Marc Cherry, der Schöpfer der Desperate Housewives, ist mit seiner neuen Serie Devious Maids zurück auf der Mattscheibe. Handelt es sich um einen Abklatsch der verzweifelten Hausfrauen, eine Art Fortsetzung oder doch um eine eigenständige neue Serie?

Die Hauptdarstellerinnen der US-Serie „Devious Maids“: Roselyn Sanchez, Ana Ortiz, Dania Ramirez und Judy Reyes / (c) Lifetime
Die Hauptdarstellerinnen der US-Serie „Devious Maids“: Roselyn Sanchez, Ana Ortiz, Dania Ramirez und Judy Reyes / (c) Lifetime

Acht Jahre lang gingen die Desperate Housewives für ABC auf Quotenfang. Die Serie unterhielt die Zuschauer weltweit mit einer Mischung aus Soap, Comedy und Vorortkrimi oft vorzüglich. Gespannt blickt man nach dem Ende der Serie also auf das nächste Projekt von Serienschöpfer Marc Cherry. Cherry entwickelte Devious Maids ursprünglich auch für ABC, wo es jedoch abgelehnt wurde „42704“. Der Frauensender Lifetime hingegen glaubte an das Potenzial und übernahm das Format, das auf einer mexikanischen Serie basiert. Worum geht es in der Serie?

Kurzinhalt „Devious Maids“

Devious Maids handelt von vier Haushälterinnen (englisch: "Maids"), die für die Reichen und Schönen in Beverly Hills arbeiten, aber darüber hinaus weiterhin für ihre Ziele und Träume kämpfen. Überschattet wird das Ganze von dem Mord an einer Kollegin, in dem eine der Maids indirekt verwickelt zu sein scheint.

Im Mittelpunkt stehen die zahlreichen Haushälterinnen. Die verwitwete Rosie (Dania Ramirez, Heroes) arbeitet für die Schauspieler Peri (Mariana Klaveno) und Spence Westmore (Grant Show), welche in der Öffentlichkeit gerne heraushängen lassen, was für gute Eltern sie sind, obwohl ihre Angestellte den Löwenanteil der Kindeserziehung leistet. Carmen (Roselyn Sánchez) träumt davon, einmal als Sängerin groß rauszukommen. Dazu müsste sie nur mal zu ihrem Boss Alejandro (Matt Cedeño) durchdringen, was jedoch leichter gesagt als getan ist, denn vor allem ihre Vorgesetzte Odessa (Melinda Page Hamilton) legt ihr zahlreiche Stolpersteine in den Weg. Außerdem wäre da noch Zoila (Judy Reyes), die bei Genevieve Delatour (Susan Lucci) angestellt ist und dort gemeinsam mit ihrer Tochter Valentina (Edy Ganem) arbeitet. Zoila entdeckt bald, dass sich ihre Tochter in Remi (Drew Van Acker), den Sohn ihrer Arbeitgeberin verliebt, was der Mutter offenbar schwer zu schaffen macht.

Die Angestellten verbringen ihre Freizeit miteinander, indem sie über ihre Arbeitgeber und ihre Arbeit lästern, sich gegenseitig beraten oder Trost spenden. Als die Affäre zwischen einer weiteren Kollegin namens Flora und ihrem Arbeitgeber Adrian Powell (Tom Irwin) während eines großen gesellschaftlichen Ereignisses von dessen Ehefrau Evelyn (Rebecca Wisocky) aufgedeckt wird, verfasst Flora unter Tränen einen Abschiedsbrief, in dem sie davon spricht, vergewaltigt worden zu sein, und damit droht, die Wahrheit aufzudecken. Doch bevor es dazu kommen kann, wird sie ermordet, scheinbar von einem jungen Mann - einer weiteren Affäre? Evelyn interessiert sich allerdings weniger für den Tod ihrer Maid, sondern vielmehr dafür, wer das Chaos nun wieder bereinigt.

Zeitgleich taucht nun die neue Angestellte Marisol (Ana Ortiz) auf, die beim frisch verheirateten Paar Taylor (Brianna Brown) und Michael Stappord (Brett Cullen) vorstellig wird. Taylor ist zunächst vorsichtig, was die Anstellung von Marisol angeht. Weder verfügt sie über einen Akzent, wie die anderen Haushälterinnen, noch wirkt sie sonst wie eine typische Haushaltshilfe. Marisol bietet zunächst an, für eine Woche auf Probe zu arbeiten. Dabei kommt auch der Grund für Taylors Misstrauen heraus: Michaels Ex-Frau belästigt das frische Ehepaar des Öfteren mit verrückten Besuchen. Bei einem Empfang kann sich Marisol aber durch ihre resolute Art beweisen und gewinnt so das Vertrauen von Taylor. Außerdem übernimmt sie auch den Haushalt der Stappords.

Zum Ende der Episode stellt sich heraus, dass sie genau dorthin wollte. Denn: Sie ist die Mutter des Mannes, der angeblich Flora erstochen hat und nun im Gefängnis sitzt. Wie sich im Verlauf der Episode schon angedeutet hat, untersucht Marisol verdeckt die genauen Umstände des Verbrechens und will den wahren Täter ermitteln.

Desperate Maids?

Es fällt schwer, Devious Maids nicht mit Desperate Housewives zu vergleichen, wo doch einige Gemeinsamkeiten so offensichtlich sind. Die Protagonisten sind zwar nicht direkt reiche Vorstädter, aber immerhin arbeiten sie für ebensolche. Der Score der Episode benutzt teilweise täuschend ähnliche Motive wie Marc Cherrys ehemalige Serie. Besagte Vorstädter und ihre Angestellten verbergen massenweise Geheimnisse und träumen insgeheim von Zielen, die zunächst in weiter Ferne liegen. Außerdem gibt es einen Mord, der die Handlung in Gang bringt. Immerhin: Bei Desperate Housewives war die Initialzündung ein Selbstmord. Es fehlt eigentlich nur das Voice-Over.

