Das Boot 3x01

© zenenfoto aus der dritten Staffel der Serie Das Boot (c) Bavaria Fiction GmbH / Sky Deutschland
Inhaltsübersicht
Nachdem der Oberleutnant zur See Robert Ehrenberg (Franz Dinda) Kapitän Wrangel auf U-822 erstochen hat, dient er der Kriegsmarine nun als Ausbilder. Sein nächstes Kommando führt ihn auf das U-Boot 949, das vom unerfahrenen Kommandanten Franz Buchner (Konstantin Gries) geführt wird. An Bord trifft Ehrenberg auf den ehemaligen Taschendieb Pauli Müller (Alessandro Schuster), einen talentierten, aber aufsässigen Kadetten, der in ihm schnell einen wohlwollenden Mentor findet. Unterdessen wird der skrupellose Gestapo-Beamte Hagen Forster nach Lissabon versetzt, um dort die mysteriöse Ermordung eines Agenten aufzuklären. Auf der anderen Seite des Kanals sticht der Kapitän des Zerstörers HMS Persevarence, Jack Swinburne (Ray Stevenson) in See und macht Jagd auf deutsche U-Boote, um den Tod seines Sohnes zu rächen. Dabei schreckt er auch vor unrechtmäßigen Erschießungen von Kriegsgefangenen nicht zurück.
Neubeginn mit bekannten Figuren
Mit dem Ende der zweiten Staffel von Das Boot endeten sowohl der spannende Frankreich-Plot als auch die Geschichte des ruhmsüchtigen Kapitäns Wrangel. Außerdem haben die Autoren alle Hauptfiguren, ausgenommen Kaleun Hoffmann, Ehrenberg und Forster, sterben lassen. Den beiden letztgenannten Charakteren kommt im Verlauf der dritten Season eine entsprechend größere Bedeutung zu. Ehrenberg wird Ausbilder und lernt im Hafen von Kiel zufällig die hübsche Optikerin Greta (toll gespielt von Elisa Schlott) und ihre Tochter kennen. Er verliebt sich in sie und erfährt nach seinen zermürbenden Erlebnissen auf See endlich wieder ein wenig Normalität.
Franz Dinda („Mogadischu“) füllt die Rolle des traumatisierten, aber seinen Verpflichtungen treu ergebenen Marineoffiziers seit Beginn der Serie hervorragend aus, so dass es eine Freude ist, ihn erneut in einer Hauptrolle erleben zu dürfen. Auch für Forster geht es auf zu neuen Abenteuern, wobei die Figur in Staffel zwei einen Schwenk vollzog, der nicht vollends nachvollziehbar war. Ein Mann, der skrupellos Alte und Kinder erschießen lässt, seine ehemalige Geliebte vergewaltigt und Menschen grausam foltert, hat schlicht kein Gewissen.
Die dem Charakter in den Mund gelegten Zweifel an der „Endlösung“ und seine Abscheu, als sein Vorgesetzter einen jüdischen Mann und seinen kleinen Sohn erschießt, waren daher schlicht unglaubwürdig. Inwieweit sich der Trend dieser Wandlung fortsetzt, muss sich im Verlauf der Season zeigen. Interessant ist aber der historische Hintergrund, der ihn nach Lissabon führt. Der Doppelagent, den der Gestapo-Mann nach der Ermordung seines Kollegen jagt, basiert möglicherweise auf den (seinerzeit) jugoslawischen Spion Dusan Popov, der später als Vorbild für den allseits beliebten James Bond diente.
Die neuen Figuren
Die Tatsache, dass sich die Staffel auf drei Handlungsorte orientiert, wirkt sich entsprechend auf den Cast aus, den die Macher mit zahlreichen Neubesetzungen auffrischen. Die narrative Ebene in Kiel verstärken unter anderem Luise Wolfram als Hanni Lessing und Pierre Kiwitt als überehrgeiziger U-Boot-Kapitän Bobby Schulz. Hanni ist die Ehefrau des Kommandeurs Albrecht Lessing, der dem arroganten Schulz in einem ungewollten Wettstreit gegenübersteht. Die bisher vom Rezensenten gesichteten Szenen, die in Kiel spielen, versprühen allerdings einen gewissen Soap-Opera-Charme, der den Erzählfluss um U-949 ein wenig ausbremst.
