Daredevil 2x01

Daredevil 2x01

Der Mann ohne Furcht ist wieder da. Und er beschützt weiterhin Hell's Kitchen. Ein Teil des Verbrecherproblems ist gelöst. Doch es dauert nicht lange, da tauchen neue Herausforderungen und alte Bekannte wieder auf, um die sich Daredevil in der zweiten Staffel kümmern muss.

Punisher, Daredevil und Elektra / (c) Netflix
Punisher, Daredevil und Elektra / (c) Netflix

Ab sofort kann man weltweit bei Netflix die 13-teilige zweite Staffel von Daredevil sehen. SERIENJUNKIES.DE® konnte vorab die ersten sieben Episoden der Marvel-Serie anschauen. Kann das fantastische Niveau der ersten Staffel, die vor Highlights nur so sprudelte, gehalten werden?

Arm, aber gerecht

Im Auftakt Peng hat sich Daredevil als maskierter Held auf den Straßen von Hell's Kitchen etabliert. Er schnappt sich die Übeltäter, damit die Polizei, die von korrupten Kräften befreit wurde, ihnen den Prozess machen kann. Dabei vermeidet der Held weiterhin tödliche Gewalt.

In der Kanzlei herrscht auch reger Andrang, allerdings lässt sich Nelson & Murdock in Naturalien bezahlen. Klienten lassen also schon mal Bananen, schmackhafte Kuchen (Foggys Lieblingszahlung) und anderes da, Geld fließt aber nur wenig in die Kassen. Das wird zum Problem, denn selbst die Software muss man alle 30 Tage mit Fake-E-Mailaccounts erneuen. Doch Matt (Charlie Cox) glaubt, dass sich eine Lösung finden wird. Bis dahin hilft die Kanzlei weiterhin denjenigen, die sich selbst nicht helfen können.

Schon bald sorgt der Mord an einer irischen Gangsterfamilie für Aufsehen. Nur ein Mitglied kommt bei dem blutigen Anschlag mit dem Leben davon und erbittet rechtlichen Beistand. Auch die Polizei hat schon von einer Reihe von brutalen Morden gehört. Hängt eine einzige Person damit zusammen? Sollte Matt etwa mörderische Konkurrenz bekommen?

Das kann er natürlich nicht auf sich sitzen lassen, Hell's Kitchen steht unter seinem Schutz.

Foggy; Matt und Karen in in %26bdquo;Daredevil%26ldquo; © Netflix
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Die Spur führt zu Frank Castle (Jon Bernthal), einem Veteranen, der es auf die Verbrecher des Viertels abgesehen hat und nicht eher ruht, ehe sie bestraft werden. Die Gründe dafür werden - anders als in den anderen Filmen - jedoch nicht sofort aufgedeckt, sondern über mehrere Episoden verteilt präsentiert. Dabei darf vor allem Karen (Deborah Ann Woll) in seine Welt abtauchen und Recherchen anstellen.

Peng!

Matts erste richtige Begegnung mit dem Punisher endet für ihn mit einem Knall - und einem Kopfschuss. Glücklicherweise trägt er nicht mehr sein schwarzes Stoffkostüm, sondern hat von Melvin (Matt Gerald) eine Ausrüstung bekommen, die die Wucht von Schuss-und Stichwaffen verringert. Sonst wäre diese Staffel schon nach einer Episode vorbei.

Der strukturelle Aufbau der zweiten Staffel unterscheidet sich, was Antagonisten und neue Figuren angeht, definitiv von der ersten. Wurde Wilson Fisk (Vincent D'Onofrio) in Staffel eins über eine Handvoll Episoden aufgebaut, um eine übergroße Präsenz zu erschaffen, fallen die neuen Showrunner rund um Doug Petrie (Buffy the Vampire Slayer) und Marco Ramirez (Sons of Anarchy) bei dem Punisher direkt mit der Tür ins Haus. Das schweigsame und minimale Auftreten von Castle entlädt sich in seinem ersten Wort dann auch gleich in einem spannenden Cliffhanger, der Lust auf mehr macht. Bang indeed!

Time for a Punishment

Frank Castle in %26bdquo;Daredevil%26ldquo; © Netflix
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Neben Fisk hatte es Daredevil noch mit den Anhängen der Verbrecherfamilien aus Russland, China und Japan zu tun. Diesmal sind es Iren, Bikergangs und Punisher und Elektra - die aber nur teilweise und zeitweise Antagonisten sind, was auch nicht anders zu erwarten war.

