Cyberpunk: Edgerunners 1x01

Cyberpunk: Edgerunners 1x01

Mit Cyberpunk: Edgerunners beschert uns Netflix eine brandneue Eigenproduktion im Animebereich. Kann die bunte dystopisch-futuristische Vision von Studio Trigger auf Basis des Videospiels mit seiner ersten Staffel überzeugen?

Cyberpunk: Edgerunners
Cyberpunk: Edgerunners
© Cyberpunk: Edgerunners

In der Animeserie Cyberpunk: Edgerunners präsentiert uns Netflix einen Ableger des bekannten Games „Cyberpunk 2077“, welches wiederum dem Pen-&-Paper-Rollenspiel von Mike Pondsmith zu Grunde liegt, der uns mitten in die laute, bunte und raue Welt von Night City wirft.

Worum dreht sich die erste Staffel von Edgerunners?

Wir begleiten dabei den Studenten David, der an einer prestigeträchtigen Universität des Arasaka-Großkonzerns eingeschrieben ist. Dafür muss seine Mutter diverse Sonderschichten in ihrem Job als Notfallsanitäterin einlegen, da sich diese Art von Ausbildung mit Perspektive normalerweise nur die Elite der Stadt leisten kann.

Nach einem in Night City nicht unüblichen gewaltsamen Zwischenfall, der seine Mutter das Leben kostet, steht David jedoch alleine da und verliert seine Motivation, sich den Gepflogenheiten der Akademie anzupassen und seine Ausbildung weiterzuführen.

Als sich ihm die Gelegenheit bietet, sich bei seinem Streetdoc mit hochillegaler und gefährlicher Cyberware verchromen zu lassen, zögert er nicht lange, da diese seine Kraft und Reflexe auf ein übermenschliches Niveau potenziert. Kurz darauf lernt er die mysteriöse Lucy kennen, die zu einer Gruppe von Edgerunnern gehört, die im Auftrag von mächtigen Individuen oder Konzernen waghalsige Missionen gegen großzügige Bezahlung absolvieren. Als er sich der buntgemischten Söldnertruppe anschließt, öffnet sich das Tor zu einer berauschenden, adrenalingetränkten und brachialen Welt, in der er sich zu beweisen sucht.

Für eine Handvoll Eddies

Bereits die Eröffnungsszene bietet einen guten Vorgeschmack für das, was „Edgerunners“ für seine Zuschauer bereithält: ein wilder, optisch opulenter und stellenweise psychedelischer Ritt mit jeder Menge Tempo, bei dem man sich schnell so vorkommen kann, als wenn man sich als Teil der Buntwäsche im Schleudergang einer Waschmaschine befindet, während es in regelmäßigen Abständen kurze Verschnaufpausen gibt.

Die Optik als opulent zu bezeichnen, ist in diesem Fall vielschichtig behaftet: Einerseits sind die Zeichnungen und Hintergründe qualitativ sehr hochwertig umgesetzt, andererseits sind sie stellenweise aber auch gleichzeitig in einem simplen Rahmen inszeniert, der an große Werke der Vergangenheit wie „Akira“ erinnert. Kurzum: „Edgerunners“ sieht so aus, wie man sich in den 80er und 90er Jahren Cyberpunk-Visionen der Zukunft ausgemalt hat, was den Stil aus der aktuellen Landschaft von Animes heraustreten lässt. Und dieser Stil steht der Serie verdammt gut.

Zwar bekommen wir keine prägenden Figuren des Videospiels wie V oder Johnny Silverhand zu Gesicht, dafür hält Studio Triggers Version von Night City das eine oder andere Wiedersehen mit bekannten Elementen aus dem Game für Spieler parat. So gibt es etwa ein kurzes Cameo der Taxi-AI Delamain, schwerbewaffneter Trauma-Teams und vieler bekannter Konzernnamen oder Produkten. Darüber hinaus wurde auch das komplette HUD aus dem Spiel für die stilisierten Textnachrichten inklusive der vertrauten Sounds direkt übernommen, was einige Erinnerungen weckt.

Bei den expliziten Inhalten steht „Edgerunners“ dem Game in nichts nach, denn man ist bei der Darstellung von nackter Haut und von nicht gerade zimperlichen Gewaltdarstellungen überaus großzügig und zeichnet ein deutliches Bild, was die Entmenschlichung in der dystopischen Gesellschaft angeht - sei dies wortwörtlich durch den Austausch von Fleisch durch Chrom oder sinnbildlich durch die Abstumpfung ihrer Bewohner. Die Stimmung wird dabei nicht nur durch einen passenden Soundtrack unterstrichen, sondern auch von einem sehr gelungenen Ending und einem Opening eingerahmt, welches mit seinen groovigen Klängen der Indie-Band Franz Ferdinand vielleicht gerade wegen seines Kontrasts irgendwie funktioniert.

Während Protagonist David vielleicht nicht gleich zu den sympathischsten seiner Zunft gehört, bessert es sich im Laufe seiner Story, die zumindest eine glaubwürdige Entwicklung durchmacht, stetig etwas. Der Star der Geschichte ist aber eindeutig Lucy, die durch ihre charismatische Inszenierung, mit all der Selbstsicherheit, aber auch mit ihren verwundbaren Momenten, zu mehr als nur einer sexy Cyberpunk-Femme-Fatale avanciert.

Auch die „Edgerunners“-Crew um Maine und Co macht einen durchaus sympathischen Eindruck, schafft es aber letztendlich nicht, einem komplett ans Herz zu wachsen, da ihnen leider zu wenig Zeit eingeräumt wird, um mehr Tiefe zu erhalten. „Edgerunners“ ist schnelllebig, und manchmal eben etwas zu sehr... Auch David und Lucy, die in ihren (gemeinsamen) ruhigeren Szenen glänzen, hätten von ein paar mehr dieser Verschnaufpausen profitieren können. Zudem übertreibt man es an der einen oder anderen Stelle mit dem foreshadowing, denn das Schicksal so mancher Figur lässt sich dadurch ein wenig früh erahnen...

Fazit

Cyberpunk: Edgerunners ist eine wilde und atmosphärische Achterbahnfahrt, die durch einen wunderbaren Retro-Art-Style, rasantes Tempo, dynamisch-brachiale Action sowie durch ein außergewöhnliches Charakterdesign besticht. Dabei lässt man bei all der Geschwindigkeit die Gelegenheit liegen, den Figuren mehr Tiefe zu verleihen und den Zuschauern ein breiteres Gefühl der Welt von Night City zu vermitteln. So bleibt durch diesen Blick mit der Lupe am Ende ein kurzweiliger und verrückter Trip, der einfach nur gute Unterhaltung ohne zusätzlichen Ballast bietet. Dafür gibt es vier von fünf Cyberware-Implantaten.

Hier abschließend noch der offizielle Trailer zur ersten Season der Serie Cyberpunk: Edgerunners:

Verfasser: Tim Krüger am Dienstag, 27. September 2022

Cyberpunk: Edgerunners 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Cyberpunk: Edgerunners 1x01)
Titel der Episode im Original
Let You Down
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. September 2022 (Netflix)

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