Deadly Class 1x01

© ??Deadly Class“ (c) Syfy
Seit einiger Zeit schärft der US-Kabelsender Syfy sein Profil und bietet auch Comicfans abseits von Marvel und DC einige Adaptionen an. Angefangen hat das mit dem abgedrehten Happy!, basierend auf dem Werk von Grant Morrison und Darick Robertson, und fortgesetzt wird dies nun durch Deadly Class von Rick Remender und dem Zeichner Wes Craig. Als Produzenten stehen die Russo-Brüder hinter dem Projekt, während Remender und Autorenkollege Miles Orion Feldsott für die Geschichte verantwortlich zeichnen.
Worum geht es in „Deadly Class"?
„Deadly Class“ ist, wie der Name schon sagt, eine tödliche Coming-of-Age-Geschichte, die in den 80er Jahren unter der Reagan-Präsidentschaft spielt und vom wohnungslosen und tragisch verwaisten Marcus (Benjamin Wadsworth) handelt, der in die geheime Welt der King's-Dominion-Privatschule eingeführt wird, die von Master Lin (Benedict Wong) geleitet wird. Statt Mathe, Geschichte und Fremdsprachen stehen hier Fächer wie Nahkampf, Giftmischerei und Manipulation auf dem Stundenplan. Andere Dinge erinnnern an normale Schulen: Cliquen und Grüppchenbildung, nur eben in extremer Ausprägung und wie man sie eher im Knast kennt, Freundschaften, Beziehungen, Cafeteriaessen und mehr bestimmen den Alltag. Zu den Cliquen gehören die Yakuza, die Nazis, die Hispanics, die Goths und Punks, die Russen und andere Gruppen, die es wohl noch zu entdecken geht. Das ist teils etwas plakativ und plump, aber auch unterhaltsam.
Denn als Neuling fängt Marcus ganz unten auf der Nahrungskette an und gilt als Ratte ohne großen Wert. Er hat seit dem Tod seiner Eltern durch eine Selbstmörderin einen Hass auf die Politik von Ronald Reagan und das Ziel, ihn irgendwann einmal aus dem Weg zu räumen. In seiner Zeit als Obdachloser musste er sich zudem alles erkämpfen, weswegen ihm in der Schule ein bestimmter Ruf vorauseilt. Außerdem will er Rache an Rory nehmen, einen Obdachlosen, der andere Heimatlose umbringt und damit bisher davongekommen ist. Seine neuen Mitschüler versuchen ihn - mal mehr, mal weniger -, vom Bleiben zu überzeugen.
Da wäre Saya (Lana Condor), die zur Yakuza gehört und einen Selbstmordversuch auf einem Dach unterbindet und ihn vor der Polizei rettet, als er bekifft in eine Day-of-the-Dead-Parade läuft. Maria (Maria Gabriela de Faria) gehört zu den Latinos und hat Spaß daran, mit Marcus zu spielen und ihn zu manipulieren. Sie hetzt ihn auf ihren Freund, den aufbrausenden Chico (Michel Duval), der immer wieder provoziert und Marcus bedroht. Liam James ist der Punk Billy, der schnell einen Draht zum Neuling entwickelt und ihn in die Welt der Punks, Goths und Außenseiter einführt und die Geflogenheiten an der Schule einweiht.
Es gibt drei Regeln: keine Drogen, kein Sex und kein Ungehorsam, wobei wie immer gilt, dass man ab und an doch mit dem Sex davonkommt.
Der schwarze Gangster Willie (Luke Tennie) ist die letzte wichtige Figur, die im Piloten eingeführt wird und begleitet Marcus bei einer persönlichen Vendatta gegen Rory, wobei herauskommt, dass einiges an der Schule auch Fassade ist, wie etwa die harte Gangsterpersönlichkeit seines Begleiters. Als der ehemalige Peiniger Rory beseitigt wird, beschließt Marcus, seine Ausbildung durchzuziehen, denn einige Menschen verdienen, laut der Philosophie von Master Lin, einfach den Tod. Seine Vorfahren haben die Schule gegründet, um dem einfachen Volk die Möglichkeit zu geben, sich gegen Despoten zu wehren. Im Geheimen hat er jedoch Saya mit einem Auftrag rund um Marcus beauftragt. Soll sie ihn töten?
Reagan Youth

