Syfy schickt sich mit Dark Matter erneut an, den Weltraum zu erobern. Doch kann die Geschichte um eine Schiffscrew ohne Gedächtnis den Zuschauer in den Bann ziehen oder hätten sie besser in ihren Stasiskammern bleiben sollen?

Der Cast von „Dark Matter“ / (c) Syfy
Der Cast von „Dark Matter“ / (c) Syfy
© (c) Syfy

Sechs Fremde erwachen in einem Raumschiff, können sich jedoch nicht daran erinnern, wer sie sind oder was sie dort machen. Nur langsam enthüllen sich ihre Spezialgebiete und Fähigkeiten, während sie sowohl dem Zielort als auch dem Zweck ihrer Mission immer näher kommen.

The dark place underneath

Kaum aus der Stasis aufgewacht muss erst einmal das Lebenserhaltungssystem wiederhergestellt werden. Danach gibt es für die sechs Menschen an Bord eines unbekannten Raumschiffes ein wenig Zeit sich kennenzulernen, doch aufgrund eines Falles von akuter Allgemeinamnesie haben sie sich nicht sonderlich viel zu erzählen.

Also nummerieren sich die Erinnerungslosen kurzerhand - anstatt sich Namen zu geben - durch und machen sich auf, das Schiff zu erkunden. Dabei machen sie gleich mehrere äußerst interessante Entdeckungen: Anscheinend transportieren sie Waffen in großem Stil und besitzen genügend Feuerkraft, um eine kleine Armee auszurüsten.

Zudem finden sie schnell heraus, dass sie nicht alleine an Bord sind, denn sie machen Bekanntschaft mit einer Androidendame (Zoie Palmer), die aufgrund des aktivierten Sicherheitsprotokolls zunächst gewaltsam unter ihnen aufräumt, bevor sie sie deaktivieren können. Einen Reboot später erhalten sie von ihr allerdings nur wenig neue Infos, die nur geringfügig zur Aufklärung ihrer aktuellen Situation beitragen können.

Immerhin gelingt es, den ursprünglichen Kurs wiederherzustellen, der die Bande von Fremden auf einen Planeten verschlägt, auf dem sich Minenarbeiter gerade auf die Ankunft eines Killerkommandos der großen Konzerne vorbereiten und dementsprechend zu Verteidigungszwecken auf eine Waffenlieferung warten. In dem Glauben, im Besitz dieser Lieferung zu sein, stimmen die Crewmitglieder eins bis sechs darüber ab, ob sie den Minenarbeitern einen Teil ihrer Feuerkraft für deren kommendes Gefecht leihen. Doch zu ihrer Überraschung sind die sich an Bord befindenden Waffen eben nicht für die Kolonialisten gedacht. Denn, nachdem sie einige Daten aus dem Schiffscomputer wiederherstellen, erfahren sie eine unangenehme Wahrheit über sich und ihre Mission.

Scary Lizard People

Dark Matter wird mit Joseph Malozzi und Paul Mullie von Produzenten erschaffen, die im Science-Fiction-Genre bereits durch ihre Involvierung im Stargate SG-1-Universum auf einen reichhaltigen Erfahrungsschatz zurückgreifen können. Dabei ist das Szenario mit Menschen, die mit Amnesie zusammen in einer für sie scheinbar unbekannten Umgebung erwachen, sicherlich alles andere als eine neue Erfindung, doch grundsätzlich enthält solch eine Prämisse eine Menge Potential.

Technisch lässt sich die Pilotepisode als solide charakterisieren. Die Aufnahmen und das Setting innerhalb des Raumschiffs sind ziemlich stimmig und auch der optische Eindruck des Weltalls, der Planeten und des Schiffs ist durchaus in Ordnung, allerdings auch nicht spektakulär. Das ist ein Qualitätsmerkmal, welches sich an vielen Stellen der ersten Folge manifestiert.

Der Cast ist dabei mit den verschiedensten Persönlichkeiten gemischt, so dass durch ihre unterschiedlichen Wesenszüge Konflikte und interessante Interaktionen untereinander garantiert sind. Doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind so unglaublich cool, dass sie alle Eiswürfel schwitzen. In einem gewissen Maß ist das ja durchaus vertretbar, aber an manchen Stellen wirkt ihr Verhalten einfach etwas überstilisiert. Dabei bedienen sich die Macher einiger Figurenarchetypen, die nicht zum ersten Mal im Science-Fiction-Genre auftauchen. So scheint beispielsweise Hardliner Boone (Anthony Lemke) doch stark an Jayne aus Firefly angelehnt zu sein. Mit Roger R. Cross (Continuum) und Zoie Palmer (Lost Girl) gibt es immerhin ein paar Vertraute in der kanadischen Produktion zu entdecken.

Zoie Palmer und Alex Mallari © Syfy
Zoie Palmer und Alex Mallari © Syfy

Andere Crewmitglieder definieren sich zudem zu diesem frühen Zeitpunkt primär durch ihre Spezialgebiete und werden sich mit der Zeit sicherlich deutlich weiterentwickeln. Das ist eben ein generelles Problem der kurzen Zeit, die eine Pilotepisode bietet, wenn der Kern der Serie, sobald sie in die Gänge kommt, character-driven sein soll. Doch dafür ist natürlich noch nicht genug Zeit. Die zweite Episode trägt den Titel „Pilot - Part 2“, woran man erkennen kann, dass die ersten beiden Episoden eigentlich zusammengehören. Es bleibt nach Pilot noch nicht viel hängen beim Zuschauer.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass man Dark Matter abschreiben sollte, denn nach wie vor ist die Prämisse sehr interessant. Und auch das Ende der Episode ist eine Wendung, die dem Ganzen noch einmal Schwung für die nächste Episode gibt. Damit ist der Weg frei für eine Geschichte, die spannende Fragen aufwerfen dürfte. Will die Crew ihre Vergangenheit hinter sich lassen und nach Wiedergutmachung suchen? Können sie sich ändern und wollen sie es überhaupt? Stoff für dramaturgisch sinnvolle Gewissenskonflikte scheint also vorhanden zu sein. Wenn die Charaktere genug Zeit bekommen, sich vor den Augen des Zuschauers zu entwickeln, kann der mit frischen und etwas erfahreneren Darstellern gemischte Cast möglicherweise für gute Unterhaltung sorgen. Momentan werden darüber hinaus genug Geheimnisse und Mysterien platziert, die bisher zumindest ein gewisses Grundinteresse wecken können.

Fazit

Ich wollte Dark Matter wirklich mögen, da mir die Prämisse und das Genre an sich zusagen, doch die Pilotepisode lässt eher Tendenzen statt wirkliche Rückschlüsse zu, da das Gefühl bleibt, dass sie nur mit der zweiten Folge wirklich komplett ist. Dabei ordnet sich die Syfy-Serie bisher in allen Belangen als solide ein, wodurch in Richtung beider Qualitätsspektren der Weg offen ist. Die durchstilisierte, auf pure Coolness getrimmte Inszenierung der Darsteller ist dabei ganz sicher ein treibender Faktor, der die Zuschauerschaft spalten wird.

Der Trailer zu „Dark Matter“:

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