
Fünfeinhalb Jahrhunderte nach seinem Tod gehört der italienische Maler, Bildhauer, Architekt, Erfinder und Universalgelehrte Leonardo da Vinci noch immer zu den bekanntesten Namen der Menschheitsgeschichte. Da ist es eigentlich verwunderlich, dass es so lange gedauert hat, bis der Visionär aus Florenz Held seiner eigenen TV-Serie geworden ist.
Doch in Da Vinci's Demons ist da Vinci alles andere als ein bärtiger Akademiker, der im stillen Kämmerlein die Mona Lisa porträtiert. Wer eine historisch korrekte Biographie erwartet, der ist hier falsch. In der Serie ist Leonardo ein junger, smarter Rebell (gespielt von Tom Riley), der nicht nur mit Köpfchen, sondern auch gern mal mit den Fäusten zu Werke geht und in punkto Frauen kein Kind von Traurigkeit ist. Von seinem Vater als uneheliches Kind nicht akzeptiert, hantiert Leonardo mit Hilfe seines Assistenten Nico (Game of Thrones-Veteran Eros Vlahos) und seines Kumpans Zoroaster (Gregg Chillin) an neuen Erfindungen, wie beispielsweise einer Flugmaschine, herum.

Als er einen geheimnisvollen Mentor (Alexander Siddig) trifft, erfährt er von einem mysteriösen Schriftstück namens „Book of Leaves“, hinter dem auch der teuflische Papst Sixtus IV (James Faulkner) und seine brutalen Handlanger her sind. Gleichzeitig gerät da Vinci auch in das Machtspiel um die Stadt Florenz, das vom mächtigen Clan der Medici beherrscht wird, der seine Herrschaft durch den Vatikan gefährdet sieht. Der gewiefte Erfinder Leonardo soll für die Medici neuartige Kriegswaffen bauen, um die Feinde des Clans in die Schranken zu weisen.
An verschiedenen Handlungssträngen mangelt es dem Piloten der Episode also ganz und gar nicht, sodass man als Neuzuschauer erst mal eine Menge zu verdauen hat. Beherzte Prügelszenen, verworrene Liebesbeziehungen, politische Machtspiele und eine Prise übernatürliche Mystery - Da Vinci's Demons versucht all das abzudecken und legt dabei ein ordentliches Tempo vor. Ob die Serie ihren Fokus künftig auf die politischen Intrigen legt oder sich eher in die Fantasy-Ecke einordnen wird, kann man deshalb noch schwer beurteilen. Und so lässt sich auch schwer einschätzen, ob mit den titelgebenden Dämonen tatsächliche Höllenkreaturen gemeint sind oder ob der Name wohl eher auf die charakterlichen Schwachstellen des Helden zurückzuführen ist.
Hinweis: Die Serie Da Vinci's Demons läuft in Deutschland ab Mittwoch, den 17. April 2013 um 21:45 Uhr auf Deutsch bei FOX und FOX HD.
Positiv fällt bei Da Vinci's Demons aber schon mal der bunte Cast auf, der vollen Körpereinsatz zeigt. So werden sich Genrefans über den Auftritt des Star Trek: Deep Space Nine-Veteranen Alexander Siddig freuen, aber auch James Faulkner macht als fieser Papst eine schillernde Figur. Ohnehin ist es interessant, die katholische Kirche als verottete Machtzentrale zu sehen, in der ein nacktes Kirchenhaupt beim Bad im Pool hilflose Jünglinge foltert. Ob sich hier ein Seitenhieb auf die Skandale des modernen Vatikans verbirgt? Den mit großem Abstand bizzarsten Auftritt hat allerdings Hugh Bonneville, vielen Fernsehzuschauern bestens bekannt aus dem britischen Serienerfolg Downton Abbey. In der Rolle des Grafen von Mailand findet er bereits in den ersten Minuten des Piloten ein blutiges Ende, nicht aber ohne vorher mehrmals äußerst unbekleidet durchs Bild zu hüpfen. So haben wir den Earl of Grantham wahrlich noch nie gesehen!
Hauptdarsteller Tom Riley versucht sein Bestes, der Figur des Leonardo da Vinci einen augenzwinkernden Gauner-Charme zu verpassen. Das wird allerdings an manchen Stellen etwas zu sehr ausgereizt, was die Figur etwas zu modern wirken lässt, gerade im Zusammenspiel mit anderen Charakteren. Zeitweise hat man das Gefühl, da Vinci wäre ein Zeitreisender aus dem 20. Jahrhundert, der, ausgestattet mit modernem Wissen und Gepflogenheiten, in das 15. Jahrhundert zurückversetzt wurde. Von historischer Authentizität ist hier wenig zu merken. Das ist aber wohl auch nicht der Anspruch.

Produktionstechnisch liefert Da Vinci's Demons einige imposante Aufnahmen, allerdings setzt die Produktion deutlich auf CGI-Effekte, um das Florenz der Renaissance zum Leben zu erwecken. Das sieht in einigen Aufnahmen recht gut aus, wirkt aber in vielen Einstellungen auch künstlich und überzogen - von der nüchternen Zurückhaltung eines Game of Thrones ist man hier doch etwas entfernt, was dem Look der Serie einen leicht trashigen Hauch verleiht. Punkten kann der Pilot allerdings in einigen gut getricksten Zeitlupensequenzen, die die pfeilschnelle Auffassungsgabe des Titelhelden symbolisieren sollen.
Fazit:
Insgesamt macht Da Vinci's Demons noch einen etwas unausgegorenen Eindruck, gerade weil sich schlecht einschätzen lässt, ob sich die Serie in die Richtung „Mantel und Degen“ bewegt, ob sie eher den Soap-Charakter durch die politischen und persönlichen Ränkespiele in den Fokus stellt oder ob sich die Hatz um das Jahrtausendgenie da Vinci eher zu einer Art „Buffy in der italienischen Renaissance“ entwickelt. Dass all diese Elemente auf lange Sicht glücklich vereint werden können, scheint fraglich. Auch der Spagat zwischen lockeren Sprüchen und blutigen Kampfszenen gelingt nicht immer. Dennoch lässt der Pilot der Serie gerade durch sein schnelles Erzähltempo und die beherzt aufspielenden Darsteller keine Langeweile aufkommen und macht neugierig, wie sich das ehrgeizige Projekt entwickeln könnte. Da Vinci's Demons wird vermutlich etwas brauchen, um seine Linie zu finden, aber das Potenzial für eine kurzweilige Serie, die sich und ihre historische Vorlage nicht allzu ernst nimmt, ist vorhanden. Wem The Borgias etwas zu ernst geraten ist, aber ein historisches Setting durchaus gefällt, für den lohnt sich ein Blick!