Dark Winds: Monster Slayer - Review der Pilotepisode

© ahn McClarnon in der Serie Dark Winds (c) AMC
Das Gesicht von Zahn McClarnon kennen vermutlich viele Serienjunkies - sei es aus der zweiten Fargo-Staffel, aus Westworld, Longmire, The Son oder zuletzt aus Reservation Dogs und Marvels Hawkeye. Zwar wurde der indigene Schauspieler oft zum sogenannten Scene Stealer, doch selbst eine Serie in der Hauptrolle anführen, durfte er bislang noch nie. Der Kabelsender AMC ändert das nun mit dem Western-Noir-Thriller Dark Winds.
Die sechsteilige Auftaktstaffel stammt von Graham Roland, selbst ein Mitglied der Chickasaw Nation, der auch als Co-Schöpfer bei Tom Clancy's Jack Ryan aktiv war. Als Vorlage zum Format dient die umfangreiche „Leaphorn & Chee“-Buchreihe von Tony Hillerman, die vor knapp 20 Jahren schon mit Wes Studi verfilmt wurde (dem bis heute größten indigenen Filmstar aus Amerika). Die Geschichte spielt in den 1970er Jahren in der Wüste von New Mexico.
Als Produzent hinter den Kulissen ist bei der neuen Serie interessanterweise auch der Game of Thrones-Vater George R. R. Martin involviert (New Mexico ist immerhin sein Heimatstaat). Die Regie der Pilotepisode mit dem überaus dramatischen Titel Monster Slayer übernahm Chris Eyre, der Cheyenne- und Arapaho-Wurzeln hat. Im Ensemble finden sich auch Kiowa Gordon (Roswell, New Mexico), Jessica Matten (Tribal), Noah Emmerich (The Americans) und Rainn Wilson (The Office).
Worum geht's?
Held der Serie ist Joe Leaphorn (McClarnon), ein Navajo-Polizist, der sowohl die Traditionen seiner Vorfahren achtet als auch für die Verfassung der modernen USA eintritt. Der erstaunlich unkomplizierte Zwiespalt seiner Seele drückt sich symbolisch aus, wenn er einen Tatort betritt: Zuerst beschützt er sich mit rituellen Wangenbemalungen, dann zieht er seine Kaliber .38 (spirituelles und weltliches Denken Hand in Hand). Die Figur ist aber noch facettenreicher, denn Joe und seine Frau Emma (Deanna Allison) trauern um den gemeinsamen Sohn, der vor einiger Zeit verstarb. Das hat Spuren in der Ehe hinterlassen.
Auch im beruflichen Kontext erkennt man schnell, wie schwer sich der Charakter greifen lässt. In der allerersten Szene lernen wir Joe als Mann mit Prinzipien kennen, als er einen weißen Raubgräber zurechtweist. Gleichzeitig hält er sich selbst nicht immer an die Vorschriften, wie eine undurchsichtige Verstrickung klar macht, die Joe mit den Angehörigen eines Mordopfers zu haben scheint. Kein Wunder, dass der FBI-Agent Whitover (Emmerich) Verdacht schöpft. Kurzerhand schickt er den jungen Polizisten Jim Chee (Gordon) als Maulwurf zum Revier...

Chee, dem Leaphorn zu Recht auf Anhieb misstraut, entwickelt bald eine besondere Beziehung zu Sergeant Bernadette Manuelito (Matten). Sympathisch sind sich die beiden nicht unbedingt, aber eine gewisse Spannung ist klar spürbar. Bernadette hat eine ähnliche Haltung, was übernatürliches Denken angeht, wie ihr Chef Joe. Chee muss das erst noch lernen, zumal er ohnehin wenig Verbindung zu seiner Herkunft hat, wie seine wenig subtile Einführungsszene zeigt. Dreist grinsend fährt er an Leuten vorbei, die mit einer Autopanne in der Wüste feststecken.
Die große Frage für die kommenden Folgen dürfte sein, wer hinter dem spektakulären Überfall mitsamt Helikopterflucht im Cold Open verantwortlich ist. Der FBI-Mann Whitover hat die radikale Navajo-Gang Buffalo Society im Verdacht. Aber würden die den armen Augenzeugen wirklich so übel zurichten? Und was hat Joe mit der Familie der blinden Medizinfrau am Hut?
Für mich die stärkste Szene im Auftakt: Als Joe Whitover entgegnet, er würde nur dann Navajo als Verdächtige im Überfall auf die „Bank der Weißen“ in Betracht ziehen, wenn er wiederum die Navajo-Opfer wie Weiße behandeln, also echte Ermittlungsanstrengungen unternehmen würde. McClarnon spielt diesen harten Knochen von einem gebrochenen Westernhelden hervorragend - selbst beim Weinen strahlt dieser Mann noch so viel Würde aus...
Wie ist es?
Alles in allem ein sehr vielversprechender Auftakt zur neuen AMC-Serie Dark Winds, die hierzulande leider noch keinen Heimatsender gefunden hat. Dass Zahn McClarnon eine Hauptrolle spielen darf, die mehr als zwei Facetten hat, war längst überfällig. Aber auch seine jüngeren Kollegen Kiowa Gordon und Jessica Matten machen eine tolle Figur, besonders in der Kombination. Wenn Rainn Wilson mehr involviert wird, kann das übrigens ebenfalls nur spannend werden. Und Noah Emmerich ist sowieso stets fantastisch.
The Blessing Way: A Leaphorn & Chee Novel
Doch der Sechsteiler überzeugt nicht nur mit seinem Cast, sondern auch mit seiner Atmosphäre. Die Pilotepisode strahlt trotz ihres spektakulären Einstiegs eine große Ruhe aus; zudem bleibt immer im Vagen, ob spirituelle Elemente hier real sind oder nicht. Das sandige Setting New Mexico ist für einen Western natürlich auch perfekt gewählt. Während die Story schon deshalb keine typische Detektivgeschichte sein kann, weil wir durch die indigenen Charaktere - und vor allem auch durch die indigenen Serienmacher - ganz neue Perspektiven kriegen.
Hier abschließend noch der Trailer zur AMC-Serie Dark Winds:
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