In den sieben Episoden widmet man sich zuerst also ausführlich dem mörderischen Castle, um später den Fokus auf Elektra (Elodie Yung) zu verschieben, während Castle aber weiterhin präsent ist und tiefer erforscht wird. Dennoch ist es überraschend, dass ein gewisses Ereignis schon in Episode vier, Penny and Dime, eintritt. Und noch ist mir - auch nach sieben Folgen - nicht bekannt, was der ganz große Plot der Serie ist.

Bereits die erste Episode zeigt allerdings, dass man in puncto expliziter Gewalt weiterhin keine Abstriche macht, die zweite Staffel dürfte stellenweise FSK-18 sein, besonders immer dann, wenn der Punisher auftaucht. Bernthal liefert eine hervorragende Interpretation der Figur ab, die sich fundamental von seinen drei Vorgängern unterscheidet, aber womöglich die bisher beste und psychologisch tiefste ist.

Natürlich befriedigt seine Figur gewisse niedere menschliche Instinkte für Rache, Vergeltung und Bestrafung, wenn mordlüsterne Gangster in seinem Visier stehen. Das macht ihn zum perfekten Gegenentwurf von Daredevil, der diese Grenze nicht überschreiten möchte, auch wenn die Versuchung manchmal vorhanden ist.

In manchen Momenten kommt man aber einfach nicht umhin, Frank Castle zu feiern. In der Episode Hunde zu einer Schießerei besucht er etwa eine zwielichtige Pfandleihe, um sich mit Polizeifunkscannern auszustatten und weitere Waffen für sein Arsenal zu besorgen. Als der Verkäufer ein Geschäft wittert und ihm beim Gehen Kinderpornographie anbietet, kommt Castle nicht umhin, dieses menschliche Stück Dreck aus der Welt zu schaffen.

Punisher legt Daredevil in Ketten in %26bdquo;Daredevil%26ldquo; © Netflix
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Die Dynamik zwischen Matt und Frank jedenfalls ist faszinierend und für Matt teilweise auch deprimierend. Er muss einige Pein und Schmach durch ihn erdulden, worunter auch zählt, dass er mit Ketten auf ein Häuserdach gefesselt wird, während an seiner einen Hand per Tape eine Pistole mit nur einer Kugel angebracht ist. Damit stellt Frank ihn vor das Dilemma: Drück ab, nur so kannst du mich aufhalten. Doch Matt wäre nicht er selbst, wenn er nicht einen anderen Weg finden würde. Die Szene ist eine Hommage an ein Punisher-Comic von Garth Ennis und Steve Dillon - und die Steilvorlage für eine der besten Actionszenen der gesamten Serie. Sie spielt sich Dein Freund und Helfer ab und stellt selbst den Kampf im Korridor aus Cut Man in den Schatten. Das muss man selber erleben und zwar mehrfach, um die Genialität zu erfassen.

Das spätere unvermeidbare Team-Up der beiden hat bei mir jedenfalls Gänsehaut verursacht.

Alte Liebe rostet nicht

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Mit (Kinbaku) beginnt dann die große Elektra-Show. Und schon nach wenigen Minuten ist klar, dass hier ein potentieller Fanliebling sein Debüt feiert. Mit den Worten, die schon Scott Glenn als Stick über deutsches Bier sagte, wird die Verbindung der Figuren angedeutet. Elektra, Matts erste große Liebe vom College, die aber auch die dunklen Seiten in ihn hervorbringt, wird ganz anders porträtiert als in Mark Steven Johnsons „Daredevil“ und dem „Elektra“-Spin-off mit Jennifer Garner. Und das ist auch gut so. Comicfans werden allerdings wohl über ihre Leichtigkeit und ihren Humor überrascht sein. Fest steht jedenfalls, dass die Diplomatentochter sein Leben ordentlich durcheinander wirbelt. Nicht nur, weil sie die Kanzlei insgeheim finanziell großzügig unterstützt, sondern weil Matt nicht in ihre mörderische Welt gezogen werden will. Deswegen setzt er bei ihren nächtlichen Abenteuern die Regeln fest.

Warum das wichtig ist, erfährt man in einem Flashback in der Episode Kinbaku, bei dem Elektra Matt Chance für eine später Genugtuung verschafft. Auch hier gehen die Macher wieder an die Grenze des psychologisch erträglichen und schaffen ein Highlight.

