Der Grenzgänger: Review der Pilotepisode der Sky-Serie

Der Grenzgänger: Review der Pilotepisode der Sky-Serie

Ein Polizist aus Oslo wird in Zwangsurlaub gesteckt, den er bei der Familie seines Bruders in seiner Heimatstadt verbringt. Doch kurz nach seiner Ankunft wird auch dort ein Toter gefunden. Die neue Krimiserie Der Grenzgänger wandert zwischen Krimi und Familiendrama.

Tobias Santelmann ermittelt in der Serie „Der Grenzgänger“ (c) Sky
Tobias Santelmann ermittelt in der Serie „Der Grenzgänger“ (c) Sky
© obias Santelmann ermittelt in der Serie „Der Grenzgänger“ (c) Sky

Ein Mordfall in einer norwegischen Kleinstadt sorgt für Unruhe unter den Anwohnern. Ein Polizist aus Oslo ist vor Ort und übernimmt in der Sky-Serie Der Grenzgänger die Ermittlungen - bei denen seine eigene Familie schnell ins Visier gerät. Wie wird er sich nun entscheiden?

Wovon handelt die Serie?

Nikolai Andreassen (Tobias Santelmann) arbeitet als Ermittler in Oslo an einem Mordfall. Beschuldigt wird unter anderem sein Kollege, was die Angelegenheit mehr als heikel macht. Doch auch die Tatsache, dass Nikolai sich auf eine Beziehung mit dem Bruder des Opfers einlässt, macht es nicht einfacher. Gegen seinen Willen wird er in Zwangsurlaub geschickt und fährt in seine Heimat, eine Kleinstadt an der schwedischen Grenze. Dort lebt sein Bruder, ein Witwer, mit seinen beiden kleinen Kindern ein relativ ruhiges Leben. Doch kaum erscheint Nikolai auf der Bildfläche, folgen ihm die Kriminalfälle wie ein Schatten.

Früh morgens wird Bruder Lars (Benjamin Helstad), ebenfalls Polizist, zu einem Einsatz gerufen, im Wald wird die Leiche eines Bekannten gefunden, erhängt an einem Baum, mit den Beinen im Wasser. Die Dorfpolizisten schreiben den Tod des trinkfreudigen Mannes schnell einem Selbstmord zu, besonders auch weil vom Handy des Toten eine Abschiedsnachricht an dessen Frau geschickt wurde. Doch Nikolai hat den richtigen Riecher und veranlasst umfassende Ermittlungen. Statt vom Rande zuzusehen, wird er schnell selbst mit den Untersuchungen beauftragt, denn in der Kleinstadt herrscht ein Mangel an Beamten und so entscheidet der Chef in der fernen Hauptstadt, dass Nikolai besser dort arbeite. Gemeinsam mit der Kriminalpolizistin Anniken (Ellen Dorrit Petersen) leitet er die Ermittlungen im Fall des toten Tommy (Kim-Henning Nilsen).

Die Obduktion erhärtet die Zweifel an der Suizidtheorie, kurz danach sitzen die beiden Ermittler bei der Witwe des Mannes im Wohnzimmer. Der Verstorbene hinterlässt außerdem einen Sohn im selben Alter wie Nikolais Neffe. Um Familie Andreassen noch enger mit dem Verbrechen zu verknüpfen, muss man erwähnen, dass Nikolais Vater, selbst ehemaliger Polizist, die Ermittler zum Ort des Geschehens geführt hat.

Kurz vor der Tat wurde der Ermordete außerdem von einem anonymen Anrufer beschuldigt, seinen Sohn zu missbrauchen. Eine erste Spur führt trotzdem erstmal zu Uwe, ein Freund des Toten, mit dem er gemeinsam an seinem letzten Abend in einer Kneipe war. Von dem erfährt Nikolai, dass Tommy nach dem Kneipenbesuch, kurz vor seinem Tod, Lars an einer Waldhütte treffen wollte. Lars selbst spricht von einem nächtlichen Spaziergang, doch es dauert nur eine kurze Autofahrt und Lars rückt mit der Wahrheit raus. Er wollte den reichlich betrunkenen Mann auf den Missbrauch des Kindes ansprechen, weil er hoffte, dass Tommy aufhören würde, wenn er ihm drohen würde. Tommy habe ihn angegriffen und Lars ihn dann aus Notwehr erwürgt.

