Dexter 8x10

Bereits im Titel der Episode Goodbye Miami schwingt Hoffnung mit. Die Hoffnung, dass es auch fĂŒr ein vermeintliches Monster einen glĂŒcklichen Neubeginn geben kann - wenn es sich denn dafĂŒr entscheidet. Doch der reibungslose Ablauf des âPlan Bâ von Dexter Morgan (Michael C. Hall) wird zunĂ€chst vom brain surgeon durchkreuzt. Obwohl es in dieser vorvorletzten Episode auch zu Passagen kommt, die das Herz schneller schlagen lassen, ist sie beim besten Willen kein GlanzstĂŒck.
Abschied
GroĂe Strecken von Goodbye Miami verstreichen - wie bereits in einigen der VorgĂ€ngerepisoden - allzu ruhig und unspektakulĂ€r. Dabei bietet sich immerhin die Gelegenheit, die ĂŒber die Jahre hinweg ins Herz geschlossenen Charaktere noch einmal in ihrem Element zu erleben, bevor sie sich bald fĂŒr immer von den Bildschirmen verabschieden werden. In diesem Zusammenhang sticht beispielsweise Dexters etwas tollpatschige Umarmung von und mit Batista (David Zayas) hervor, dem Dex seine KĂŒndigung einreicht. In Dexters Blick ĂŒber die Schulter seines Kollegen spiegelt sie wider, dass er - trotz seiner betrĂ€chtlichen Fortschritte in puncto Empathie - noch immer nicht gĂ€nzlich mit zwischenmenschlichen Belangen warm geworden ist.
Niki Who?
Der Nebenhandlungsstrang um Masuka (C.S. Lee) und dessen Tochter Niki (Dora Madison Burge) hingegen kann nach wie vor keinerlei Relevanz fĂŒr die Handlung entwickeln. Der Moment der beiden dauert zwar nur kurz an. Zu diesem spĂ€ten Zeitpunkt von Dexters letzter Staffel ist es jedoch ein Ărgernis, wenn den beiden so verkrampft ein HĂ€ppchen Spielzeit vor die FĂŒĂe geworfen wird. Die Tatsache, dass Niki Gras raucht kĂŒmmert einen ungefĂ€hr so viel, als wĂŒrde Angel an trĂŒben Sonntagen ab und zu Minigolf spielen gehen. Die Autoren beleuchten zwar eine neue Facette von Masuka, doch falls Niki nicht doch noch in einem grandiosen Twist mit Bedeutung versehen wird, wĂ€re es rĂŒckblickend fĂŒr die Serie wohl besser gewesen, wenn sie ihren Vater nie kennengelernt hĂ€tte.
Immer gemÀchlich
Auf der anderen Seite bekommt man im Verlauf der Episode ohnehin nicht den Eindruck, als wĂŒrden die Autoren unter Zeitdruck stehen: Die Dialoge ziehen sich zeitweise zu lange hin, was besonders das Zusammenspiel von Vogel (Charlotte Rampling) und ihrem Sohn Daniel (Darri Ingolfsson) etwas zĂ€h erscheinen lĂ€sst. Gleiches gilt fĂŒr das Ende der Beziehung zwischen Quinn (Desmond Harrington) und Jamie (Aimee Garcia). Die Tatsache, dass Batistas Schwester ein tolles Angebot aus Atlanta bekommen hat, ist schön fĂŒr sie und gibt gleichzeitig Quinn den letzten AnstoĂ, um die von ihm nur noch halbherzig gefĂŒhrte Beziehung zu beenden. Dass Deb (Jennifer Carpenter) seine GefĂŒhle erwidert, ist schön fĂŒr die beiden, und kann die Freunde dieser Paarung sicher mit Freude erfĂŒllen. Carpenter und Harrington gelingt es zudem schauspielerisch, ihre GefĂŒhlsaufwallung glaubhaft zu portrĂ€tieren. Die Liebeswirren zwischen Deb, Quinn und Jamie stellen dabei aber keine der bahnbrechenden Entwicklungen dar, die man sich fĂŒr den finalen Countdown von Dexter erhofft hĂ€tte.

