Drill, Baby, Drill! - in Dallas wird wieder nach Öl gebohrt, selbst dort, wo es die selige Miss Ellie ausdrücklich nicht sehen wollte. Der Fortsetzung des Soap-Klassikers gelingt es dabei erstaunlich gut, an das Original aus den 80ern anzuknüpfen.

Der Cast der Neuauflage von „Dallas“ / (c) TNT
Der Cast der Neuauflage von „Dallas“ / (c) TNT

John Ross Ewing (Josh Henderson) und seine Flamme, die Ingenieurin Elena (Jordana Brewster), liegen sich in den Armen, nachdem sie auf ein beträchtliches Ölvorkommen gestoßen sind. Einziger Schönheitsfehler: Sie haben auf der Southfork Ranch danach gebohrt, also genau an jenem Ort, der laut der testamentarischen Verfügung von Miss Ellie für Ölbohrungen Tabu sein sollte. Ein Verbot, welches Bobby Ewing (Patrick Duffy), der aktuelle Herr der Ranch, auch respektiert, nicht aber John Ross.

Trotz des Verbots durch seinen Onkel will der Heißsporn um jeden Preis weitermachen. Er ist geradezu entsetzt, als er erfährt, dass Bobby Southfork, also den Stammsitz der Familie, verkaufen will, um mit dem Erlös, wie es scheint, die Alternativenergie-Pläne seines Sohns Christopher (Jesse Metcalfe) zu fördern. John Ross ersinnt einen elaborierten Plan, um Southfork an sich zu bringen. Dazu spannt er auch seinen depressionskranken Vater J.R. (Larry Hagman) ein, welcher jedoch schon bald wieder zu alter Höchstform aufläuft...

Der Balanceakt

Neuauflagen von Serienklassikern werden in der US-Fernsehbranche zwar als vermeintlich sichere Sache angesehen. Tatsächlich birgt die Wiederbelebung einer Erfolgsserie aber ungeahnt viele Risiken: Dreht man ein Remake, so kann es zwar sein, dass man die Dynamik der Figuren wieder einfängt, aber die Zuschauer die neue Besetzung nicht akzeptieren. Setzt man eine Serie dagegen einfach nur nach einigen Jahren fort, kann es einem passieren, dass sich die Zuschauer zwar anfangs über das Wiedersehen mit den alten Protagonisten freuen, sich aber dann schon bald daran erinnern, dass es einen Grund dafür gab, warum sie vor zwanzig Jahren aufgehört hatten, das Original anzuschauen: weil nämlich sämtliche Geschichten mit diesen Figuren schon durcherzählt worden sind.

Dallas (2012) beschreitet einen interessanten Mittelweg, der sich (die Anlehnung an den Buchtitel des Philosophen Gilles Deleuze ist hier eher zufällig) als eine Melange aus Differenz und Wiederholung charakterisieren lässt. Die Serie ist einerseits eine Fortsetzung des erfolgreichen Originals aus den 80er Jahren, da die Geschichte der Familie Ewing weitererzählt und an die vergangenen Ereignisse und Figuren angeknüpft wird. Andererseits ist allerdings auch ein Remake in der Serie verborgen: Denn der zentrale Konflikt, die Auseinandersetzung zwischen John Ross und Christopher, ist thematisch (der Kampf um Southfork) wie von der Ausgestaltung der Charaktere her ein unverkennbares Abbild des Verhältnisses von J.R. und Bobby.

Bereits im Mai 2012 berichteten wir über Mediengruppe RTL lizenziert US-Serie Dallas.

Bruderzwist

Der Widerstreit der gegensätzlichen Brüder, Kain und Abel, auch wenn es sich jetzt um Cousins handelt, funktioniert immer noch bestens. Der geniale Kniff der Neuauflage besteht nun darin, dass man gar nicht erst versucht, die Wiederholung der Grundkonstellation zu verbergen, sondern sie im Gegenteil narrativ einfängt: eine von Bobbys zentralen Motivationen besteht schließlich darin zu verhindern, dass sich zwischen John Ross und Christopher das gleiche spannungsreiche Verhältnis wie zwischen ihm und J.R. auftut. Nur hat er damit wenig Erfolg, sondern befeuert mit seiner Strategie ihren Konflikt sogar noch.