Nikolai, ganz der prinzipientreue Polizist, den wir kennengelernt haben, will seinen Bruder zum Revier bringen, doch unterwegs überlegt er es sich anders und schmeißt ihn aus dem Auto.

Unterdessen sitzt Ermittlerin Anniken in der Kneipe und wartet auf Nikolai. Doch statt ihren Kollegen findet sie nur einen Hinweis darauf, dass dessen Bruder in der Tatnacht in der Kneipe war. Nikolai entscheidet nach einer nächtlichen Joggingrunde, dass er Lars nicht nur nicht verraten, sondern aktiv decken wird. Der hat jedoch eine eigene Agenda, von der wir bisher nicht viel wissen.

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Wie kommt es rüber?

Ein Polizist zu Besuch in seiner Heimat, dem die Morde zu folgen scheinen und der ziemlich unbürokratisch an den Ermittlungen beteiligt wird. Die Sky-Serie Der Grenzgänger baut auf alten Ideen auf. Und die stammen nicht einmal ausschließlich aus dem Scandi-Noir-Genre, die Serie bedient sich an einer ganzen Reihe von Crime-Klischees, um die Ausgangssituation der Story zu rechtfertigen. So richtig überspringen will der Funke dann auch nicht. Wiederholungen tun einem Krimi nicht zwangsläufig weh, meistens sind sie sogar notwendig, vor allem wenn es um die Ermittlungen geht. Doch die Serienmacher vergessen, uns jegliche Alleinstellungsmerkmale mitzuliefern.

Die Atmosphäre bleibt eintönig, im wahrsten Sinne des Wortes. Der kalte Blaufilter hilft weder die Kleinstadt noch den Wald zum Leben zu erwecken, sondern lässt die Pilotepisode wie einen langen Werbefilm wirken. Obwohl wir viele Orte der Stadt besuchen, bleibt sie blass und klischeehaft. Das ist auch den Figuren zuzuschreiben, die einfach kein Eigenleben entwickeln wollen. Die Unterhaltungen fühlen sich gestelzt an, besonders zwischen Nikolai und seiner neuen Kollegin Anniken. Zwischen den Brüdern sind die Dimensionen etwas tiefer, doch viel Hilfe ist das auch nicht. Wir erfahren bei kaum einer Entscheidung, was dahinter steckt und die Dinge, die man sich zusammenpuzzeln könnte, wirken zu flach, um wahr zu sein. Darunter fällt zum Beispiel die Vermutung, dass Nikolai seinen Bruder laufen lässt, als er an die Kinder erinnert wird. Wer noch weiter gehen möchte, der könnte anmerken, dass seine Kollegin ihm vorher entlockt hat, keine eigenen Kinder zu haben und sich mit Nichten und Neffen zufrieden zu geben. Sollte er also Lars wirklich decken, weil er keine Lust hat, sich um die Kleinen zu kümmern?

Fazit

Ein guter Krimi aus Skandinavien bringt uns eine eindringliche, meist eisige Atmosphäre und starke Figuren ins warme Wohnzimmer. Der Grenzgänger bleibt in beiden Bereichen in der Pilotepisode ziemlich oberflächlich und erfüllt die Kriterien nur auf dem Papier. Die Spannung dahinter baut sich kaum auf. Für die moralischen Fragen, die man aufwerfen will, braucht es eine Menge mehr Unterbau.

Die Serie startet heute Abend auf Sky Atlantic HD, ist aber auch ohne Abo kostenlos im Internet auf der Sky-Homepage zu streamen.

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