Der Beischläfer: Review der Pilotepisode

Der Beischläfer: Review der Pilotepisode

In Der Beischläfer schickt Amazon Prime Video seine ganz eigene Version von Monaco Franze auf die Mattscheibe. Der Kabarettist Markus Stoll nutzt seine Chance gekonnt, sich nördlich des Weißwurstäquators neue Fans zu verschaffen.

Szenenfoto aus Der Beischläfer
Szenenfoto aus Der Beischläfer
© zenenfoto aus Der Beischläfer

Mit Der Beischläfer will Amazon Prime an die großen Zeiten der bayerischen Comedyserien anknüpfen. In der Serie geht es um einen Automechaniker, der wider Willen zum Schöffen am Amtsgericht berufen wird. Das führt zu allerlei vorlauten Einrufen, verärgerten Würdenträgern und am Ende zu einer neuen Auffassung von Recht und Gerechtigkeit.

Wovon handelt die Serie?

Charlie will eigentlich in seiner kleinen Oldtimer-Werkstatt gerade einen Deal mit seinem besten Freund Xaver (Daniel Christensen) abschließen. Doch statt einer Einigung steht die Polizei vor der Tür und nimmt den gar nicht so überraschten Charlie mit. Der weiß zwar nicht, womit er das verdient hat, aber dass es etwas geben könnte, was ihn in Handschellen bringt, scheint auch klar zu sein.

Im Amtsgericht landet er im Büro der Richterin Dr. Julia Kellermann (Lisa Bitter), die ihm eröffnet, dass er als von nun an fünf Jahre als ehrenamtlicher Schöffe fungieren wird. Wie die Berufsrichterin ihm erklärt, „eine Ehre, die er nicht ablegen kann“, denn die Zeit, Einspruch zu erheben, hat er verpasst weil er seine Post nicht geöffnet hat. Seine erste Reaktion ist der Fluchtinstinkt, doch das geht gründlich schief und endet mit einem triefnassen Schuh für den Mechaniker. Also fokussiert er sich darauf, herauszufinden, wer ihm den Schlamassel eingebrockt hat. Denn wie Julia ihn wissen lässt, seine Aufgabe ist ihm nicht zufällig zugefallen, jemand hat ihn vorgeschlagen. Doch wer, das bleibt zunächst unter Verschluss.

Dem glücklosen Mechaniker bleibt also nichts anderes übrig als seine erste Verhandlung anzutreten. Dabei trifft er auf den zweiten Schöffen, einen Alt-68er, der sich nicht als Beischläfer sondern als Beisitzer bezeichnen lassen möchte.

Der Fall, den es zu verhandeln gilt, ist ein Betrug, ein Antiquitätenhändler hat eine Kundin um knapp 20.000 Euro betrogen indem er ihr ein gefälschtes Gemälde zurückgegeben hat. Doch das Strafmaß wird nicht auf der Richterbank sondern im Gerichtsflur festgelegt, wie Charlie feststellen muss. Das interessiert ihn zunächst ohnehin nicht, denn er versucht sich aus der Schöffen-Nummer zu befreien indem er der kürzlich aus Berlin zugezogenen Richterin zu einer Wohnung in München verhilft.

Wieder zuhause erfährt er von seinem Freund, was hinter dem Verhalten des Angeklagten wirklich steckt. Die Frau des Antiquitätenhändlers ist vor kurzem an Krebs verstorben obwohl der Angeklagte alle finanziellen Mittel ausgeschöpft hatte um ihr eine Behandlung zu ermöglichen.

Am Tag der Urteilsverkündung versucht Charlie alle Hebel in Bewegung zu setzen um zu verhindern, dass eine Gefängnisstrafe ausgesprochen wird. Von der Richterin wird ihm jedoch erklärt, dass Recht und Gerechtigkeit nicht dasselbe sind. Doch im letzten Moment kann er den Angeklagten überzeugen, doch noch eine Aussage zu machen um sich in die Bewährung zu retten.

Mit dieser Geschichte steigen wir auch Stück für Stück weiter in die Vergangenheit von Charlie selbst ein, denn auch er hat seine Frau verloren, in einem Unfall vor einem Jahr. Damit kommt er nach wie vor nicht besonders gut zurecht, wie wir erfahren als er seinen Schwiegervater Paul Seidl (Helmfried von Lüttichau) trifft.

Wie kommt es rüber?

Wer sich die Werbung für Der Beischläfer angesehen hat, der durfte vermuten, hier auf Klamauk mit süddeutschem Lokalkolorit zu treffen, doch was die Pilotepisode deutlich zeigt: Hier ist mehr zu holen als Schenkelklopfer auf Bayerisch. Das Drehbuch ist deutlich intelligenter als kurze Trailer glauben machen. Auch der Hauptdarsteller hat mehr zu bieten als Sprüche zu klopfen.

Was wir hier bekommen ist eine Serie, die versucht sich auf die Tradition der bayerischen Comedyserien aus den 1980ern zu besinnen und den Humor gleichzeitig in die Gegenwart zu holen. Untermauert wird das Ganze mit einer ernsten Storyline, die es bereits in der Pilotepisode schafft, Emotionalität in den Mix zu spielen.

Ebenso wie an Monaco Franze erinnert Charlie auch an amerikanische Antihelden, wie sie von zahlreichen Männern in Dramedys dargestellt wurden. Der sarkastische Loser, der tief in seinem Inneren nur versucht, den Verlust seiner großen Liebe zu verdrängen. Zwischen München und After Life trifft die Amazon-Prime-Serie einen Ton, der vielleicht bei manch einem Zuschauer besser ankommen könnte als er gedacht hat. Denn zum Gruselkabinett der deutschen Serienproduktionen kann man den Beischläfer nicht zählen. Ob er sich eher im unteren oder im oberen Mittelfeld einnistet, das müssen die weiteren Episoden zeigen. Mit einem charismatischen Cast hat sie auf jeden Fall die besten Voraussetzungen, sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen.

Fazit

Der kauzige Kfz-Mechaniker aus München zeigt uns, dass man sich an seinen Vorbildern orientieren kann ohne zu einem Abklatsch zu verkommen. Die Comedyserie Der Beischläfer versucht bayerischen Klamauk mit der Dramedy-Strömung der Gegenwart zu vereinen, was in der Pilotepisode vielversprechend anläuft.

Hier noch der Trailer zu „Der Beischläfer“:

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