Die neue Serie des Skins-Schöpfers Brian Elsley, Dates, präsentiert ein Kammerspiel zwischen potentiellen Liebenden. Das gelungene Drehbuch ebnet den Weg zu einem unerwarteten Ende inklusive Cliffhanger.

Finden diese beiden einsamen Großstädter zusammen? „Dates“ liefert keine eindeutige Aufklärung. / (c) Channel 4
Finden diese beiden einsamen Großstädter zusammen? „Dates“ liefert keine eindeutige Aufklärung. / (c) Channel 4

Wer sich einmal im privaten Freundeskreis umhört und nach denjenigen fragt, die schon einmal Erfahrungen mit Onlinedating gemacht haben, der wird erstaunt sein. Zumindest war das bei diesem Autor der Fall. Es scheint kein gesellschaftliches Tabu mehr zu sein, sich über diverse Onlinenetzwerke zu Dates zu verabreden. Also konnte es ja nur eine Frage der Zeit sein, bis sich eine Fernsehserie um diese Thematik kümmert.

Men like to be on dates with me

Brian Elsley, der nach der abgedrehten letzten Staffel von Skins wohl neue Beschäftigung brauchte, hat sich also mit Dates der Blind-Dating-Welt angenommen. Kein leichtes Unterfangen, ist die Prämisse doch größtenteils vorgegeben. Männlein und Weiblein (nicht zwingend) treffen sich in einem Restaurant oder einer Bar. Manchmal wissen sie vorher, wie der andere aussieht, manchmal nicht. Dann braucht es ein Erkennungszeichen.

In Mias (Oona Chaplin) und Davids (Will Mellor) Fall sollte dies ein rotes Kleid sein. Mia hält sich jedoch nicht an die Abmachung - weder trägt sie Rot noch hat sie ihren richtigen Namen angegeben. Und das aus gutem Grund: „There are a lot of tossers out there.“ Sie ist wohl nicht allzu angetan von Davids äußerer Erscheinung, denn sie gibt sich nicht zu erkennen. Erst auf seine hartnäckigen Nachfrage- und Rechercheversuche enthüllt sie ihre Identität.

David nimmt dieses Verhalten nicht sonderlich positiv auf und so kommt es zur hochkonfrontativen Auseinandersetzung zwischen den beiden. Das Date scheint also vorüber zu sein, bevor es richtig angefangen hat. Irgendwie schaffen es jedoch beide, nach einigen Fehlstarts die Kurve zu kratzen und ins Gespräch zu kommen. Mia spielt die unnahbare, arrogante Femme fatale, David versucht, mit seiner offenen und ehrlichen Art zu punkten.

Ihre unterschiedliche Herkunft macht sich schon in diversen Äußerlichkeiten bemerkbar. Er hat keinen wirklichen Modegeschmack, worüber sie sich nicht nur einmal mokiert. Mit jedem Wort, mit jeder Geste verrät er seinen rauen Charme eines Nordengländers. Sie dagegen ist Citygirl durch und durch. Er trinkt Bier, sie Wodka Cranberry. Er ist Lkw-Fahrer, sie raucht E-Zigarette. Trotzdem kommen sie ins Gespräch, spätestens, als sie ihren richtigen Namen verrät, ist sein Eroberungseifer geweckt.

Women here are a bit of a nightmare

Zunächst kann er mit seinem Humor und seiner entwaffnenden Ehrlichkeit punkten. Sie belohnt dies mit ersten, nicht gerade vorsichtigen Flirtversuchen: „You better not be faking all this integrity.“ Schließlich glaubt sie, die Modi Operandi der beiden durchschaut zu haben: „You drive lorries, you're looking for love. I like to fuck, I'm looking for love.

Bei aller Ehrlichkeit, die er an den Tag legt, scheint er mit so viel Offenheit ihrerseits nicht zurechtzukommen: „It's just a bit of shit that you don't let people see who you really are.“ Daraufhin lässt sie zum ersten Mal ihre Fassade fallen. Chaplin spielt diesen Mimikwechsel grandios. In ihrem Gesicht spiegelt sich für den Bruchteil einer Sekunde völlige Fassungslosigkeit. Danach geht es wieder zurück zur Routine.

Die beiden spielen ihr Spielchen noch etwas weiter, dann entschließt sich Mia doch für den Hinterausgang. David will dies nicht auf sich sitzen lassen, konfrontiert sie auf offener Straße. Sie küssen sich, sie wehrt ab, ergreift die Flucht, dann doch wieder nicht. Was passiert? Niemand weiß es.

Fazit

Wenn man, wie der Rezensent, das besondere Vergnügen hat, an einem Tag gleich zwei Serienprodukte aus der Feder von Brian Elsley kritisch begutachten zu können, überrascht der signifikante Unterschied zwischen den neuen Ausgaben von Skins und der neuen Serie Dates doch beträchtlich.

Während „Skins“ in Geschichte und Dialog deutliche Schwächen zeigt, kann sich „Dates“ vor allem durch seine Drehbucharbeit auszeichnen. Die beiden exzellenten Schauspieler Oona Chaplin und Will Mellor liefern sich ein amüsantes Wortgefecht, an dessen Ende keine Auflösung, sondern ein weiteres Rätsel steht.

Dates ist eine angenehme Abwechslung von sämtlichen Pärchen- und Datingkomödien und -sitcoms, die immer wieder die uralte Dichotomie zwischen Männlein und Weiblein durchexerzieren. Mit Spannung darf man sich auf die nächsten Episoden mit neuen Pärchenkonstellationen freuen. Und natürlich auf die Auflösung des Schicksals von David und Mia im Staffelfinale.

Diese Serie passen auch zu «Dates»