Wenn man dann jedoch auf die Details achtet, kommen die feinen Unterschiede zutage. Zunächst einmal muss man Marc Cherry und Lifetime zugute halten, dass die Hauptfiguren allesamt Latinas sind - in der heutigen Serienlandschaft eine löbliche Ausnahme. Auch der Fokus auf eine Gruppe am sozialen Rand der Gesellschaft - und das im doppelten Sinne durch ihre Ethnie und ihre finanzielle Stellung - ist sicherlich etwas, das man in aktuellen Serien eher in Ausnahmefällen zu sehen bekommt.

Gänzlich uninteressant sind die Träume und Ziele der Maids natürlich auch nicht, sie sind in manchen Fällen sogar sehr mutig, bedenkt man die realpolitischen Gegebenheiten.

Besonders Rosie, der Witwe in der Runde, die ihr Kind in ihrer Heimat Mexiko allein zurücklassen musste, ist eine Figur, die in der Wirklichkeit leider sehr viele Doppelgänger hat. Pikant ist dabei der in der Pilotepisode angedeutete Konflikt mit ihrer Arbeitgeberin, die vor der Kamera so tut, als wäre sie die größte Mutter überhaupt und zu Protokoll gibt, dass sie ihr Kind nie in einem anderen Land allein lassen könnte. Die Retourkutsche folgt natürlich auf dem Fuß, als sie von ihrer Maid vor laufenden Kameras bloßgestellt wird, weil das Kind sie, die Maid, angeblich Mama genannt hat.

Marc Cherrys Handschrift ist unverkennbar

Wie sich diese Handlung entspinnt und die ersten Konflikte der Pilotepisode aufgelöst werden, ist exemplarisch für den Schreibstil von Marc Cherry und seinem Team. War es bei seiner ehemaligen Serie oft eine Hausfrau, die ihren Mann, Lebensabschnittsgefährten oder Rivalen ein Schnippchen schlagen konnte, nachdem man bloßgestellt wurde, so ist es hier die Haushilfe, die ihrer Arbeitgeberin eine Lektion erteilen darf - und das nicht nur einmal. Auch Marisol und Carmen dürfen nämlich ähnliche kleine Triumphe erleben. Gewisse Gemeinsamkeiten sind also durchaus auszumachen. Man könnte fast sagen: vorhersehbar und darum etwas langweilig.

Dass Marisol etwa nicht die ist, die sie vorgibt zu sein, wird von Beginn an mehr als deutlich gemacht, sodass man sich eigentlich nur fragt, wie genau sie in den anfänglichen Mordfall verwickelt ist. Interessant könnte das dennoch sein, es kommt eben darauf an, wie der Stoff künftig aufbereitet wird.

Die anderen Storylines wirken so, als hätten sie so oder so ähnlich ohne Probleme auch in Cherrys vorheriger Serie stattfinden können - nur eben mit leicht vertauschten Rollen. Die Haushaltshilfe fängt etwas mit dem Sohn der Hausfrau an? Eine Figur wäre gerne Sängerin statt Haushaltshilfe? Man tausche dies mit den Worten Hausfrau, Gärtner und Modell und schon hätte man zwei Plots von Gabrielle Solis aus „DH“.

Denn was Devious Maids bisher fehlt, ist der Biss. Die Handlung der Pilotepisode wirkt zu brav, auch wenn die typischen Akt-Auflösungen des Showrunners vorhanden sind, zünden diese nicht richtig. Obwohl Lifetime ein Kabelsender ist, auf dem mehr möglich wäre, als beim von Natur aus deutlich konservativerem ABC durfte Desperate Housewives dort immer wieder mit den Grenzen von dem spielen, was im Network-Bereich möglich ist. Gerade der Kontrast aus angeblich so perfekten Vorstadtidylle, Mord, Intrigen und Geheimnissen hat die Serie, die dabei einige Höhen und Tiefen hatte, über ihre Laufzeit oft interessant und sehenswert gemacht. Diese Elemente sind in Devious Maids in Grundzügen erkennbar, ihr Potenzial wird aber nicht gänzlich befriedigend wie beim Vorgänger-Format abgerufen. Kurz: Hier fehlt irgendwie der Bums.

Natürlich ist Lifetime nicht als der mutigste Kabelsender bekannt, man ist eben nicht FX, AMC oder HBO, sondern ein Sender, der für seine harmonischen, frauenaffinen Formate bekannt ist. Aber ein wenig mehr Mut zur Unvorhersehbarkeit wäre in den zukünftigen Episoden begrüßenswert - es sei denn, man beabsichtigt die Serie als eine seichtere Kopie von Desperate Housewives für das Kabelsegment.

Fazit

Wer die Desperate Housewives vermisst und eine zumindest im Serienpiloten etwas harmlosere Kopie derselbigen - nur eben ohne großen Reichtum des Protagonisten-Quartetts - anschauen möchte und den Arbeitsstil von Marc Cherry immer erfrischend fand, kann sich Devious Maids durchaus anschauen.

Mit etwas mehr Biss, mehr Mut, ein paar unerwarteten Wendungen und einer besseren Herausarbeitung dessen, was die Standesunterschiede zwischen Angestellten und Arbeitgebern anbelangt, wären die präsentierten Konflikte sicherlich noch etwas sehenswerter. Aber wie wir wissen: Aller Anfang ist schwer.

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