Dare Me 1x01

Dare Me 1x01

Die Dramaserie Dare Me, kreiert von USA Network und Netflix, beleuchtet die dunklen Seiten der scheinbar fröhlichen Welt der Cheerleader. Ein Hauch von Euphoria trifft auf Friday Night Lights. Oder ist der Vergleich zu hoch gegriffen?

Willa Fitzgerald und Marlo Kelly in Dare Me (c) USA Network/Netflix
Willa Fitzgerald und Marlo Kelly in Dare Me (c) USA Network/Netflix
© illa Fitzgerald und Marlo Kelly in Dare Me (c) USA Network/Netflix

Was im europäischen Mittelalter das Ritterturnier und Festbankett mit Musik und Tanz war, ist im Amerika der Moderne das Footballspiel mitsamt Cheerleader-Performance. Hier wird entschieden, welchen jungen Menschen ein erfolgreiches Leben vergönnt sein wird, wer also später viel Geld verdient und einen attraktiven Ehepartner abkriegt. Klar wirkt das Ganze nach unzähligen Highschoolstreifen inzwischen wie ein einziges Klischee, doch scheinbar steckt noch immer reichlich Drama in dem Stoff, so dass mit Dare Me nun eine Serie zustande kam, die den zeitgemäßen Blickwinkel der Generation Z anbietet.

Das wirklich Innovative an der Serienadaption des gleichnamigen Coming-of-Age-Romans von Megan Abbott - nein, in dem Fall nicht Liv Tyler aus The Leftovers - ist der Fokus auf den oft vernachlässigten Cheerleader-Part. Ebenfalls interessant: Mit Peter Berg ist ein Produzent im Team, der mit Friday Night Lights zuvor bereits ein Sportdrama schuf, das sich um die Footballspieler dreht, die ja ohnehin meist im Zentrum stehen. Zu Hause ist Dare Me beim Kabelsender USA Network, der sich derzeit neu erfinden muss, nachdem mit Mr. Robot und Suits kürzlich die zwei markantesten Serienprojekte in Rente geschickt wurden. Netflix übernimmt den internationalen Vertrieb, wobei hierzulande noch kein offizieller Starttermin feststeht.

Worum geht's?

Die Hauptfiguren der Serie sind Marlo Kelly als Cheerleader-Captain Beth Cassidy, ihre beste Freundin und Handlangerin Addy Hanlon, gespielt von Herizen F. Guardiola (The Get Down), und Coach Colette French (Willa Fitzgerald). Letztgenannte kommt neu an die Sutton Grove High, die sich irgendwo im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten befindet. Beth und Addy könnten kaum unterschiedlicher auf ihre neue Trainerin reagieren: Während Addy in ihr eine Mentorin findet, für die sie auch sexuelle Gefühle zu haben scheint, sieht Beth in ihr eine Bedrohung, weshalb sie sie von Anfang an bekämpft.

Schnell wird klar, dass hier zwei übergroße Egos aufeinandertreffen. Dumm nur für Beth, dass sie dem Coach untergeben ist. Kurzerhand verliert sie ihren Posten als top girl. Und auch ihre Freundschaft mit Addy wird auf eine allererste Probe gestellt. Der Grund: Durch den Zuspruch der neuen Trainerin gewinnt die junge Frau, die sich längst mit der Rolle der zweiten Geige abgefunden hatte, frisches Selbstbewusstsein. Erst ganz am Ende der Pilotepisode mit dem schönen Titel Coup D'État wird deutlich, dass die Beziehung der beiden sogar noch ein bisschen komplizierter ist als anfangs angenommen...

Marlo Kelly und Herizen F. Guardiola in Dare Me
Marlo Kelly und Herizen F. Guardiola in Dare Me - © USA Network/Netflix

Spätestens jetzt werden auch die Parallelen zum HBO-Sommerhit Euphoria mit Zendaya und Hunter Schafer so auffällig, dass sie kaum noch zu übersehen sind. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Kelly erstaunliche Ähnlichkeit mit Schafer hat. Und das Glitzer-Make-up rund um die Augen der Cheerleader, die vielen Neonlichter in der scheinbar sonst dauerhaft dunklen Kleinstadt und die jugendlichen Partyexzesse mit Sex und Drogen sorgen für den Rest. Kurzum: der Albtraum aller Eltern.

Ein weiteres Thema, das sich in Dare Me als bedeutsam abzeichnet, ist der korrumpierte Charakter der erwachsenen Figuren. Ihre Scheinheiligkeit ist der wahre Grund, warum die Teenager rebellieren und um jeden Preis schockieren wollen. Eheliche Seitensprünge und fragwürdige Geschäfte mit den Talenten der Kinder stehen auf der Tagesordnung. Stärke ist die einzige Währung, die in der Erziehung vermittelt wird - und die lässt sich je nach Geschlecht eben am besten mit Football oder Cheerleading auswerten. Kein Wunder, dass die Sexszenen der Heranwachsenden eher wie perfide Machtspielchen anmuten und nicht wie sinnlicher Genuss, der auf Gegenseitigkeit basieren sollte. Auch das kennt man aus Euphoria bereits.

Fazit

Dare Me startet mit dem Fluch, zufällig einer anderen Serie so ähnlich zu sein, dass man an Vergleichen einfach nicht herumkommt. Und noch fieser: Besagte Zwillingsserie ist so gut, dass sie kaum zu übertrumpfen sein dürfte. Abgeschaut haben Megan Abbott, Peter Berg und Konsorten beim Euphoria-Macher Sam Levinson aber nicht, denn die Dreharbeiten waren schon vor der Premiere des HBO-Formats fast abgeschlossen. Rein optisch sind die Parallelen dennoch verblüffend.

Den Vergleich mit Euphoria und in gewisser Weise auch mit Friday Night Lights darf Dare Me aber gern als Kompliment verstehen - und natürlich handelt es sich hierbei um große Vorschusslorbeeren. Allerdings muss sich im Lauf der Auftaktstaffel erst noch zeigen, ob sich die Cheerleader-Dramaserie all dem würdig erweist. Nach einer Episode kann lediglich festgehalten werden, dass sich die Inszenierung der Regisseurin Steph Green durchaus sehen lassen kann. Doch was steckt unter der schönen Oberfläche? Ein paar erleuchtende Einsichten bezüglich relevanter Themenbereiche wie Essstörungen und Probleme mit dem Körperschema, die die porträtierte Sportart leider oftmals mit sich bringt, wären sicherlich wünschenswert.

Hier abschließend der Trailer zur neuen USA-Network/Netflix-Dramaserie Dare Me:

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Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 30. Dezember 2019

Dare Me 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Dare Me 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Coup D'État
Titel der Episode im Original
Coup D'État
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. Dezember 2019 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 20. März 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 20. März 2020
Autoren
Gina Fattore, Megan Abbott
Regisseur
Steph Green

Schauspieler in der Episode Dare Me 1x01

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