Dieser gestaltet sich indes wesentlich griffiger, zumal Konstantin Gries als unerfahrener Boots-Kommandeur Buchner eine außerordentlich gute Figur macht. Buchner wollte nicht zur See fahren, beugt sich aber dem Druck seiner Mutter, die dank ihrer Führertreue von einem No-Name in die High Society aufgestiegen ist. Der unfreiwillige Werdegang des unfähigen Offiziers spiegelt sich unter anderem darin wider, dass der angehende Kapitän stets ein Notizbuch bei sich trägt, weil er die einfachsten Kommandos vergisst. Dank dieser Art der Figurenzeichnung entsteht das Bild eines unsicheren jungen Mannes, der sich zwangsweise in einer Welt zu behaupten versucht, die nicht die seine ist. Das ist durchaus gut geschrieben.
Als I Wo (1. Wachoffizier) kommt Alois Erdmann an Bord, der von Artjom Gilz verkörpert wird. Der Charakter übernimmt im Wesentlichen den Part des bereits in der ersten Staffel ausgeschiedenen Karl Tennstedt (von Augst Wittgenstein gespielt) und wird sich hauptsächlich mit Erdmann, Buchner und dem Jung-Seemann Pauli Müller herumschlagen. Alessandro Schuster bringt als Müller ein wenig frischen Wind mit ins Boot. Er ist ein ungeschliffener Rohdiamant, intelligent, hochtalentiert, aber aggressiv, ein Junge, der als Abschaum der Gesellschaft von niemanden beachtet auf der Straße lebte und nun als Matrose zum ersten Mal in seinem Leben die väterliche Zuneigung von Ehrenberg verspürt. Eine solche Figur birgt ein hohes Konfliktpotential in sich, das für einige spannende Momente sorgen dürfte.
Ray Stevenson (Dexter) übernimmt den Part des britischen Zerstörerkapitäns Jack Swinburne, ein zwiespältiger Charakter, der hart in der Atlantikschlacht kämpft, dies aber nicht immer mit lauteren und ehrenvollen Mitteln tut. Der Kriegstod seines Sohnes hat ihn verbittern lassen und es scheint beinahe unausweichlich, dass er im Verlauf der Season auf U-949 trifft.
Fazit
Die Tendenz für Das Boot ist sinkend. Mit den drei Erzählebenen bewegt sich die Serie auf dünnem Eis. In der ersten Staffel gelang es den Autoren noch spielend, eine Verbindung zwischen den großen Handlungsbögen herzustellen. Season zwei gestaltete sich durch die Einführung der Geschichte um den fahnenflüchtigen Kaleun Johannes von Reinhartz (Clemens Schick) schon schwieriger und basierte hauptsächlich auf der Beteiligung von einigen wiederkehrenden Figuren. Genau dieser Anker fehlt allerdings nun weitestgehend. Die ersten Auswirkungen zeigen sich bereits im leidlich interessanten „Kieler Intrigenspiel“ um Lessing und Schultz, das sich hinzieht wie Kaugummi und im Ersteindruck überflüssig erscheint. Zudem gibt es (bisher) keinerlei narrative Verbindung zum Lissabon-Plot, dessen Daseinsberechtigung vornehmlich auf Forsters Anwesenheit beruht.
Produktions-technisch orientiert sich die Serie eindeutig am internationalen Markt und nimmt sowohl den häufig anzutreffenden Erzählstil „viel hilft viel“ als auch das heute vorherrschende babylonische Sprachengewirr auf, um sich um Authentizität zu bemühen. Genau an dieser hapert es aber außerhalb des U-Bootes, denn die Figuren sind zum Teil klischeehaft geschrieben oder, wie im Fall von Forster, nur halbherzig zu Ende gedacht. Eine ehrlich gemeinte, kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte oder dem gefahrvollen und emotional zermürbenden Leben unter Wasser darf man zudem nicht erwarten.
Die von den Autoren erzählten Geschichten gehen einfach zu wenig in die Tiefe und zielen zu oft auf den Mainstream ab. „Das Boot“ hat zweifelsohne auch in der dritten Staffel seine spannenden Momente, tolle Schauspieler und bewegt sich auf einen actionreichen Höhepunkt zwischen Ehrenberg und Swinburne zu. Das technische Niveau ist ebenfalls ansprechend und auf der Höhe der Zeit. An Wolfgang Petersens Epos oder grandiosen TV-Verfilmungen wie Unsere Mütter, unsere Väter reicht die Serie aber dennoch nicht heran. Dazu fehlt es zu sehr am Alleinstellungsmerkmal, an dem Mut zur Stringenz und der Ehrlichkeit in Bezug auf manche Figurenzeichnung.
Das Boot: Serientrailer Staffel 3
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Staffel der Serie „Das Boot“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Samstag, 14. Mai 2022Das Boot 3x01 Trailer
(Das Boot 3x01)
Schauspieler in der Episode Das Boot 3x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?