Vogels letzter Fehler
Talking about bahnbrechende Entwicklungen: Der groĂe Schockmoment dieser Episode ist zweifelsohne der Tod von Dr. Evelyn Vogel, die durch ihre eigene Brut aus dem Leben gerissen wird. Sie hat sich nach den harten Bildern von Zachs Hinrichtung und im Anschluss an nachvollziehbares, aber sehr zeitintensives AbwĂ€gen einmal zu oft fĂŒr den âfalschen Sohnâ entschieden, wie Daniel ihr vorwirft. In dem letzten GesprĂ€ch der beiden ist es interessant und lebensnah zu verfolgen, wie gut ein Psychopath menschliche GefĂŒhlsregungen erkennen und analysieren kann. Zumindest, wenn er zu ihnen selbst (nur) bedingt fĂ€hig ist. Durch den letzten schweren Verrat seiner Mutter endgĂŒltig aus der Bahn geworfen, schlitzt der eifersĂŒchtige Sohn seiner Mutter die Kehle auf.
Mutterliebe
Dexter muss die makabere AuffĂŒhrung hilflos durch ein Fenster beobachten. Als er schlieĂlich bei Vogel ist, wird noch einmal hervorgehoben, wie stark die GefĂŒhle fĂŒr seine spiritual mother mittlerweile ausgeprĂ€gt sind. Ohne an verrĂ€terische Spuren und die damit einhergehenden Konsequenzen zu denken, presst der Killer Evelyns Leichnam an sich. Auf der einen Seite wird dem in dieser Staffel so oft verwendeten Begriff der âFamilieâ so zu einer gröĂeren PlausibilitĂ€t verholfen. Auf der anderen Seite gibt es zwei Faktoren, die in diesem Zusammenhang die Sehfreude dĂ€mpfen. Zum einen handelt es sich bei Vogel um einen verhĂ€ltnismĂ€Ăig jungen Charakter im Dexter-Universum. Obwohl man mit der Psychiaterin - besonders, als sie mit ihrem diabolischen Sohn zitternd einen Kaffee trinkt - durchaus Mitleid empfindet, kann ihr Tod nie in einer Weise berĂŒhren, wie es zum Beispiel bei Rita der Fall gewesen war. Zum anderen wirkt es in Bezug auf Dexters PrioritĂ€tensetzung etwas unstimmig, dass er sein GlĂŒck mit Hannah (Yvonne Strahovski) und Harrison (Jadon Wells) so leichtfertig fĂŒr eine Frau aufs Spiel setzen sollte, die dem mehrfachen Mörder von Unschuldigen ganz eindeutig den Vorzug gibt - und Dexters Hilfe zunĂ€chst ĂŒberhaupt nicht möchte.
Happy End in Sicht?
Argentinien, das symbolisch wie nichts zuvor fĂŒr Dexter die Chance auf einen Neubeginn symbolisiert, winkt förmlich bereits am Horizont. Doch Dex entscheidet sich aller Vorsicht zum Trotz fĂŒr Vogel und damit fĂŒr den entferntesten Teil seiner Familie, statt einfach den nĂ€chsten Flug nach SĂŒdamerika zu buchen. Und plötzlich ist sein persönliches âHappy Endâ gleich an mehreren Fronten gefĂ€hrdet: Neben dem - höchstwahrscheinlich nur vorĂŒbergehend - verschwundenen Daniel stellt auch U.S. Marshal Cooper (Kenny Johnson) eine Gefahr fĂŒr die Familie Morgan-McKay dar.