Während sich in der Beziehung der beiden Cousins die Auseinandersetzung zwischen Bobby und J.R. ihrer Natur nach wiederholt, liegt allerdings im Gegenstand ihres Konflikts auch ein Moment der Differenz, welche Dallas (2012) klar vom Original-Dallas (1978) unterscheidet: Während die 80er Serie noch ganz im Geiste Reagans stehen konnte und sich nicht viele Gedanken um ein Thema wie den Umweltschutz machen musste, ist dies 30 Jahre später natürlich anders. Der Konflikt zwischen Christopher und John Ross wird dadurch zusätzlich emotional aufgeladen, dass er gleichzeitig auch einen der großen gesellschaftlichen Konflikte (in den USA und anderswo) reflektiert, zwischen der Abhängigkeit vom Öl einerseits und der Suche nach alternativen nicht-fossilen Energiequellen andererseits.

Gefühlswirren

Während John Ross ganz die Mentalität von Sarah Palin verkörpert („Drill, Baby, Drill!“): nach Öl bohren, auch wenn es das Land der Vorfahren zerstört, stehen Bobby (mit seinem Eintreten für den landschaftlichen Erhalt von Southfork) und Christopher (mit seinem - auch noch kosmopolitisch geprägten - Engagement für die Umwelt) natürlich genau auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Die Debatte, bei der es natürlich auch um Themen wie Arbeitsplätze in der Ölförderung geht (ein Aspekt, den Dallas (2012) nicht unerwähnt lässt), ist eine, welche die Emotionen nicht nur der US-Amerikaner hochkochen lässt - und sich daher bestens als thematischer Treibstoff für das neue „Dallas“ eignet.

Natürlich dürfen in einer Soap auch die Liebeswirrungen nicht fehlen: So ist John Ross mit der früheren Partnerin von Christopher zusammen, welche aber immer noch Gefühle für Letzteren zu hegen scheint, was wohl auch umgekehrt gilt. Und das, obwohl Christopher doch unmittelbar davor steht, mit Rebecca (Julie Gonzalo, Veronica Mars) vor den Traualtar zu treten. Nichtahnend, welche Hintergedanken diese dabei im Schilde führt.

Schlag auf Schlag

Geheimnisse (Bobbys Krebserkrankung!), Verrat, Intrigen und romantische Irrungen - Dallas (2012) verwendet die vertrauten Ingredienzien des Genres, wird dabei jedoch - und damit kommen wir wieder zur Differenz - ungemein tempo- und wendungsreich erzählt. Im einen Augenblick scheint Marta (Leonor Varela) eine Verbündete Bobbys im Kampf um die Bewahrung von Southfork, im nächsten scheint sie dagegen mit John Ross unter eine Decke zu stecken. Nein, mit J.R. sogar. Nein, doch mit John Ross. Oder verfolgt sie in Wahrheit ganz eigene Interessen? Und ist sie überhaupt die, als die sie sich ausgibt?

Dallas (1978) ist nie so langsam und redundant erzählt worden wie die Daily Soaps am Nachmittag. So flott wie in Dallas (2012) ging es dann allerdings doch nicht zur Sache. Allein von der Aufmerksamkeit her, welche die Serie einfordert, weist sie sich ganz eindeutig als eine Produktion des Fernsehens von heute - und für das Publikum von heute aus.

Fazit

Mein Gott, ist J.R. alt geworden! Abgesehen von dem etwas befremdlichen Eindruck, Schauspiel-Senior Hagman (dazu noch mit seinen struppigen Augenbrauen) auf einmal wieder in seiner Paraderolle zu sehen, ist Dallas (2012) eine durch und durch gelungene Neuauflage des 80er Hits. Die Serie zollt dem Original, da wo es nötig ist, Tribut (der Vorspann; die key player von früher, welche nicht nur Staffage sind, sondern eine handlungstragende Funktion haben). Gleichzeitig erzählt die Serie ein spannendes Drama mit neuen Figuren und Themen, welche jedoch das vertraute Dallas (1978)-Feeling beleben.

Trailer zu Folge 1x03

Bereits im Mai 2012 berichteten wir über Mediengruppe RTL lizenziert US-Serie Dallas.

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