Deutscher: Review der Pilotepisode

Deutscher: Review der Pilotepisode

Heute läuft auf ZDFNeo die vierteilige deutsche Dramaserie Deutscher an. In dieser wird ein Szenario durchgespielt, dem viele in Deutschland mit Furcht entgegensehen: Es geht darum, dass eine rechtspopulistische Partei in die Regierung gewählt wird.

Szenenbild aus der Pilotepisode von Deutscher (c) ZDF
Szenenbild aus der Pilotepisode von Deutscher (c) ZDF
© zenenbild aus der Pilotepisode von Deutscher (c) ZDF

Aber sie schämen sich nicht mehr für ihre Aussagen

In Deutschland haben Wahlen stattgefunden. Nachdem die letzten Jahre über die „etablierten“ Parteien immer weiter Stimmen verloren und rechtspopulistische Parteien im Gegensatz dazu Stimmen gewonnen haben, haben letztere es nun in die Regierung geschafft. Sie bilden die zweitstärkste Kraft des deutschen Parlaments.

Auf den ersten Blick wirken beide Familien, Familie Schneider und Familie Pielcke, total normal und es scheint so, als ob sie einander sehr ähnlich wären, doch der Schein trügt. Die Ergebnisse werden sowohl negativ als auch positiv aufgefasst. Dabei repräsentieren diese beiden Familien, denen wir in ihrem Alltagsleben folgen, diese zwei politischen Lager. Sie sprechen über die möglichen Auswirkungen der Wahl und alles, was sie diesbezüglich beschäftigt. Dabei werden Fragen aufgeworfen und Themen angesprochen, mit denen sich wohl jeder mal beschäftigt hat.

Familie Pielcke fühlt sich benachteiligt. Sie verdienen nicht nur weniger als andere, sondern sie fühlen sich auch sozial ausgeschlossen. Die Nachbarn nutzen sie nur für Handwerker-Arbeiten aus und wollen ansonsten nichts mit ihnen zu tun haben. Außerdem wird ihr Sohn Marvin in der Schule von Ausländern gemobbt. Gegen das Mobbing wird vonseiten der Lehrer nichts unternommen, so dass es auch kein Ende nimmt und sich in ihm ein tiefgreifender Ausländerhass entwickelt.

Familie Schneider werden als die guten, normalen Bürger dargestellt, die selbstverständlich das Richtige tun, indem sie Bioprodukte kaufen und gegen Rechtsextremismus sind. Der Vater Christoph (Felix Schmidt-Knopp) ist Lehrer und versucht nach einem Kommentar seines Sohnes, gegen die türkisch (aussehenden) Drogendealer anzukommen. Währenddessen muss sich seine Ehefrau Eva (Meike Droste), Apothekerin, auf der Arbeit von einer Kundin immer wieder gehässige Kommentare über ihren Kollegen Burak (Atheer Adel) anhören, der keine „deutschen Wurzeln“ besitzt. Eines Tages befinden sie sich zusammen im Auto und Burak fährt ausgerechnet Rechtsextremisten ins Heck. Die Situation eskaliert und beide werden angegriffen. Dieser Vorfall verängstigt und verstört sie und wird wohl noch einen größeren Keil zwischen sie und ihre Nachbarn beziehungsweise Menschen, die sich rechtsextremistisch verhalten, treiben. Zudem offenbart sie, dass sie schwanger ist und das Baby durch diesen Angriff hätte verlieren können.

Die beiden Familien könnten also kaum unterschiedlicher sein. Sie verbindet nur eine gemeinsame Hauswand, da sie Nachbarn sind, sowie die unerwartete, aber langsam bröckelnde Freundschaft zwischen ihren Söhnen David und Marvin.

Letzten Endes kommt es, wie es kommen muss und das Pulverfass geht hoch: Ein Burgerladen, der (wahrscheinlich) von „Türkischstämmigen“ geführt wird, wird angezündet. Besitzer des Ladens ist der Vater der Freundin von David Schneider. Somit ist er erneut von den rechtsextremen Übergriffen betroffen und wird Zeuge von deren ausartender Gewalt.

Damit eskaliert die Situation zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal. Durch diesen narrativen Schachzug hat die Serie genügend Zündstoff für weitere Erzählungen. Dieser Vorfall wird weitere Steine ins Rollen bringen, denn solch ein Attentat betrifft nicht nur die Besitzer des Ladens und ihre Familie(n), sondern wird auch mit Sicherheit auch für Gesprächsstoff in der Stadt sorgen.

Wie kommt's rüber?

Das Dilemma, das diese Wahl mit sich bringt, wird uns durch zwei Familien nähergebracht. Diese repräsentieren die Spaltung, die die Gesellschaft durch die Ergebnisse der Wahl durchmacht. Dabei gibt es zum einen diejenigen, die die Ergebnisse der Wahl befürworten und den erhofften Veränderungen mit Freude entgegenblicken. Zum anderen diejenigen, die der bevorstehenden Zeit eher mit Furcht begegnen.

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Die Serie ist auf typisch deutsche Art inszeniert. Alles und alle wirken vertraut. Es werden außerdem keine großen Reden geschwungen. Stattdessen bleiben wir in einem familiären Milieu und können uns in die Figuren hineinversetzen.

Die Stadt, in der die Serie spielt, wird nicht beim Namen genannt und es werden auch keine Andeutungen auf deren Identität gemacht. Der Ort selbst ist also unbedeutend. Die Vorfälle hingegen sollen stellvertretend für die sich verschärfende Situation in Deutschland stehen.

Nach der ersten Folge lässt sich noch nicht allzu viel zu der Serie sagen. Ich finde, sie polarisiert die zwei politischen Seiten nicht zu sehr, indem uns beide Familien nähergebracht und „vermenschlicht“ werden. Gleichzeitig scheut sie aber auch nicht vor dramatisierten Szenen wie verbalen und körperlichen Angriffen bis hin zu der Brandstiftung zurück.

Fazit

Die erste Episode ist eindeutig als Setup für die vierteilige Miniserie anzusehen. Dabei wurden alle Weichen für eine dramatische, konfliktreiche und spannende Serie mit einer überaus interessanten, relevanten und aktuellen Prämisse gestellt. Natürlich kann die Serie nicht die Zukunft widerspiegeln. Trotzdem wirft Deutscher aktuelle Fragen auf, die die deutsche Gesellschaft beschäftigen und bereits teilweise spalten.

Insgesamt liefert die Pilotepisode eine solide Leistung ab. Es bleibt abzuwarten, ob/wie sie dieses schwierige Thema (weiterhin) meistert.

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