Vorsicht ist tot
Auch die Folge Goodbye Miami enttĂ€uscht wieder durch auffĂ€llig viele Ungereimtheiten, mit denen die Handlung vorangetrieben wird. Dass sich Harrison beim Spielen auf einem Laufband verletzt, ist durchaus glaubhaft. Dies kann wohl jeder etwas unkoordiniertere Mensch nachvollziehen, der schon einmal die Bekanntschaft mit einem solchen GerĂ€t geschlossen hat. Doch warum eine versierte und mit allen Wassern gewaschene Frau wie Hannah, der Betrug sonst leicht von der Hand geht, auf dem Weg ins Krankenhaus nicht die Geistesgegenwart besitzen sollte, sich zumindest ein Tuch umzubinden, ist schwer nachvollziehbar. Ebenso merkwĂŒrdig mutet es an, dass Dexter bei der nostalgisch stimmenden Vorbereitung seines kill rooms sein Handy nicht eingeschaltet hat.

In Anbetracht der brenzligen Lage, in der sich die zur Fahndung ausgeschriebene Hannah gerade befindet, sieht dieser Fauxpas unserem einst ĂŒbervorsichtigen Dexter gar nicht Ă€hnlich. Zwar kann sich Hannah nicht „sicher“ sein, dass sie von der aufmerksamen Dame an der Rezeption des Krankenhauses erkannt wurde. Doch sollte nicht auch schon der nichtigste Anlass ausreichen, um in logischer Konsequenz (zumindest!) den Aufenthaltsort zu wechseln? Gerade, weil sie auch noch als âDebra Morganâ unterzeichnet hat und deren Wohnung ohnehin einen nur bedingt empfehlenswerten Zufluchtsort darstellt.
Fazit
Statt rasanter Passagen und EnthĂŒllungen, die einen vom Sofa katapultieren könnten, bietet sich in der Episode Goodbye Miami allzu viel harmloses GeplĂ€nkel. Es ist einfach nicht gewinnbringend, mit Lapalien wie Nikis Stonerambitionen konfrontiert zu werden, wenn die Spielzeit von Dexter doch unaufhaltsam verrinnt. Zudem hĂ€tten die GesprĂ€che zwischen Vogel und ihrem Spross genauso wie Quinns diverse Aufeinandertreffen mit Deb und Jamie sehr viel prĂ€gnanter dargebracht werden können, um dem Eindruck der Langatmigkeit entgegenzuwirken.
Daniel Vogel ist in gewisser Weise ein âungeschliffenerâ Dexter. Er ist ein skrupelloser und impulsiver Mörder, durch dessen Verhalten eindrucksvoll deutlich wird, wie weit Dexter mithilfe des Codes gekommen ist. Wie schon im Falle von Dr. Vogel liegt es auch bei Daniel in der erst kĂŒrzlich vollzogenen EinfĂŒhrung seines Charakters begrĂŒndet, dass man ihm als Zuschauer noch nicht allzu viele Emotionen entgegenbringt. Obwohl er fraglos einen gefĂ€hrlichen Gegner darstellen kann, lĂ€sst sein starrer Blick die Rezensentin merkwĂŒrdig kalt. WĂŒrde es nicht ungleich spannender sein, wenn statt einem blassen Detective und dem x-ten rivalisierenden Serienkiller beispielsweise Angel, Quinn und der Rest des MMPD auf der Spur von Dexter und Hannah wĂ€ren?
Das heile Bild der Familie aus Harrison, Hannah und Dex und die damit einhergehenden rosigen Aussichten werden aber auch grafisch durch bestimmte Bildkonstellationen - wie ein TĂŒrrahmen, der die drei umschlieĂt - stark hervorgehoben. VerdĂ€chtig stark. Ein Knalleffekt, in dem jegliche Harmonie zu Staub zerfĂ€llt, muss doch bald beginnen?!? Wird Dex am Ende doch der blutige Stoffhund aus der Folge A Little Reflection (8x06) zum VerhĂ€ngnis werden? Oder aber die Flucht nach Argentinien gelingt. Deb und Quinn besuchen die Familie in den Flitterwochen in Argentinien... und Niki steigt unterdessen darauf um, oben ohne blaues Meth unter die Leute von Miami zu bringen.
Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 16. September 2013Dexter 8x10 Trailer
(Dexter 8x10)
Schauspieler in der Episode Dexter 8x10
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