Dallas (2012) 1x01

Dallas (2012) 1x01

Drill, Baby, Drill! - in Dallas wird wieder nach Öl gebohrt, selbst dort, wo es die selige Miss Ellie ausdrĂŒcklich nicht sehen wollte. Der Fortsetzung des Soap-Klassikers gelingt es dabei erstaunlich gut, an das Original aus den 80ern anzuknĂŒpfen.

Der Cast der Neuauflage von „Dallas“ / (c) TNT
Der Cast der Neuauflage von „Dallas“ / (c) TNT

John Ross Ewing (Josh Henderson) und seine Flamme, die Ingenieurin Elena (Jordana Brewster), liegen sich in den Armen, nachdem sie auf ein betrĂ€chtliches Ölvorkommen gestoßen sind. Einziger Schönheitsfehler: Sie haben auf der Southfork Ranch danach gebohrt, also genau an jenem Ort, der laut der testamentarischen VerfĂŒgung von Miss Ellie fĂŒr Ölbohrungen Tabu sein sollte. Ein Verbot, welches Bobby Ewing (Patrick Duffy), der aktuelle Herr der Ranch, auch respektiert, nicht aber John Ross.

Trotz des Verbots durch seinen Onkel will der Heißsporn um jeden Preis weitermachen. Er ist geradezu entsetzt, als er erfĂ€hrt, dass Bobby Southfork, also den Stammsitz der Familie, verkaufen will, um mit dem Erlös, wie es scheint, die Alternativenergie-PlĂ€ne seines Sohns Christopher (Jesse Metcalfe) zu fördern. John Ross ersinnt einen elaborierten Plan, um Southfork an sich zu bringen. Dazu spannt er auch seinen depressionskranken Vater J.R. (Larry Hagman) ein, welcher jedoch schon bald wieder zu alter Höchstform auflĂ€uft...

Der Balanceakt

Neuauflagen von Serienklassikern werden in der US-Fernsehbranche zwar als vermeintlich sichere Sache angesehen. TatsĂ€chlich birgt die Wiederbelebung einer Erfolgsserie aber ungeahnt viele Risiken: Dreht man ein Remake, so kann es zwar sein, dass man die Dynamik der Figuren wieder einfĂ€ngt, aber die Zuschauer die neue Besetzung nicht akzeptieren. Setzt man eine Serie dagegen einfach nur nach einigen Jahren fort, kann es einem passieren, dass sich die Zuschauer zwar anfangs ĂŒber das Wiedersehen mit den alten Protagonisten freuen, sich aber dann schon bald daran erinnern, dass es einen Grund dafĂŒr gab, warum sie vor zwanzig Jahren aufgehört hatten, das Original anzuschauen: weil nĂ€mlich sĂ€mtliche Geschichten mit diesen Figuren schon durcherzĂ€hlt worden sind.

Dallas (2012) beschreitet einen interessanten Mittelweg, der sich (die Anlehnung an den Buchtitel des Philosophen Gilles Deleuze ist hier eher zufĂ€llig) als eine Melange aus Differenz und Wiederholung charakterisieren lĂ€sst. Die Serie ist einerseits eine Fortsetzung des erfolgreichen Originals aus den 80er Jahren, da die Geschichte der Familie Ewing weitererzĂ€hlt und an die vergangenen Ereignisse und Figuren angeknĂŒpft wird. Andererseits ist allerdings auch ein Remake in der Serie verborgen: Denn der zentrale Konflikt, die Auseinandersetzung zwischen John Ross und Christopher, ist thematisch (der Kampf um Southfork) wie von der Ausgestaltung der Charaktere her ein unverkennbares Abbild des VerhĂ€ltnisses von J.R. und Bobby.

Bereits im Mai 2012 berichteten wir ĂŒber Mediengruppe RTL lizenziert US-Serie Dallas.

Bruderzwist

Der Widerstreit der gegensĂ€tzlichen BrĂŒder, Kain und Abel, auch wenn es sich jetzt um Cousins handelt, funktioniert immer noch bestens. Der geniale Kniff der Neuauflage besteht nun darin, dass man gar nicht erst versucht, die Wiederholung der Grundkonstellation zu verbergen, sondern sie im Gegenteil narrativ einfĂ€ngt: eine von Bobbys zentralen Motivationen besteht schließlich darin zu verhindern, dass sich zwischen John Ross und Christopher das gleiche spannungsreiche VerhĂ€ltnis wie zwischen ihm und J.R. auftut. Nur hat er damit wenig Erfolg, sondern befeuert mit seiner Strategie ihren Konflikt sogar noch.

