Die MTV-Serie Death Valley ist der komödiantische Gegenentwurf zu The Walking Dead, Vampire Diaries und Teen Wolf und verfügt über spaßiges Unterhaltungspotenzial. Dennoch ist die Serie nichts für schwache Nerven. Ein Review.

Die Undead Task Force aus der Serie „Death Valley“ / (c) MTV
Die Undead Task Force aus der Serie „Death Valley“ / (c) MTV

The Running Dead

Eine Frau läuft weg, flüchtet durch den Supermarkt. Dabei wird sie von einem Polizeiteam verfolgt. Schließlich gelangt sie in eine Sackgasse. Es stellt sich heraus, dass es keine normale Frau ist, sondern ein Zombie. Die Beamten halten sie an, keine Dummheiten zu begehen. Als sie faucht, richten die Polizisten sie mit einem Kopfschuss nieder. Nach getaner Arbeit drehen sich die Polizisten zu einem Kamerateam um und sprechen über einen Eiscremeladen. Derweil kotzt sich einer vom Kamerateam die Seele aus dem Leib.

Nichts für schwache Nerven

Charlie Sanders und Bryce Johnson in %26bdquo;Death Valley%26ldquo; © MTV
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Diese Eröffnungsszene setzt den Ton der neuen MTV-Monster-Mockumentary Death Valley treffend fest. Denn so oder so ähnlich verläuft auch der Rest des Serienpiloten. Knallharte Cops geben vor der Kamera an und beweisen, dass sie spielend mit Zombies, Vampiren und Werwölfen fertig werden. Diese haben vor einem Jahr damit begonnen, im San Fernando Valley, Kalifornien einzufallen.

Aber statt ihnen hilflos ausgenutzt zu sein, verläuft das Leben in dieser Serie vermeintlich normal weiter. Man ist bei der Undead Task Force (UTF) des Los Angeles Police Departments gut gegen die übernatürliche Bedrohung gerüstet und begegnet ihr mit Schusswaffen und dummen Sprüchen. Die UTF wird bei ihrer täglichen Arbeit von einem Kamerateam des örtlichen Channel 5 begleitet und dieser kriegt die schonungslose Polizeiarbeit aus erster Hand geliefert und hält diese für ein potenzielles Millionenpublikum fest.

In den Hauptrollen der Serie konnte man einige bisher eher als Nebendarsteller bekannte Seriendarsteller verpflichten: Bryan Callen (ein Kollege von Barney bei How I Met Your Mother), Tania Raymonde (Alex aus Lost), Bryce Johnson (Pretty Little Liars) sowie Charlie Sanders, Caity Lotz und Texas Battle sind als relativ junge und agile Polizisten zu sehen. Die Darsteller fallen bislang nicht durch überragende Leistungen auf, machen ihre Aufgabe aber recht ordentlich und, passend zum Ton der Serie, angemessen überzogen.

Schnell wird klar, dass es hier nicht zimperlich zur Sache geht, denn die Serie ist für MTV-Verhältnisse auf der graphischen Seite sehr explizit und gewalttätig. Stellenweise sogar creepy und gruselig. Vor allem der männliche Zombie mit dem gespaltenen Kopf, der während der Szenenübergänge mehrfach im Bild zu sehen ist, hat es in sich.

Inhalt der Pilotepisode

Bryan Callen in %26bdquo;Death Valley%26ldquo; © MTV
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Natürlich darf in der Pilotepisode von Death Valley nicht die neue Mitarbeiterin namens Kirsten (Caity Lotz) fehlen, die als Proxy für den Zuschauer steht und über die die Exposition und die Prämisse klargemacht wird. Sie hat bislang weder einen Zombie gesehen noch je erfolgreich einen in Zaum gehalten, was sich jedoch im Laufe der Episode ändert und sie ihm zeigen kann, wo der Hammer hängt - leider geschieht dies vom Rest der Kollegen unbemerkt, aber immerhin ist die Kamera dabei.

