Der Palast: Review der Pilotepisode der ZDF-Serie

© er Cast der Serie Der Palast (c) ZDF
In der ZDF-Serie Der Palast begeistert Darstellerin Svenja Jung in einer Doppelrolle. Die Zwillingsschwestern Marlene und Chris wachsen, ohne voneinander zu wissen, auf verschiedenen Seiten der Mauer auf und treffen sich im Jahr 1988 durch Zufall wieder. Reicht die glamouröse Kulisse des Friedrichstadt-Palasts aus, um die Familiengeschichte aufzupeppen?
Wovon handelt die Serie Der Palast?
Chris folgt ihrem Traum einer Tanzkarriere am Friedrichstadt-Palast ziemlich erfolgreich. Nach der Schwangerschaft einer Solistin ist die 28-Jährige nun auf dem besten Weg, im neuen Stück die Paraderolle an Land zu ziehen. Ihre unbekannte Schwester Marlene bereitet sich unterdessen darauf vor, Stück für Stück das Familienunternehmen in Bamberg zu übernehmen. Auf einer Geschäftsreise in die DDR wird sie in den Friedrichstadt-Palast geladen und entdeckt entsetzt ihr Ebenbild auf der Bühne.
Wie es so weit kommen konnte, erleben wir direkt in der Eingangsszene. In der Nacht vor dem Mauerbau entführt der Vater (Heino Ferch) Marlene aus dem gemeinsamen Babybettchen und nimmt sie mit in den Westen, wo immerhin eine seiner Töchter in Freiheit aufwachsen soll. Chris lässt er bei der Mutter (Anja Kling) zurück. In Bamberg findet Marlene in Doris (Inka Friedrich) eine engagierte und liebevolle Ersatzmutter. Im Osten hat Chris die Zuwendung der Großeltern Richard (Hermann Beyer) und Elisabeth (Ursula Werner) sicher.
Doch nun, 27 Jahre nach der schicksalhaften Nacht, treffen die beiden sich im Friedrichstadt-Palast wieder und zumindest Marlene hat sofort das Gefühl, dass hier Großes im Gange ist. Nach der Aufführung verfolgt sie die unwissende Schwester in die Nacht und es kommt zu einer Konfrontation, in deren Verlauf die beiden sich einerseits zwar weigern, die eigenen Eltern zu hinterfragen, aber es schon als gegeben hinnehmen, dass sie Schwestern sind.
Während Marlene keine Zeit verliert, ihre Eltern am Abendbrottisch zur Rede zu stellen und so der Wahrheit näherkommt, traut Chris sich nicht so richtig, ihrer Mutter den Schutz der Lebenslüge wegzureißen. Doch die Schwestern stehen nun in engem Kontakt und erleben, was sich später als die letzten Atemzüge der DDR herausstellen werden, in einem politisch zusätzlich angeheizten Familiendrama.
Wie kommt es rüber?
Was an der Pilotepisode am meisten und am unmittelbarsten bezaubert, sind die Tanzszenen, in die ein deutlich zu spürender Anteil des Budgets geflossen sein dürfte. Sie fühlen sich nicht nach der Zeit an, aus der sie stammen sollen, aber atemberaubend sind sie trotzdem und genießen darf man sie auch ohne authentischen Unterbau jeder Pirouette.
Die Einzelgeschichten der beiden Schwestern sind nicht dermaßen unmittelbar spannungsreich, aber immerhin milde interessant. Dabei rückt besonders Chris in den Mittelpunkt des Interesses, natürlich auch, weil sie die direkte Verbindung zum Friedrichstadt-Palast hat, dessen Geschichte die Produktion „Der Palast“ ja unter dem Deckmantel des Familiendramas erzählen möchte.
Als die beiden Schwestern aufeinandertreffen, zeigt sich ein akuter Fall von Pilotkrankheit. Statt des psychologisch untermauerten Dramas wird hier in einer schnellen Unterhaltung die Ausgangssituation durchgepeitscht, um endlich in der Story anzukommen. Ja, was würde man machen, wenn man den eigenen Doppelgänger entdeckt? Vermutlich nicht unmittelbar von einem heimlichen Geschwisterkind ausgehen, besonders, wenn man sie durchs Fernglas stark geschminkt, im Kostüm tanzend auf der weit entfernten Bühne sichtet. Und auch Chris lässt sich überraschend schnell mental darauf ein, hier einem Familiengeheimnis auf die Spur gekommen zu sein, statt die Fremde, die sie da durch die Nacht verfolgt hat, als Irre abzutun.
Ob sich das im Laufe der sechsteiligen Serie auffangen lässt, bleibt abzuwarten. Immerhin der Start in beiden Lagern verspricht Interessantes zutage zu befördern, auf der Ost-Seite etwas politischer, auf der West-Seite etwas dramatischer.