Detroiters 1x01

© im (Tim Robinson, l.) und Sam (Sam Richardson) sind „Detroiters“. / (c) Comedy Central
Das neueste Erzeugnis aus dem Hause Comedy Central heißt Detroiters und handelt von zwei ziemlich schrägen Werbemanagern aus der titelgebenden Großstadt, die mit ungewöhnlichen Methoden versuchen, ein einstmals renommiertes Unternehmen zu alter Größe zurückzuführen. Zum ersten Mal lernen wir Tim Cramblin (Tim Robinson) und Sam Duvet (Sam Richardson aus Veep) kennen, als sie Regie für einen Werbespot führen, der die Produkte des „Hot Tub King of Detroit“, Eddie Champagne (Steve Higgins), bewerben soll.
Time to fly
Warum ihre Firma so schlecht dasteht, warum kurz nach dem Abschied von Firmengründer Hank, Tims Vater, nicht nur sämtliche Klienten, sondern auch fast alle Angestellten das Unternehmen fluchtartig verließen, wird gleich in dieser ersten Szene ersichtlich. Sam und Tim sind schlichtweg Vollidioten. Aber immerhin sind sie sehr witzige Vollidioten. Nachdem sie dem bemitleidenswerten Eddie viel zu heißes Wasser über die Birne gegossen und sich darüber kaputtgelacht haben, türmen sie von dem improvisierten Filmset, weil ihr Zuflüsterer ihnen gesteckt hat, wo sie den Mann finden, der ihnen zu Glanz und Gloria verhelfen soll.
Carter Grant (Jason Sudeikis, auch Executive Producer der Serie) ist Marketingchef beim US-Autoriesen Chrysler, der seinen Firmensitz bekanntlich in der sogenannten Motor City hat. Für Tim und Sam ist ein Chrysler-Auftrag das goldene Werbekalb. Letztgenannter hängt diesem Wunsch gar so sehr nach, dass er ihn als Toppriorität auf seinem heimischen dream board platziert hat. Und weil Grant am liebsten in einem Steakhaus speist, bespritzen die beiden Werbepfeifen ihre Krawatten mit BBQ-Sauce, bevor sie ganz unvermittelt an seinem Tisch auftauchen, an dem er sich gerade mit den Abgesandten einer großen Werbeagentur aus Chicago unterhält.
Sam und Tim lassen sich davon nicht beeindrucken, sondern schaffen es, sich einen Termin für den nächsten Tag auszuhandeln. Zwischen ihnen und ihrem großen Traum steht jetzt nur noch eine lange Nacht, in der ihnen nicht weniger als die perfekte Werbeidee einfallen muss. Solch mediokren Vorschläge wie „Be nicer, drive a Chrysler“ lassen die Konzentration aber schnell sinken, weshalb sie versuchen, aus einer Partie Bürobasketball neue Motivation zu schöpfen. Stattdessen gilt ihre Aufmerksamkeit aber einer vermeintlich unzerstörbaren Glaswand, die sie fortan mit allem bearbeiten, was sie in die Hände bekommen.
Weil Robinson und Richardson - auch im echten Leben beste Freunde - mit schier unerschöpflicher Begeisterungsfähigkeit in ihren Rollen aufgehen, driften solche Szenen nie ins Lächerliche, Überspitzte ab. Ja, das Format ist sehr ulkig, bisweilen sogar albern. Aber es gelingt ihm in der Pilotepisode immer wieder, die Figuren zu erden, bevor sie der völligen Absurdität anheimfallen. Die Basketballpartie wird zwar gefolgt vom Verzehr seit Jahrzehnten abgelaufener Diätpillen („This is basically speed.“), endet aber in einer beinahe schon zärtlichen Szene, die nicht nur Wunder hinsichtlich der Charakterzeichnung bewirkt, sondern der Serie und den Figuren auch eine regionale Verwurzelung gibt, die so viele andere Comedys nicht haben.
Nothing personal, just business
Die beiden glück- und talentlosen Werbemanager ziehen sich nämlich, wenn die Kneipen der Stadt schon geschlossen haben, bevorzugt zur Müllwagendeponie zurück, um dort über ihr Leben und ihre Arbeit nachzudenken; vor allem aber, um den Fahrern ebenjener Müllwagen ihre Bewunderung zuzurufen, wenn die zu ihren morgendlichen Runden ausrücken. Eben dort kommt ihnen schließlich die Idee, von der sie glauben, sie könnte ihnen den Chrysler-Auftrag einbringen: „Every Chrysler is like the City of Detroit on four wheels.“ Das ist aber leider auch der Zeitpunkt, an dem ihnen besagte Begeisterungsfähigkeit zum Nachteil gereicht.
Am nächsten Morgen sind sie so aufgeregt, dass Tim gar nicht auf die Straße schaut und dabei Grant überfährt. Der überlebt zwar und kann sich nicht daran erinnern, wer ihn ins Krankenhaus befördert hat, will den Pitch aber trotzdem nicht hören, weil er sich längst für die Chicagoer Werber entschieden hat. Sams wütende Reaktion darauf - er will Grant den Stecker ziehen, obwohl der gar nicht an Geräte angeschlossen ist - hat hernach zur Folge, dass sich er und Tim den Chrysler-Traum wohl für immer abschminken können. Allzu lange hält die Trauer darüber aber nicht an.
Aus unerwarteter Quelle erhalten sie nämlich gute Neuigkeiten, wenn auch nicht direkt für sie oder ihren unternehmerischen Erfolg: Eddie Champagne ist gar nicht so sauer wegen des Werbevideos, das Sam und Tim in die Hände von Filmstudentin Lea (Lailani Ledesma) gegeben hatten, was die dazu nutzte, einen Studentenfilm mit Arthouse-Anstrich daraus zu machen. Immerhin ist dadurch sein Liebesleben gerettet worden, dank eines simplen Versuchs: „For the first time ever, we tried the woman on top. It was amazing.“
Sam ist davon so begeistert, dass er den bisherigen Platz eins auf seinem dream board - Chrysler - sofort mit dem Wunsch ersetzt, beim Sex auch einmal seine Partnerin nach oben zu lassen. Im Gegensatz zu seinem besten Freund und direkten Nachbarn Tim, der mit seiner Schwester Chrissy (Shawntay Dalon) zusammen ist, fehlt ihm aber offensichtlich eine feste Freundin. Dafür wohnt er im eigenen Haus, das er für günstiges Geld erstanden hat und eigentlich flippen wollte. Bis heute hat er das aber nicht geschafft, weil es „zu schwierig“ ist, wie er seiner Schwester selbstzufrieden entgegnet.
Es ist der witzige Schlusspunkt einer Pilotepisode, die vor lauter Witz, Punchlines und ebenso liebenswerten wie verqueren Figuren aus allen Nähten platzt. Bravo, Detroiters, bravo.
Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 8. Februar 2017Detroiters 1x01 Trailer
(Detroiters 1x01)
Schauspieler in der Episode Detroiters 1x01
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