Devilman Crybaby 1x01

Devilman Crybaby 1x01

Netflix bestellt mit Devilman Crybaby einen Action-Anime basierend auf dem ShÎnen-Klassiker von Go Nagai und erhÀlt von Gaga-Regisseur Masaaki Yuasa ein surrealistisches Meisterwerk, dessen Serienpilot mehr ins MOMA als auf die Mattscheibe gehört.

Ryo und Akira aus „Devilman Crybaby“ (c) Netflix
Ryo und Akira aus „Devilman Crybaby“ (c) Netflix
© yo und Akira aus „Devilman Crybaby“ (c) Netflix

Als Animefan bekommt man bisweilen das GefĂŒhl, dass Netflix im Rahmen seiner EinkĂ€ufe und Eigenproduktionen womöglich nicht den kompletten Durchblick besitzt und mit vereinzelten Highlights wie Cowboy Bebop eher Zufallstreffer gelandet hat. Genau diese vermeintliche Planlosigkeit könnte es jedoch sein, die nun im großen Stil unerwartet atemberaubende FrĂŒchte getragen und eines der spannendsten Animeprojekte der letzten Jahre hervorgebracht hat.

Wie sonst soll man es sich erklĂ€ren, dass Regisseur Masaaki Yuasa, das verrĂŒckt-geniale Mastermind hinter freigeistigen Animedrogentrips wie „Mind Game“ den simpel gestrickten ShĂŽnen-Actionklassiker „Devilman“ von Go Nagai als modernes Remake umsetzen sollte? Und es getan hat? Und dass dieses verdammte Kunstwerk nun einem internationalen Mainstream-Publikum prĂ€sentiert wird, das im besten Fall keine Ahnung hat, was der Netflix-Algorithmus da auftischt? Was fĂŒr spannende Zeiten es sind, in denen wir leben!

Netflix
Netflix - © Netflix

Die Pilotepisode von Devilman Crybaby mit dem betörend sanften Titel I Need You beginnt nach dem gelungenen Rohrschach- und Techno-Opening genau wie die 70er Jahre Animeumsetzung von Nagais Werk, welche zu ihrer Zeit zu den ersten blutigeren Angelegenheiten im Animebereich zĂ€hlte. Sofort ist die unbĂ€ndige Handschrift Yuasas zu spĂŒren, der die denkbar einfache PrĂ€misse der actionorientierten Vorlage mit seiner eigenen, von Animekonvention losgelösten Note anreichert. Eine dynamische, fast fließende Animation, wabende, unstete Proportionen von Formen und Figuren, die spĂ€testens dem dĂ€monischen Showdown zugutekommen und eine unendlich inspirierte Inszenierung.

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Auf der beinahe zu vernachlĂ€ssigenden Handlungsebene haben wir es mit zwei Kindheitsfreunden zu tun: dem hartgesottenen Ryo und dem zartbesaiteten Akira, der titelstiftenden Heulsuse des StĂŒcks. Als Ryo eines Tages von einer Forschungsreise mit Informationen ĂŒber eine DĂ€moneninvasion zurĂŒckkehrt, entfĂŒhrt er seinen langjĂ€hrigen Freund auf eine sogenannte Sabbath-Party, auf der Beteiligte dazu einladen, von DĂ€monen besessen zu werden. Hier geht es tatsĂ€chlich so ausgelassen zu wie auf lasziven Underground-Raves, was aber laut Ryo noch viel zu fromm fĂŒr den gewĂŒnschten Effekt sei und so richtet er kurzerhand ein Blutbad unter den GĂ€sten an.

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Der besondere Saft der Orgienteilnehmer lockt tatsĂ€chlich die DĂ€monenbrut heran, wodurch auch animationstechnisch komplett die Hölle losbricht. Jeder Screenshot wĂ€re auch als psychedelisches WandgemĂ€lde in einem 60er Jahre Junggesellenschuppen mit Lavalampe nicht verkehrt am Platz, aber vor allem fĂŒhlt sich alles sleazy und ein bisschen gefĂ€hrlich an. Ryos Plan, seinen sanften Kumpel an die DĂ€monen zu verfĂŒttern, geht jedenfalls auf, doch anstatt von ihnen konsumiert zu werden, geht Akira eine Symbiose mit den Wesen ein und wird zum mĂ€chtigen Devilman, dessen Rolle im Mensch-DĂ€monen-Konflikt die ĂŒbrigen neun Folgen ausmachen wird.

Fazit

Holy hell! Auch wenn das ebenso schrille wie kunstvolle „Devilman Crybaby“ fĂŒr die VerhĂ€ltnisse des Regisseurs beinahe zurĂŒckhaltend und konventionell erscheint, ist es wirklich unglaublich, was sich hier via Netflix in die Wohnzimmer der Zuschauer schleicht. Eine Empfehlung geht in diesem Fall nicht nur an Freunde von unkonventioneller Animation, sondern vor allem auch an Fans von Exploitation-Filmen der 70er und kontroversem Programmkino Ă  la Haneke, von Trier, Miike oder sogar Buttgereit. Man fĂŒhlt sich hinterher ein bisschen schmutzig, aber auf eine sehr erhabene, inspirierte Art und Weise.

Verfasser: Mario Giglio am Dienstag, 9. Januar 2018

Devilman Crybaby 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Devilman Crybaby 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Ich brauche dich
Titel der Episode im Original
I Need You
Erstausstrahlung der Episode in Japan
Freitag, 5. Januar 2018 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. Januar 2017
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 5. Januar 2018
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 5. Januar 2018

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