlich so konfus dargestellt werden, dass man immer wieder den Durchblick verliert.

Äußerst unwahrscheinlich, dass der Vierteiler, der am heutigen Donnerstag, den 21. Oktober um 20.15 Uhr seine zwei ersten Episoden prĂ€sentiert (die zwei ĂŒbrigen dann am 28. Oktober), Schockwellen auslöst. Denn auch Strache ist lĂ€ngst vergessen und sehr viel drastischere Skandale erschĂŒttern Österreich - was natĂŒrlich nicht die Schuld von Sky ist.

Hier abschließend noch der Trailer zur Miniserie Die Ibiza AffĂ€re - Wiener Blut auf Sky:

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