Culprits: Review der Pilotfolge der Heist-Miniserie auf Disney+

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Was passiert in der Serie „Culprits“?
Der ehemalige Londoner Gangster-Bodyguard Joe Petrus (Nathan Stewart-Jarrett, Misfits) hat sich in Culprits auf einen gefährlichen Job eingelassen, der ihn reich gemacht hat. Nun lebt er mit einer neuen Identität in den USA und führt ein beschauliches Leben mit Mann und zwei Kindern. Doch die Vergangenheit holt ihn ein, als einer seiner ehemaligen Partner nach dem anderen plötzlich brutal ermordet wird. Für Joe gibt es nur einen Weg, zu überleben: Er muss besser sein als sein Gegner und diesen zuerst töten.
Von der Pilotfolge ausgehend, scheint „Culprits“ eine dieser Miniserien zu sein, die actionreich und unterhaltsam sind, aber auch nicht gerade ein Quell an Innovation darstellen. Für ein, zwei nette Fernsehabende geht das natürlich vollkommen in Ordnung, aber auch nicht mehr...
Die Serie beginnt in einer großen Villa, in der der Besitzer gerade angsterfüllt und offensichtlich misshandelt vor einem Eindringling flieht. Kurz vor dem Erreichen seiner sündhaft teuren Sportwagen, die ihm die Flucht ermöglichen könnten, trifft den Flüchtenden erst eine Kugel in die Schulter, dann eine in die Wade. Ein schlanker Mann im Jogginganzug und gruseliger Maske schreitet auf die Kamera zu, ergötzt sich kurz an dem Flehen des Verletzten und tötet ihn mit einem Kopfschuss.
Es folgt ein harter Schnitt und wir befinden uns mitten im Familienidyll von Joe Petrus, der gerade seine beiden Kinder zu Schule bringt. Die Absicht hinter diesem Cold Open von „Culprits“ ist klar: Fragen aufwerfen, deren Antworten sich erst im Laufe der acht Folgen umfassenden Staffeln enthüllen werden. Das gelingt insofern recht gut, als dass die beiden Szenen kontrastreich und atmosphärisch inszeniert sind, wobei uns Nathan Stewart-Jarrett seine Figur Joe als lebensbejahenden, netten Kerl von nebenan vorstellt, der so gar nicht zu den vorherigen Ereignissen passen will.
Dennoch ist klar, dass der Tote und er irgendetwas miteinander zu tun haben müssen, denn nur wenige Augenblicke später schaut er erschrocken auf die Ankündigung des Baus einer Umgehungsstraße in einem nahegelegenen Waldstück. Als Joe sich nachts aus dem Haus schleicht, um dorthin zu fahren, wird spätestens ersichtlich, dass er etwas zu verbergen hat. Sein Weg führt ihn zu einem Versteck, wo er eine riesige Menge Geld versteckt hat, das er nun - nicht ganz ohne Schwierigkeiten, birgt.
Rückblenden
Woher genau jenes Vermögen stammt, erfahren wir in Form von gut getimten Rückblenden, die deutlich machen, dass Joe in Wirklichkeit ein brandgefährlicher Mann ist. In England verdiente er seinen Unterhalt als schlagkräftiger Bodyguard für einen Unterweltboss, den andere Gangster auszuschalten versuchten. Die entsprechende Szene ist in eine routiniert abgespulte, unterhaltsame Actionsequenz eingebettet, die uns mehr über die Figur verrät und gleichzeitig das Tempo erhöht.
Nach dem Ereignis erzählt die nächste Rückblende dann endlich, wie Joe zu seinem Vermögen kam. Die undurchsichtige Dianne Harewood (Gemma Arterton, „Prince of Persia: The Sands of Time“) rekrutierte ihn für einen Job, der einigen der gefährlichsten Männer der Welt auf die Füße trat.
Offensichtlich gelang der Coup und Dianne hielt ihr Versprechen, allen Beteiligten eine neue Identität zu verschaffen. Allerdings lässt uns die Serie nicht darüber im Unklaren, dass offensichtlich doch nicht alles so glattging, wie gedacht. Denn einige Tage nach Joes beinahe missglückten Geldrettungsaktion, die ihn in einen Verkehrsunfall verwickelte, entdeckt er eine für ihn schockierende Nachricht. Einer seiner Mitstreiter wurde in Italien brutal ermordet, womit der Kreis geschlossen ist und wir eine Ahnung davon bekommen, was uns erwartet.
Unterhaltsam, aber vorhersehbar
So weit geht die Pilotfolge von „Culprits“ zunächst einmal vollkommen in Ordnung. Die Inszenierung leistet sich keine großen Schwächen, das Ensemble passt und die Heist-Story enthält alle Elemente, die man genretypisch erwarten darf. Rein Technisch kann man den Serienmachern also nichts vorwerfen. Allerdings könnte sich genau diese Tatsache auch als großes Manko herausstellen.
Denn die Geschichte läuft offensichtlich auf ein simples „Catch-him-first-or-die“- Schema hinaus. Dass der Jäger (Ned Dennehy, in der Serie Devil genannt, erst halt machen wird, wenn sein Auftrag vollständig ausgeführt ist, ist klar. Die Figur wird sich also zwangsläufig aus ihrem Familienleben verabschieden, und mit den Überlebenden verbünden müssen.
Insofern besteht die Gefahr der Durchschaubarkeit. Das Heist-Thema scheint hier nämlich lediglich als Aufhänger für eine Actionstory mit einigen Elementen von Thrillerserien zu dienen, wobei die Story im Endeffekt die Pfiffigkeit gut gemachter Räuberpistolen vermissen lässt. Wie gesagt: Hier ist nichts dagegen einzuwenden, sofern man weiß, worauf man sich einlässt...
Zur Vorhersehbarkeit solcher Miniserien gesellt sich außerdem, dass Netflix und Amazon Prime Video ihre Streaming-Plattformen in den letzten Jahren mit solchen Stoffen geradezu überschwemmt haben, was es äußerst schwer machen dürfte, aus der Masse hervorzustechen. Je stärker der Action-Anteil, desto weniger Narrativ lautet das oft gewählte Leitmotiv solcher Produkte. Letztlich wirken derartige Miniserien daher zu oft wie aus der Gussform gedrückt und ein wenig zurechtgefeilt. Es passt, wackelt und hat Luft, mehr aber eben auch nicht.
Fazit
In welche Richtung sich „Culprits“ letztlich entwickelt, ist relativ schwer vorherzusagen. Die Pilotfolge hinterlässt zwar einen unterhaltsamen, aber eben auch einen Allerweltseindruck. Da ist nichts, was man nicht schon in zahlreichen anderen Produktionen der Konkurrenz gesehen hätte.
Wer solche Stoffe mag, wird also ohnehin einschalten. Aber die Vielfalt der diversen VoD-Anbieter beinhaltet eben auch das Problem der Qual der Wahl. Zeit ist eine knappe Ressource, und ob man diese für eine Miniserie opfert, die zwar okay, aber vielleicht eben auch nicht mehr als das ist, muss jede Zuschauerin und jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden.
Vier von fünf Punkten