Das Signal: Verschwunden - Review zur Pilotfolge der vierteiligen Mystery-Miniserie bei Netflix

© Netflix
Das passiert in der Serie „Das Signal“
Die Astronautin Paula (Peri Baumeister) hat in Das Signal die letzten drei Monate auf der Raumstation ISS verbracht und dort Versuche durchgeführt, deren Ergebnisse möglicherweise die Lebenserwartung der Menschheit drastisch erhöhen könnten. Auf dem Rückweg zur Erde offenbart sich jedoch, dass sie sich auf mysteriöse Weise verändert hat. Als kurz darauf ihr Flugzeug in die Heimat mit ihr und 176 weiteren Menschen an Bord abstürzt, gerät Paula unter Verdacht. Denn das BKA verfügt über einen Funkmitschnitt, der beweist, dass sie kurz vor dem Unglück im Cockpit war.
Was ist wirklich passiert? Und wer und was hat so drastische Auswirkungen auf Paulas Persönlichkeit gehabt? Das sind beklemmende Fragen, denen ihr hinterbliebener Ehemann Sven (Florian David Fitz) mit Tochter Charlie (Yuna Bennett) von nun an nachgeht. Dabei gerät er ins Visier mächtiger Hintermänner, die verhindern wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt.
Hier der Trailer zur Serie „Das Signal“:
Schwer zu greifen

Die Pilotepisode namens Verschwunden von „Das Signal“ gehört vielleicht zu den am schwersten zu greifenden Serienstarts der letzten Zeit bei Netflix. Einerseits punktet der Vierteiler mit einer zwar nicht gerade innovativen, aber spannenden Prämisse, spielt diese aber in den ersten rund 62 Minuten oft nicht adäquat aus. Dabei beginnt die Geschichte durchaus spannend und ist filmtechnisch gut umgesetzt. Paula und ihr Kollege Hadi sitzen in einer Raumkapsel, die sie nach einem dreimonatigen Aufenthalt auf der ISS zur Erde zurückbringt.
Anstatt jedoch nach einem Ausfall die Fallschirme notfallmäßig zu aktivieren, sitzt Paula nur wie gelähmt da, während Hadi verzweifelt versucht, an den Schalter gelangen. Im letzten Moment scheint die Astronautin wie aus einer Stasis zu erwachen und rettet ihnen damit das Leben. Die Mimik von Hauptdarstellerin Peri Baumeister lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass irgendetwas hier gewaltig nicht stimmt. Überhaupt verleiht die Aktrice ihrer Figur eine hübsche Mysteryserien-Attitüde, die sich zum Ende der Episode verstärkt.
Zeitebenen
Alles könnte also so schön sein, wenn sich das Produktions-Duo Sebastian Hilger und Philipp Leinemann nicht für eine auf zwei zeitlichen Ebenen angesiedelte Story entschieden hätte. Paulas Geschichte ist von der Jetzt-Zeit der Serie ausgehend drei Monate in der Vergangenheit und überwiegend auf der Raumstation angesiedelt. Die entsprechenden Szenen sind visuell gut umgesetzt, wenn auch bei weitem optisch nicht so stark wie etwa in Constellation beim Streamingdienst-Konkurrenten Apple TV+. Dennoch geht das Produktionsdesign hier vollkommen in Ordnung und weiß zu gefallen. Auch gegen die Dialoge zwischen ihr und (vornehmlich) ihrem US-amerikanischen Kollegen Jake Mitchel (Seumas F. Sargent) kann man aufgrund des zur Schau getragenen Realitätsanspruches nicht viel einwenden.
Auf der anderen Seite folgen wir in „Das Signal“ Sven und Charlie, die zunächst im Raumfahrtzentrum darauf warten, dass Paula sicher landet, womit konsequenterweise die weiteren Hauptfiguren eingeführt werden. Bis zu dem Moment als Paula abends mit ihrem Mann telefoniert und sich mit den Worten „wir sehen uns auf der anderen Seite“ verabschiedet, ist die Serienwelt also noch in Ordnung. Genau hier beginnen aber die Probleme. Erstens verhält sich Paula durchaus seltsam, zweitens bemerkt Sven die bedeutungsschwangere Aussage seiner Frau aber nicht. An dieser Stelle beginnt der Plot bereits zu haken, da eine solche Formulierung nicht unbemerkt bleiben dürfte.
Emotionsarmut

Gehen wir aber einmal davon aus, Sven hätte sie vor lauter Wiedersehensfreude schlicht überhört und schauen auf die nächsten Szenen. Am nächsten Morgen erwarten er und Tochter Charlie das Flugzeug aus Chile (die Kapsel ist in der Atacama-Wüste gelandet). Plötzlich erscheint jedoch die Meldung auf dem Display, dass es zu einer Verspätung kommt. Um der Szene einen Hauch Rätselhaftigkeit zu verleihen, geschieht nun etwas, dass sich wie aus der Hüfte geschossen und in Bezug auf die restliche Episode unnötig und unmotiviert anfühlt.
Eine alte, gebeugte Frau mit geheimnisvollem Blick winkt Charlie zu und beobachtet sie mit starker Intensität. Welcher Sinn hinter der Sequenz verborgen liegt, welche Rolle die Frau spielt, all das erschließt sich aus dem Kontext nicht. Womöglich wäre es eine gute Idee gewesen, die Figur im Verlauf der Folge noch einmal kurz auftauchen zu lassen, um so etwas wie einen roten Faden zu etablieren. Es mag auch durchaus möglich sein, dass dies noch geschieht. So wie die Szene eingebettet ist, fehlt jedenfalls etwas, womit die gewünschte Wirkung weitestgehend verpufft.
Hinzu kommt, dass es Florian David Fitz nicht wirklich gelingt, eine Bindung zum Publikum aufzubauen. Seine Figur bleibt schwer greifbar, ist stellenweise zu emotionsarm angelegt und es mangelt an Sympathie. Auf den Punkt gebracht ist Sven im Kern bisher ein nichtssagender Charakter, mit dem man weder den Tod seiner Frau betrauert noch überhaupt mit ihm mitfiebert.
Das erschwert den Zugang zum weiteren Verlauf ungemein, denn am nächsten Morgen erfahren wir, dass das Flugzeug mit Paula und Hadi an Bord abgestürzt ist, nachdem es tags zuvor als vermisst gemeldet wurde. Nach der vielsagenden Einleitung der Serie verwundert es kaum, dass nun das BKA auf den Plan tritt. Die Beamten hegen den Verdacht, dass Paula den Absturz verursacht haben könnte und nehmen Sven in die Mangel. Doch auch hier springt der Sympathiefunke nicht über, weil Fitz zu wenig aus der Situation herausholt.
Fazit
Es ist schwer zu beurteilen, was den Serienstart zu „Das Signal“ besser gemacht hätte. Vielleicht wäre es die klügere Idee gewesen, Paulas Anteil an der Geschichte weiter auszubauen und das spannende Cliffhanger-Ende ein paar Minuten vorzuverlegen, um damit herumzuspielen und das Publikum zu triggern. Wie man es dreht und wendet, zündet die Episode nämlich irgendwie nicht richtig. Mich ließ jedenfalls über die erste Stunde hinweg das Gefühl nicht los, dass da so viel mehr drin gewesen wäre. Handwerklich ist das Ganze ja gut gemacht und Peri Baumeister legt eine gute Performance hin. Doch der Mittelteil zieht sich trotz der angestrebten Dramatik wie Kaugummi. Es fehlt an Emotionen und an Tempo. Schade drum...
Zweieinhalb von fünf Punkten.