Elektra auf dem Sofa in %26bdquo;Daredevil%26ldquo; © Netflix
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Wenn ich etwas an den Auftritten von Elektra kritisieren würde, dann hat das einen Fanboy-Einschlag. Ihr Kostüm ist nämlich ganz weit entfernt vom Original. Allerdings ist das schlichte Erscheinungsbild in der realistischeren Netflix-Welt eher willkommen als ein viel zu knappes rotes Dress. Hier gilt einfach Nutzen und Praktikabilität im Kampf vor Aussehen und Coolness. Wobei man sagen muss, dass das einfache Proto-Daredevil-Kostüm auch cool ist, während Elektra nun mit roten Mundschutz und viel Schwarz auftritt, wenn es gegen die Gegner von der Yakuza/Hand in den Kampf geht.

Elektras Erscheinen sorgt darüber hinaus noch für weitere Komplikationen, denn zwischen Matt und Karen bahnt sich im Laufe der neuen Folgen eine Romanze an, die immer ernster wird. Leidtragender davon ist Foggy (Elden Henson), bei dem es in Staffel eins noch so aussah, als habe er womöglich selbst Chancen bei Karen. Comicstatus hin oder her, ich hätte nichts gegen eine Beziehung zwischen Foggy und Karen. Doch aus dramatischen Gründen ist das Liebesdreieck Elektra/Matt/Karen wohl sinnvoller für die Showrunner.

Elektra-Trailer zu Daredevil:

Avocados at Law

Dafür darf Foggy an anderer Stelle glänzen. Er ist ohne Frage der härter arbeitende Anwalt der beiden und reist seinen Kollegen, wenn der mal wieder anderweitig beschäftigt ist, aus der Misere. Überhaupt ist Foggy immer zur Stelle, wenn Matt in Schwierigkeiten ist. Er findet ihn etwa nach seiner Begegnung mit dem Punisher, und er kontaktiert auch Claire Temple (Rosario Dawson), damit sie sich um ihn kümmert. Nebenbei darf er noch den Helden bei einer Fast-Gewalt-Eskalation im Krankenhaus spielen. Es ist schön, dass man auch für die Nebenfiguren wieder Storylines findet, die auch ohne die direkte Beteiligung von Matt funktionieren. Sowohl Henson als auch Woll machen ihre Sache wieder ausgezeichnet.

Darüber hinaus wird auch der Anzahl an Gerichtsszenen erhöht, was aber sinnvollin die Erzählung verwoben wird. Denn die Kanzlei übernimmt die Vertretung von einigen besonderen Klienten und bürdet sich damit besonders in einem Fall eine schwere Aufgabe auf.

Matt und Karen in %26bdquo;Daredevil%26ldquo; © Netflix
Matt und Karen in %26bdquo;Daredevil%26ldquo; © Netflix

Wer ist der Schurke?

Was in den ersten sieben Episoden der zweiten Staffel etwas unklar bleibt, ist die Frage nach einem eindeutigen Schurken. Frank Castle und Elektra haben zwar antagonistische Züge, stehen aber irgendwie doch auf der gleichen Seite wie Matt und Co. Die Iren und die Bikergang etwa würden auch auf dem Radar von Matt erscheinen, wenn sie sich etwas zuschulden kommen ließen. Am ehesten ist also die Yakuza/Hand der große Feind, der im Hintergrund die Fäden zieht, bleibt aber etwas diffus und ungreifbar, weil wir (bisher) keinen großen Anführer sehen. Bis zu dem Zeitpunkt gibt es keinen Nobu (Peter Shinkoda) und keine Madame Gao (Wai Ching Ho), aber was nicht ist, kann ja noch werden. Denn die siebte Episode Semper Fidelis hinterlässt den Zuschauer mit einem Cliffhanger, der sich gewaschen hat und nach dem ich sofort wissen möchte, was es damit auf sich hat. Da lässt fast Lost grüßen. Mancher Comicleser dürfte ob des Bildes, das dort gezeigt wird, wahrscheinlich schon eine Ahnung haben, wie es weitergehen könnte.

Gespannt kann man außerdem auf den weiteren Verlauf sein, ob etwa Vincent D'Onofrio noch einmal als Wilson Fisk erscheint. Es wäre eigentlich ziemlich schade, wenn dem nicht so wäre. Die Storyline würde definitiv ein Wiedersehen erlauben, vielleicht auch im Zusammenhang mit dem Punisher.

