Deutscher 1x01

© zenenbild aus der Pilotepisode von Deutscher (c) ZDF
Aber sie schĂ€men sich nicht mehr fĂŒr ihre Aussagen
In Deutschland haben Wahlen stattgefunden. Nachdem die letzten Jahre ĂŒber die „etablierten“ Parteien immer weiter Stimmen verloren und rechtspopulistische Parteien im Gegensatz dazu Stimmen gewonnen haben, haben letztere es nun in die Regierung geschafft. Sie bilden die zweitstĂ€rkste Kraft des deutschen Parlaments.
Auf den ersten Blick wirken beide Familien, Familie Schneider und Familie Pielcke, total normal und es scheint so, als ob sie einander sehr Ă€hnlich wĂ€ren, doch der Schein trĂŒgt. Die Ergebnisse werden sowohl negativ als auch positiv aufgefasst. Dabei reprĂ€sentieren diese beiden Familien, denen wir in ihrem Alltagsleben folgen, diese zwei politischen Lager. Sie sprechen ĂŒber die möglichen Auswirkungen der Wahl und alles, was sie diesbezĂŒglich beschĂ€ftigt. Dabei werden Fragen aufgeworfen und Themen angesprochen, mit denen sich wohl jeder mal beschĂ€ftigt hat.
Familie Pielcke fĂŒhlt sich benachteiligt. Sie verdienen nicht nur weniger als andere, sondern sie fĂŒhlen sich auch sozial ausgeschlossen. Die Nachbarn nutzen sie nur fĂŒr Handwerker-Arbeiten aus und wollen ansonsten nichts mit ihnen zu tun haben. AuĂerdem wird ihr Sohn Marvin in der Schule von AuslĂ€ndern gemobbt. Gegen das Mobbing wird vonseiten der Lehrer nichts unternommen, so dass es auch kein Ende nimmt und sich in ihm ein tiefgreifender AuslĂ€nderhass entwickelt.
Familie Schneider werden als die guten, normalen BĂŒrger dargestellt, die selbstverstĂ€ndlich das Richtige tun, indem sie Bioprodukte kaufen und gegen Rechtsextremismus sind. Der Vater Christoph (Felix Schmidt-Knopp) ist Lehrer und versucht nach einem Kommentar seines Sohnes, gegen die tĂŒrkisch (aussehenden) Drogendealer anzukommen. WĂ€hrenddessen muss sich seine Ehefrau Eva (Meike Droste), Apothekerin, auf der Arbeit von einer Kundin immer wieder gehĂ€ssige Kommentare ĂŒber ihren Kollegen Burak (Atheer Adel) anhören, der keine „deutschen Wurzeln“ besitzt. Eines Tages befinden sie sich zusammen im Auto und Burak fĂ€hrt ausgerechnet Rechtsextremisten ins Heck. Die Situation eskaliert und beide werden angegriffen. Dieser Vorfall verĂ€ngstigt und verstört sie und wird wohl noch einen gröĂeren Keil zwischen sie und ihre Nachbarn beziehungsweise Menschen, die sich rechtsextremistisch verhalten, treiben. Zudem offenbart sie, dass sie schwanger ist und das Baby durch diesen Angriff hĂ€tte verlieren können.
Die beiden Familien könnten also kaum unterschiedlicher sein. Sie verbindet nur eine gemeinsame Hauswand, da sie Nachbarn sind, sowie die unerwartete, aber langsam bröckelnde Freundschaft zwischen ihren Söhnen David und Marvin.
Letzten Endes kommt es, wie es kommen muss und das Pulverfass geht hoch: Ein Burgerladen, der (wahrscheinlich) von „TĂŒrkischstĂ€mmigen“ gefĂŒhrt wird, wird angezĂŒndet. Besitzer des Ladens ist der Vater der Freundin von David Schneider. Somit ist er erneut von den rechtsextremen Ăbergriffen betroffen und wird Zeuge von deren ausartender Gewalt.
Damit eskaliert die Situation zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal. Durch diesen narrativen Schachzug hat die Serie genĂŒgend ZĂŒndstoff fĂŒr weitere ErzĂ€hlungen. Dieser Vorfall wird weitere Steine ins Rollen bringen, denn solch ein Attentat betrifft nicht nur die Besitzer des Ladens und ihre Familie(n), sondern wird auch mit Sicherheit auch fĂŒr GesprĂ€chsstoff in der Stadt sorgen.
Wie kommt's rĂŒber?
Das Dilemma, das diese Wahl mit sich bringt, wird uns durch zwei Familien nĂ€hergebracht. Diese reprĂ€sentieren die Spaltung, die die Gesellschaft durch die Ergebnisse der Wahl durchmacht. Dabei gibt es zum einen diejenigen, die die Ergebnisse der Wahl befĂŒrworten und den erhofften VerĂ€nderungen mit Freude entgegenblicken. Zum anderen diejenigen, die der bevorstehenden Zeit eher mit Furcht begegnen.

Die Serie ist auf typisch deutsche Art inszeniert. Alles und alle wirken vertraut. Es werden auĂerdem keine groĂen Reden geschwungen. Stattdessen bleiben wir in einem familiĂ€ren Milieu und können uns in die Figuren hineinversetzen.
Die Stadt, in der die Serie spielt, wird nicht beim Namen genannt und es werden auch keine Andeutungen auf deren IdentitĂ€t gemacht. Der Ort selbst ist also unbedeutend. Die VorfĂ€lle hingegen sollen stellvertretend fĂŒr die sich verschĂ€rfende Situation in Deutschland stehen.
Nach der ersten Folge lĂ€sst sich noch nicht allzu viel zu der Serie sagen. Ich finde, sie polarisiert die zwei politischen Seiten nicht zu sehr, indem uns beide Familien nĂ€hergebracht und „vermenschlicht“ werden. Gleichzeitig scheut sie aber auch nicht vor dramatisierten Szenen wie verbalen und körperlichen Angriffen bis hin zu der Brandstiftung zurĂŒck.
Fazit
Die erste Episode ist eindeutig als Setup fĂŒr die vierteilige Miniserie anzusehen. Dabei wurden alle Weichen fĂŒr eine dramatische, konfliktreiche und spannende Serie mit einer ĂŒberaus interessanten, relevanten und aktuellen PrĂ€misse gestellt. NatĂŒrlich kann die Serie nicht die Zukunft widerspiegeln. Trotzdem wirft Deutscher aktuelle Fragen auf, die die deutsche Gesellschaft beschĂ€ftigen und bereits teilweise spalten.
Insgesamt liefert die Pilotepisode eine solide Leistung ab. Es bleibt abzuwarten, ob/wie sie dieses schwierige Thema (weiterhin) meistert.
Verfasser: Maike Karr am Dienstag, 28. April 2020(Deutscher 1x01)
Schauspieler in der Episode Deutscher 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?