Deadly Class hält sich erstaunlich nah an die Comicvorlage von Remender und fängt ihren Ton für das neue Medium sehr gut ein. Besonders der Soundtrack mit Künstlern wie Depeche Mode, Devo, The Cure, The Sisters of Mercy, Black Flag oder Fugazi weiß dabei zu gefallen und trägt zur dreckigen 80er-Counter-Culture-Atmosphäre entscheidend bei.
Die Prämisse ist - typisch für High-Concept-Comics - überzeichnet und überzogen, das trifft allerdings auf viele jüngere Werke beim Image-Verlag zu und stört mich in den seltensten Fällen. Vielmehr bietet das Konzept in meinen Augen einen unterhaltsamen Mix aus bunten Figuren und Konzepten an, so dass selten Langeweile aufkommt.
Die Assassinnen-Schüler haben fast alle soziopathische oder psychopathische und narzisstische Tendenzen, die prädestiniert dazu sind, für Spaß beim Schauen zu sorgen. Das Casting der Schauspieler halte ich ebenfalls für durchgängig gelungen. Ich kann keinerlei Ausfall oder Fehlgriff feststellen und finde die meisten Performances sehenswert. Interessant, weil bisher selten in Comicverfilmungen genutzt, finde ich das leicht fatalistische Voice-over durch Marcus, was in den Comics durch sogenannte Caption-Sprechblasen eingebaut wird. Da Marcus zumindest im Auftakt die absolute Hauptfigur ist, funktioniert dieses Mittel recht gut.
Der Serienpilot bietet in seinen über fünfzig Minuten Laufzeit recht viele set pieces an, fast vielleicht etwas zu viel, aber die Autoren nutzen die Zeit, um Marcus mit den wichtigsten Playern interagieren zu lassen, die Gangs, den Stundenplan und das Machtgefüge einzuführen und die Welt somit greifbarer zu machen. Die Actionszenen sind ebenfalls gelungen und die kurze Originstory im Stil von Zeichner Wes Craig sorgt für visuelle Abwechslung.
In einer Serie rund um hormongesteuerte Teens darf natürlich auch eine potentielle Dreiecksbeziehung nicht fehlen, die aber klar auf die Comicvorlage zurückgeht und Marcus nun zwischen Saya und Maria positioniert, wobei im Laufe der Staffel hier sicherlich noch andere Personen mitmischen werden. Durch die grundverschiedenen Schüler, die natürlich auch einige Klischees und Stereotype erfüllen, ist jedenfalls reichlich Konfliktpotential gegeben und der Einstieg ist - in meinen Augen - gelungen.
Fazit

Deadly Class ist vom Start weg stylisch und cool. Der Auftakt macht direkt Lust auf mehr und verleitet dazu, die Comics, die ich jedem Fan des Action-Coming-of-Age-Genres nur empfehlen kann, erneut zu lesen. Interessante Figuren und gut ausgewählte, unverbrauchte Schauspielgesichter, ein erstklassiger Soundtrack voll nach meinem Geschmack, Action, Drama und Stil lassen „Deadly Class“ nach ganz oben auf meiner Watchlist wandern. Ich bin gespannt, ob das Niveau auch in den kommenden Wochen gehalten werden kann und freue mich auf die weiteren Folgen.
Hier noch der Trailer zur neuen Syfy-Serie „Deadly Class":
In Deutschland wird „Deadly Class" am 27. Februar beim Pay-TV-Sender Syfy Premiere feiern.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 17. Januar 2019Deadly Class 1x01 Trailer
(Deadly Class 1x01)
Schauspieler in der Episode Deadly Class 1x01
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