Haben wir Blut geleckt? So ist die Joyn-Serie „Der Upir“ gelungen

© Joyn
Der Upir - was ist das eigentlich?
Im Grund genommen ist ein Upir ein Vampir im Werden - ein Blutsauger-Praktikant sozusagen. Der muss sich erst einmal bewähren, um dann zu entscheiden, ob er auf ewig bissig bleiben oder zum ganz alltagsnormalen Dasein als Mensch zurückkehren will. Aber immer der Reihe nach.
Geh nie durch diese Kellertür!
Eddie (Comedian Fahri Yardim, Jerks) ist in der Serie Der Upir ein aufstrebender Berliner Burgerbudenbesitzer und glücklich mit seiner Freundin Julie (Aenne Schwarz, „Vor der Morgenröte“). Was zum Glück noch fehlt, ist das Eigenheim - etwas ganz Besonderes soll es sein. Sprich eine etwas marode wirkende alte Villa in einem Randbezirk der Bundeshauptstadt. Eddie trifft sich zur Besichtigung mit Maklerin Frau Solbach (Stephanie Petrowitz, „The Zone of Interest“).
Und da passiert's: Die Maklerin verschwindet plötzlich im dunklen Keller. Auf der Suche nach ihr trifft Eddie schließlich auf den zotteligen Igor (Multikünstler Rocko Schamoni, als Schauspieler unter anderem neben Helge Schneider in „00 Schneider: Im Wendekreis der Eidechse“). Auch wenn Igor nicht inbrünstig an Eddies großem Zeh saugen würde, wäre unschwer zu bemerken, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmt.
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Neue Existenz als Der Upir
Igor, der sich natürlich auch den Lebenssaft der Maklerin einverleibt hat. offenbart Eddie, dass er ein steinalter Vampir sei. Wie lange er schon in dem Keller gefangen ist, hat er an seinen Zehennägeln gemessen. Und durch seinen Biss ist Eddie zum Upir geworden, einem Vampiranwärter.
30 Tage, so erklärt ihm sein neuer Meister, muss Eddie diesem nun zu Willen sein, um danach entweder ein vollwertiger Blutsauger zu werden oder aber durch den Upir-Kuss seine Menschlichkeit zurückzuerlangen. Flüchten ist derweil nicht, da der frischgebackene Upir ein Mal auf der Brust trägt, mittels dem ihn sein Meister jederzeit zu sich rufen kann. Dies demonstriert Igor bei Eddies Fluchtversuch.
Als Erstes verlangt Igor von ihm, ihn aus dem Keller zu befreien. Hierzu ruft Eddie seinen Gelegenheitskumpel Andi (der österreichische Kabarettist David Scheid) an, der per Bus herbeieilt und die Kellertür öffnet. Anschließend wird er von Eddie recht schnell wieder davonkomplimentiert.
Was tun mit der Toten?
Als Nächstes muss Eddie Igor dabei helfen, die Leiche von Frau Solbach loszuwerden. An und für sich kein großes Ding - sie setzen die Verstorbene in ihren Wagen und schicken diesen auf eine Irrfahrt. Dummerweise erwischt es dabei den armen Andi, der schwerverletzt auf der Strecke bleibt und natürlich vom Upir und seinem vorübergehend flugunfähigen Meister gefunden wird. Zu dritt fahren sie in die Stadt zurück, wo in Eddies Wohnung eine unerfreuliche Überraschung wartet.
Alles, nur kein Dracula
„Der Upir“ ist freilich nicht die erste deutsche Vampirserie. Es ist noch gar nicht sonderlich lange her, seit in Oderbruch die ungemein faszinierenden Beißer über die Fernsehbildschirme der Republik geisterten. Außerdem gab es bereits in den 80er Jahren eine erste Adaption von „Der kleine Vampir“. Aber zumindest die irrwitzigste deutsche Vampirserie ist das unter der Ägide von UFA Fiction für den Streamingdienst Joyn produzierte Grusel-Comedy-Vehikel ganz sicher. Für Regie und Drehbuch zeichnet übrigens Peter Meister („Das schwarze Quadrat“) verantwortlich.
Fahri Yardim mag alles Mögliche sein, aber ganz sicher nicht gruselig. Dann schon eher sein Serienpartner Rocko Schamoni, zumindest ein ganz klein wenig (Stichwort Zehennägel). Doch geht es darum in der neuen Serie auch gar nicht.
Aus dem Leben eines deutschen Alltagsblutsaugers
Was in den restlichen sieben etwas über zwanzig Minuten langen Folgen auf das mehr oder weniger Vampir-begeisterte Publikum zukommt, kann man sich schon denken. Eddie muss künftig sein Leben als aufstrebender Gastronom und das Dasein als Blutsauger-Eleve unter einen Hut bekommen, ähnlich wie sein amerikanisches Gegenstück aus Reginald the Vampire. Nur eben mehr den hiesigen Comedy-TV-Gewohnheiten entsprechend. Ein kleiner Blick in die weitere Handlung (die wir hier nicht spoilern wollen) zeigt, dass diesbezüglich noch so einiges auf ihn zukommen wird.
Die Pilotfolge kommt nicht so effektlastig wie die diversen US-Vorbilder daher und verzichtet auch auf Gore-Faktor. Das allerdings bedeutet nicht, dass es nichts zum Ekeln gäbe, was in den weiteren Folgen noch öfters vorkommen wird.
Auch sind diverse chaotische Einlagen vorprogrammiert, da Vampire ja bekanntlich fliegen können. Allerdings hat Igor (ein herrlich aufspielender Rocko Schamoni) damit nach seinem langen Kellerarrest diverse Schwierigkeiten. Und wie will Eddie seine neuen Anwandlungen eigentlich Freundin Julie erklären? Sonderlich innovativ ist die Idee nicht, aber dennoch erfolgsversprechend, alleine schon wegen Publikumsliebling Fahri Yardim in der Haupt- und Titelrolle.
Für eine Zwanzig-Minuten-Folge legt der Auftakt bereits ein ansehnliches Tempo an den Tag, und die Gags setzen sich in angenehmer, weil äußerst morbider Weise von der sonstigen Komödienkost ab. Insbesondere der von der toten Frau Solbach überfahrene Andi, der seine Blessuren in heldenhafter Macho-Manier herunterspielt, sorgt für erste Lacher, die im Halse steckenzubleiben drohen.
Fazit
Echte Vampirfans mit großem Ernst bei ihrer unheimlichen Faszination wird man mit „Der Upir“ sicher nur bedingt abholen können. Doch wer Freude an schräger, skurriler Unterhaltung hat, der wird vielfach sicher auch gern bei den weiteren Folgen am Ball bleiben.
Übrigens: Upire sind keine Erfindung deutscher Comedyserien-Autoren. Im osteuropäischen Volksglauben versteht man darunter die wandelnden Leichname von Hexen, Zauberern und Ketzern, die im Gegensatz zum herkömmlichen Vampir nicht durch einen Biss, sondern durch ihre bösen Taten zu Wiedergängern wurden. Gut, nicht so ganz das Gleiche wie im Falle des unglücklichen Eddie.
Für den Anfang verleihen wir „Der Upir“ daher dreieinhalb von fünf (sich kräuselnden) Zehennägeln.