Das neue Kostüm

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Persönlich fand ich die erste Staffel von Daredevil genial. Bis auf die letzte Episode, die meiner Meinung nach nicht die epische Konfrontation brachte, auf die ich gehofft hatte. Das gilt allerdings lediglich für den Zeitpunkt, ab dem Daredevil im neuen Kostüm zu sehen ist und der Score auf eine Superheldentheme umsattelt. Die Verhaftung und die anschließende Flucht von Fisk finde ich phänomenal. Den anschließenden Kampf, besonders wenn man weiß, was die Macher drauf haben (Stichwort: Regen, Korridor, Nobu), not so much. Das kann vielleicht daran gelegen haben, dass man D'Onofrios fehlende Kampfkünste kaschieren wollte, die schnellen, hektischen Schnitte, die im glasklaren Kontrast zu den anderen langen Einstellungen und Fake-One-Shots stehen, haben mich allerdings etwas aus dem Finale gerissen. Dazu kommt, dass ich das neue Kostüm gewöhnungsbedürftig fand. Glücklicherweise scheinen das die Macher auch so zu sehen und sorgen durch den Punisher für ein kleines Redesign, das auch gleich viel passender wirkt. Auf Promobildern wurden auch bereits andere Kostüme für Elektra und Castle angedeutet, was Comicfans sicherlich auch positiv stimmen sollte.

Neben dem neuen Kostüm darf Matt sich auch viel mehr auf seine Kampfstäbe verlassen, was ein Genuss ist. Denn das Choreographenteam ist weiterhin einfach top und die Kämpfe sind im Superheldenbereich aktuell die Referenz, die es zu schlagen gilt. Besonders schön sind kleine Details, wenn Matt etwa die Lichter ausschlägt, um seinen Gegner einen Nachteil zu verschaffen.

It was all yellow

Ein Punkt, den ich nach zwei Staffeln Daredevil weiterhin nicht ganz nachvollziehen kann: das allgegenwärtige gelb-grüne Licht, das wie ein Schleier über Hell's Kitchen liegt. Mir ist bewusst, dass das ein Stilmittel der Macher ist und es ist auch nicht unbedingt störend (auch Morgen hör' ich auf benutzt vergleichbares Licht, um eine Atmosphäre der unterschwelligen Gefahr und Bedrohung zu erschaffen), dennoch könnte man bestimmt darauf verzichten.

Der kritische Teufel steckt im Detail

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Das klingt ja alles super? Tut es tatsächlich. Kritisieren könnte man aber, wenn man ganz streng sein will, dass sich manche Strukturen und Settings wiederholen. Der Fluch der Fortsetzung besagt, dass man das in einer Abwandlung wiederholen und im besten Fall toppen muss, was schon zuvor da war. Wie schon angedeutet fehlt in gewisser Weise auch der völlig faszinierende Bösewicht, der Fisk nun einmal war. Da haben die Marvel Studios mit ihm und Kilgrave (David Tennant) bei Jessica Jones eben ganze Arbeit geleistet. Fisk war einer der großen Pluspunkte der Debütstaffel und hinterlässt ein ziemliches Loch, das schwer zu füllen ist. Dennoch finden die Autoren andere Figuren, die prächtig unterhalten und andere Konflikte schüren.

Im Heldenmythos der Marke Marvel muss der Held in den meisten Fällen nämlich nobel und moralisch sein. Töten geht nur in Ausnahmefällen, wie bei „The Wolverine“, „Deadpool“ oder „The Punisher“. Darum ist auch Matts Glauben wieder eine große Komponente dieser Staffel.

Fazit

Trotz allem ist und bleibt Daredevil im Marvel-Serienolymp ganz weit oben. In meinen Augen ist es die kompletteste Marvel-Serie, die es aktuell gibt. Was ich damit meine, ist, dass die meisten Episoden mich prächtig unterhalten, stets mehrere sehenswerte Momente haben und mich an der Stange halten. Ich staune, ich lache, ich fühle, ich will mehr. Meistens sofort. Das gilt sowohl für die erste als auch für die zweite Staffel. Und nun möchte ich schnellstmöglich den Rest sehen.

Trailer zur zweiten Hälfte der zweiten Staffel von „Daredevil“:

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 18. März 2016

Daredevil 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Daredevil 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Peng
Titel der Episode im Original
Bang
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. März 2016 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. März 2016
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode Daredevil 2x01

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