Des Weiteren verfolgt die Episode zwei Zweierteams bei ihrer Streife. Zum einen geht es um die Observierung eines Motels. Denn laut der Aussage des Beamten Joe Stubeck ist Vampir-Prostitution eines der neuen Probleme seit dem Auftauchen der übernatürlichen Wesen. Die Routine-Überwachung dreht sich alsbald zu einer Polizistenentführung, denn einige Untote nehmen Stubecks Partner Billy als Geisel. Dieser wird nur im Tausch gegen eine Leiche freigelassen. Doch die Vampire haben nicht damit gerechnet, dass das Auto der Beamten mit für die Blutsauger gefährlichen UV-Lichtern versehen ist - ein cleverer Einfall der Serienmacher.

Das zweite Team beschäftigt sich mit einem Zombie-Einsatz in einem typischen 24/7-Supermarkt, der - wie sollte es auch anders sein - blutig endet, als ein Mitglied des Filmteams angegriffen wird.

Man vermische Reno 911, The Office, The Walking Dead und Vampire Diaries und erhält...

Texas Battle und Tania Raymonde in %26bdquo;Death Valley%26ldquo; © MTV
Texas Battle und Tania Raymonde in %26bdquo;Death Valley%26ldquo; © MTV

Die Serie unterscheidet sich von aktuellen Genreparodien wie Childrens Hospital, Eagleheart und NTSF:SD:SUV:: zunächst durch die Präsentation. Denn Death Valley ist eine Workplace-Mockumentary wie Reno 911 oder The Office mit Elementen der zuvor genannten adult swim-Serien. Früh scheint der Serienpilot aber im direkten Vergleich mit den knackigen Elfminütern etwas in die Länge gezogen.

Einen wichtigen Unterschied zu The Office und Modern Family gibt es aber. Während bei den Networkserien die Kamerateams stets passiv bleiben, werden sie hier von der ersten Szene an direkt involviert. Man hört sie, man sieht sie (beziehungsweise ihre allzu menschlichen Reaktionen, wie das Erbrechen nach dem ersten „Zombiekill“) und die Figuren interagieren mit ihnen. Das verleiht der Serie eine leicht unterschiedliche Note zu den braven Networkserien. Ansonsten kokettiert man auch hier mit der Kamera, plustert sich auf und reißt dumme Sprüche für die 15 Minuten Ruhm, die die Dokumentation verspricht.

Womöglich gehört auch eine Prise Cops zu dem Rezept zu Death Valley, denn die langlebige FOX-Reality-Serie gehörte viele Jahre in den USA einfach zur Samstagabendunterhaltung dazu. Deswegen benutzen die Macher von Death Valley auch Mittel wie Untertitel oder „Gebleepe“, um einer typischen Episode der Ur-Reality-Serie Tribut zu zollen und das pseudo-dokumentarische Gefühl zu transportieren.

Kritik und Fazit

Vampir-Prostitution zahlt sich nicht aus. Szenenbild aus dem Serienpiloten zu %26bdquo;Death Valley%26ldquo; © MTV
Vampir-Prostitution zahlt sich nicht aus. Szenenbild aus dem Serienpiloten zu %26bdquo;Death Valley%26ldquo; © MTV

Das Niveau der Witze ist überschaubar, aber doch amüsant. Etwa wenn einer der Beamten Spanisch und eine vermeintliche Vampirsprache nicht auseinanderhalten kann oder man dem Kamerateam zunächst Fotos von der Familie zeigt, nur um später Nacktbilder auf dem Smartphone zu präsentieren. Selbstredend dürfen hier auch schlechte Wortspiele der Marke CSI: Miami inklusive passender Sonnenbrille nicht fehlen.

Wie bereits erwähnt schreckt Death Valley nicht vor wuchtigen Bild- und Toneffekten zurück. So fährt etwa das „Plock“ eines jeden Schlags mit einem Metallbaseballschläger durch das Mark und Bein der Zuschauer. Ansonsten werden Zombies, Vampire und Werwölfe hier nicht gerade zimperlich behandelt. Kopfschüsse, verbrannte Körper und Blutspritzer sind keine Seltenheit.

Wunderbar ist zudem, wie kompromisslos die Episode endet. Dafür Chapeau! So etwas sieht man nicht alle Tage.

Death Valley hat Potenzial und könnte sich so zu einer weiteren „Guilty Pleasure“-Comedyserie entwickeln, die durch den recht einzigartigen Ansatz einen ordentlichen Einstand mit Luft nach oben feiert. Wer seinen Humor schwarz, gewalttätig und morbide mag, wirft einen Blick hinein.

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