WĂ€hrend sich in der Beziehung der beiden Cousins die Auseinandersetzung zwischen Bobby und J.R. ihrer Natur nach wiederholt, liegt allerdings im Gegenstand ihres Konflikts auch ein Moment der Differenz, welche Dallas (2012) klar vom Original-Dallas (1978) unterscheidet: WĂ€hrend die 80er Serie noch ganz im Geiste Reagans stehen konnte und sich nicht viele Gedanken um ein Thema wie den Umweltschutz machen musste, ist dies 30 Jahre spĂ€ter natĂŒrlich anders. Der Konflikt zwischen Christopher und John Ross wird dadurch zusĂ€tzlich emotional aufgeladen, dass er gleichzeitig auch einen der großen gesellschaftlichen Konflikte (in den USA und anderswo) reflektiert, zwischen der AbhĂ€ngigkeit vom Öl einerseits und der Suche nach alternativen nicht-fossilen Energiequellen andererseits.

GefĂŒhlswirren

WĂ€hrend John Ross ganz die MentalitĂ€t von Sarah Palin verkörpert („Drill, Baby, Drill!“): nach Öl bohren, auch wenn es das Land der Vorfahren zerstört, stehen Bobby (mit seinem Eintreten fĂŒr den landschaftlichen Erhalt von Southfork) und Christopher (mit seinem - auch noch kosmopolitisch geprĂ€gten - Engagement fĂŒr die Umwelt) natĂŒrlich genau auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Die Debatte, bei der es natĂŒrlich auch um Themen wie ArbeitsplĂ€tze in der Ölförderung geht (ein Aspekt, den Dallas (2012) nicht unerwĂ€hnt lĂ€sst), ist eine, welche die Emotionen nicht nur der US-Amerikaner hochkochen lĂ€sst - und sich daher bestens als thematischer Treibstoff fĂŒr das neue „Dallas“ eignet.

NatĂŒrlich dĂŒrfen in einer Soap auch die Liebeswirrungen nicht fehlen: So ist John Ross mit der frĂŒheren Partnerin von Christopher zusammen, welche aber immer noch GefĂŒhle fĂŒr Letzteren zu hegen scheint, was wohl auch umgekehrt gilt. Und das, obwohl Christopher doch unmittelbar davor steht, mit Rebecca (Julie Gonzalo, Veronica Mars) vor den Traualtar zu treten. Nichtahnend, welche Hintergedanken diese dabei im Schilde fĂŒhrt.

Schlag auf Schlag

Geheimnisse (Bobbys Krebserkrankung!), Verrat, Intrigen und romantische Irrungen - Dallas (2012) verwendet die vertrauten Ingredienzien des Genres, wird dabei jedoch - und damit kommen wir wieder zur Differenz - ungemein tempo- und wendungsreich erzĂ€hlt. Im einen Augenblick scheint Marta (Leonor Varela) eine VerbĂŒndete Bobbys im Kampf um die Bewahrung von Southfork, im nĂ€chsten scheint sie dagegen mit John Ross unter eine Decke zu stecken. Nein, mit J.R. sogar. Nein, doch mit John Ross. Oder verfolgt sie in Wahrheit ganz eigene Interessen? Und ist sie ĂŒberhaupt die, als die sie sich ausgibt?

Dallas (1978) ist nie so langsam und redundant erzĂ€hlt worden wie die Daily Soaps am Nachmittag. So flott wie in Dallas (2012) ging es dann allerdings doch nicht zur Sache. Allein von der Aufmerksamkeit her, welche die Serie einfordert, weist sie sich ganz eindeutig als eine Produktion des Fernsehens von heute - und fĂŒr das Publikum von heute aus.

Fazit

Mein Gott, ist J.R. alt geworden! Abgesehen von dem etwas befremdlichen Eindruck, Schauspiel-Senior Hagman (dazu noch mit seinen struppigen Augenbrauen) auf einmal wieder in seiner Paraderolle zu sehen, ist Dallas (2012) eine durch und durch gelungene Neuauflage des 80er Hits. Die Serie zollt dem Original, da wo es nötig ist, Tribut (der Vorspann; die key player von frĂŒher, welche nicht nur Staffage sind, sondern eine handlungstragende Funktion haben). Gleichzeitig erzĂ€hlt die Serie ein spannendes Drama mit neuen Figuren und Themen, welche jedoch das vertraute Dallas (1978)-Feeling beleben.

Trailer zu Folge 1x03

Bereits im Mai 2012 berichteten wir ĂŒber Mediengruppe RTL lizenziert US-Serie Dallas.

Verfasser: Christian Junklewitz am Freitag, 15. Juni 2012
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Dallas (2012) 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Söhne der Ewings (1)
Titel der Episode im Original
Changing of the Guard
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 13. Juni 2012 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 29. Januar 2013
Autoren
Jason Kolowski, Ofelia Medina
Regisseur
Michael M. Robin

Schauspieler in der Episode Dallas (2012) 1x01

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